Nie kann Doris Dörrie der Versuchung widerstehen, von einer Reise etwas mitzubringen: eine Origami-Schnecke aus Japan, eine Ringer-Maske aus Mexiko, die Figur einer Reisgöttin aus Bali, Boxerstiefel aus New York oder Borotalco, ein Wundermittel gegen Flecken aus Italien. Nützliches, Krimskrams, exotische Lebensmittel, Zauberutensilien und kitschige Staubfänger. In der Begegnung mit den Dingen erzählt Doris Dörrie auf ihre unverwechselbar persönliche Art vom Leben, Schreiben und Reisen.
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Einblicke
Kaffeeelse (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 09.07.2024
Bewertungsnummer: 2240529
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Doris Dörrie wirft hier sehr interessante und empathisch-kluge Blicke auf das Leben, Doris Dörrie verzaubert nicht nur mit ihren Filmen, nein, dies gelingt ihr mühelos in ihrem Buch „Die Reisgöttin“. Schön, warm und erhellend blickt die Autorin und Regisseurin hier auf das Leben, auf ihre Reisen. Denn sie hat einen Tic, sie muss immer etwas mitbringen. Ein schöner Tic, denn so umgibt sie sich mit Erinnerungen. Sehr schöne Erinnerungen. So ohne Banalität. Denn Doris Dörrie blickt interessant auf ihre Umgebung, auf das Fremde, lässt damit die Leserschaft ebenso interessant und träumerisch auf das Andere schauen. Lässt dabei ein eigenes Sinnieren zu und ermöglicht dieses Sinnieren ebenso der Leserschaft. Leicht plätschern diese Anekdoten an der Leserschaft vorbei, aber sie sind alles andere als leicht und plätschernd. Sie ermöglichen Einblicke in andere Welten, in anderes Denken und sie ermöglicht auch sehr persönliche Einblicke. Einblicke, die die Autorin sofort sympathisch machen. Erinnern diese Einblicke doch an die eigenen Blicke, Empfindungen, Ecken und Tics. Und ebenso ermöglichen diese Anekdoten Einblicke in andere Welten, in anderes Denken, Anekdoten, die andere Wichtigkeiten zeigen. Es sind Einblicke, die unsere hektische Welt kurz zum Stillstand bringen und vielleicht, so der Leser will und kann, auch gewisse Veränderungen bewirken. Denn das Schöne ist wichtig, es ist nicht die Angst und das Böse, was uns bewegen sollten, sondern das Schöne. Denn diese Reise hier auf Erden ist endlich und Doris Dörrie scheint um die Wichtigkeit des Schönen zu wissen, der in anderen Kulturen doch gefrönt wird. Anmerkung an uns alle.
Mit diesem Buch hier bin ich auf die Tapir-Reihe von Diogenes aufmerksam geworden. Eine Reihe, die sich mit unserer Menschlichkeit befasst, uns zum Nachdenken bringen soll, uns an das Schöne in uns erinnern soll, eine Reihe, die einen großen Nachhall in mir findet. Denn unsere westliche Welt verliert meines Erachtens nach den Anschluss zu unseren Wurzeln und Tapir ermöglicht ein Sinnieren darüber. Eine wunderschöne Idee. Bitte mehr davon.
Der Mensch entscheidet bei allem mit
Bewertung (Mitglied der Book Circle Community) am 01.07.2024
Bewertungsnummer: 2235017
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
“Gut miteinander zu sein ist schön.” Das steht auf dem Teller, den Doris Dörrie einmal aus Japan mitgebracht hat. Aber das wusste sie nicht, als sie ihn in einem japanischen 1-Euro-Laden entdeckte und einfach mitnehmen musste. Sie war mit Elmar Wepper und Hannelore Elsner für den Dreh von Kirschblüten - Hanami dort und schleppte ihn durch halb Japan bis nach Hause. Dort erfuhr sie dann von der Bedeutung der Inschrift und “… mit einem Mal füllte sich mein Alltagsteller mit einer besonderen, grossen Geschichte … mit den Erinnerungen an den Tag, an dem Elmar Wepper und Hannelore Elsner vorm Fuji tanzten und uns alle glücklich machten.”
Viele kurze, kaum 2 Seiten lange Texte versammeln sich in diesem Büchlein, das ich so gern zu Hand genommen habe und bei dem ich mich geradezu dazu zwingen musste, nur eine … höchstens zwei … der Geschichten zu lesen. Und diese dann nachhallen zu lassen. Jede Geschichte für sich ist ein ganz besonderes Kleinod, das ein bisschen Langsamkeit und Achtsamkeit in unsere schnelllebige Welt bringt. Dazu passt auch diese ganz besondere Edition von Diogenes Tapir. In den Tapir-Büchern finden sich ausserdem Postkarten mit Sprüchen. Auch das eine sehr schöne Idee. Bei mir war es: “Der Mensch entscheidet bei allem mit.” Wohl wahr. Und dessen sollten wir uns immer bewusst sein.
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