In der Arktis gibt das zurückweichende Eis nie von Menschen betretene Inseln frei, der Likouala-Sumpf im Kongo wartet bis heute auf seine geographische Erfassung, Städte wie Hong Kong oder São Paulo verlieren buchstäblich ihre Bodenhaftung. Doch das Allersonderbarste, so die feste Überzeugung des Autors, ist fast immer vor der eigenen Haustür zu finden.
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Was es doch alles zu entdecken gibt
Sikal am 30.03.2019
Bewertungsnummer: 1198227
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Wer das Buch über die „Seltsamsten Orte der Welt“ bereits gelesen hat, weiß bereits, was den Leser hier ungefähr erwartet. Wer der Meinung ist, dass unser Planet immer gleich ist und man nichts Neues mehr entdecken kann, darf sich von diesem Buch überraschen lassen – Inseln entstehen, Territorien verändern sich. In 39 Erlebnissen nimmt uns Alastair Bonnett mit, um Ungewöhnliches zu entdecken.
Dabei entführt er uns auf Inseln, in Enklaven, in utopische, gespenstische und auch versteckte Orte und lässt den Leser staunen über die faszinierenden Geschichten, die hier vorgestellt werden. Orte, die in weiter Ferne liegen oder auch direkt vor der Haustür. So bereist man beispielsweise kleinere Inselbesitzungen der Vereinigten Staaten oder welche im Ärmelkanal, erfährt von 534 Neuentdeckungen auf den Philippinen oder pflanzt Wilde Erdbeeren auf einer Verkehrsinsel (wobei diese Aktion nicht von allen goutiert wird). Man erfährt aber auch von den umstrittenen Spratly Inseln oder über das Ferghanatal, welches über mehr Enklaven verfügt als jeder andere Teil der Welt.
Der Autor erzählt auch die Geschichte über die Insel der Freiheit in Kopenhagen – Christiania – mittlerweile eine Touristenattraktion. Oder über die Helikopterstadt São Paulo, in der sich mittlerweile ein reger Verkehr in luftigen Höhen abspielt, sowie über das seltsamste Filmset dieser Welt: den Drehort des Films „Dau“ – ein voll funktionierender Ort, an dem die Schauspieler auch nach dem Stopp der Kamera das Leben am Set weiterführen mussten. Skurril, dass der Film bis heute nirgendwo zu sehen ist.
Interessantes erfährt man auch über Tsunami-Steine und Atom-Markierungen, über die Müllstadt in Kairo oder den Likouala-Sumpf im Kongo, der immer noch unkartiert ist. Vieles gäbe es hier noch zu erzählen, doch ich möchte nicht alle Geheimnisse des Buches verraten, sondern nur ein wenig die Neugier darauf wecken.
Der Autor Alastair Bonnett lebt in Newcastle upon Tyne und ist dort Professor für Sozialgeographie. An seiner Leidenschaft, dem Reisen im Kopf, auf der Landkarte und in der Realität dürfen wir hier ein wenig teilhaben. Doch er gibt auch einen guten Rat auf die Frage, welcher dieser Orte, denn ein großartiges Urlaubsziel abgäbe:
„Urlaubstage sollten voller Spaß und frei von Sorgen sein, und ich bezweifle, dass sich viele der 39 Orte in diesem Buch dafür eignen. Mein innerer Rebell schreit zudem auf, es gehe doch darum, seine eigenen Destinationen zu finden.“
Doch was uns Bonnett ebenfalls mit auf den Weg gibt, ist der Tipp, erst mal vor der eigenen Haustür zu suchen – und auch zu finden. Denn nach Überzeugung des Autors, findet man das Allersonderbarste meist direkt in der eigenen Umgebung. Dafür muss man nur die Augen offen halten und sich Zeit nehmen.
Mich hat das Buch oftmals verwundert, in Staunen versetzt und noch viel öfter überrascht. Ein wunderbares Buch, dem ich viele Leser wünsche und das sich natürlich 5 Sterne verdient.
Der Abenteurer wird politisch…
Juti aus HD am 10.06.2019
Bewertungsnummer: 2729908
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Der Abenteurer wird politisch Seltsam ist übrigens, dass der Autor Geografie-Professor ist, aber für Wikipedia nicht existiert. Mir kommt er vor wie ein kleiner Junge auf dem Abenteuerspielplatz Erde. Die Minquiers sind Kanalinseln südlich von Jersey. Mit 12m Tide entsteht bei Ebbe ein großes Territorium, bei Flut bleiben ein paar unbewohnte Felsen. 1953 wurden Ansprüche Frankreichs abgelehnt. Auch die USA besitz solche Mikroinselnd. Historische Grundlage ist der Guano Act, wonach jede Insel, auf der man Vogelscheiße sammeln kann und die kein anderer beansprucht, zur USA gehört. Ein Witzbold hat eine Vereinigung solcher Inseln mit angeblich 68 Bewohnern gegründet. Im südchinesischen Meer liegen die Spratly-Inseln. Es sind nur unbewohnte Felsen. Manche werden künstlich vergrößert, um sie militärisch nutzen zu können. Im botnischen Meerbusen hebt sich nach der Eiszeit am schnellsten das Land. Wegen der Nachricht, dass die Philippinen 534 neue Inseln entdeckt hätten, beschäftigt sich der Autor mit der Definition einer Insel. Weiter geht es mit der Sprachinsel Ladinisch in den Alpen. Im Kaukasus und auf Neuguinea gäbe es noch mehr Sprachen. Eruv ist eine religiöse Enklave, in der Juden am Sabbat das erlaubt ist, was sie daheim auch dürfen, ein Beispiel ist ein Strand in Sydney. Im Ferghanatal geht es um politsche Enklaven. Das bevölkerungsreichste Tal Zentralasiens gehört von Ost nach West erst Kirgisistan, dann Usbekistan, dann Tadschikistan. Den Sandwall in der Sahara, der die Arabische Republik Sahara und Marokko trennt, kann ich bei google kaum erkennen. Die „allerseltsamsten Orte“ werden zu Kriegsgebieten wie auch bei Neurussland, also der Ostukraine und dem Islamische Staat. Der Malteser-Orden hat nur eine Palast in der Via Condotti 68 in Rom, ansonsten kein Territorium, fühlt sich aber souverän. Ohne Territorium sind auch Cybertopia -also Second Life- und die neuen Nomaden, die in Wahrheit „Kleinunternehmer mit winzigem Wohnwagen“ sind. Utopische Orte heißt das Kapitel mit dem Felsengarten von Nek Chand in von Le Corbusier geplanten Chandigarh. Im Freistaat Christiania in Kopenhagen darf jeder leben, wie er will, wenn er keinem anderen schadet. Aber mehr als 900 Bewohner nimmt Christiania nicht auf. In Helsinki träumt der Autor von der wilden Ernte. Sao Paulo hat so viele Staus, dass Superreiche mit dem Helikopter über die Stadt fliegen, die so laut sind, dass sie nur über große Straßen und Flüsse fliegen dürfen. In Hongkong funktioniert, was in Newcastle und in Europa nicht klappt: Eine zweite Ebene für Fußgänger, während die Autos auf dem Boden fahren. Damit wären wir bei den gespenstischen Orte wie im Tokioer Bahnhof Shinjuku, wo es eine tiefen Tunnel geben soll, aus dem Menschen nicht zurückkehren. Boys Village soll ein 1925 errichtetes Feriencamp gewesen sein, 1990 geschlossen. Auf dem alten britischen Friedhof in Shimla sieht man ein neues Hotel und der Drehort des Films Dau ist schlicht ein Haus. Der nie veröffentliche Film stellte den Kommunismus so realistisch dar, dass einige Schauspieler real verhaftet wurden. Mit dem esoterischen, magischen London und mit Tsunami-Steinen, die vor der Bebauung des Ufers in Japan warnen endet das Kapitel. Die Müllstadt von Kairo, in der Kopten schufften, sieht bei google wie ein Golfplatz aus. Auf Street view fehlen die Hidden Hills in Kalifornien wegen Reichtum und die Slums in Sri Lanka wegen Armut. Trap Streets sind Straßen, die aus Urheberrechtsgründen in Karten eingezeichnet werden. Der Urwald im Kongo ist ein weißer Fleck. Über Steueroasen, Dornenlandschaften gegen Obdachlose, Hainan geht es in Jerusalem unter die Erde, um Besitzverhältnisse zu klären und in die Nordsee während der Eiszeit. Schließlich werden neue Handelsrouten in der Arktis und Unterseeforschung von Cousteau beschrieben. Obwohl mich das Buch fesselte, sind einige Abschnitte überflüssig. 4 Sterne gekürzt
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