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Großbritannien ist von einer hohen Mauer umgeben. Joseph Kavanagh gehört zu jener Gruppe von jungen Menschen, die sie gegen Eindringlinge verteidigt. Der Preis für ein mögliches Versagen ist hoch: Schaffen es Eindringlinge ins Land, werden die verantwortlichen Verteidiger dem Meer – und somit dem sicheren Tod – übergeben. Das Leben auf der Mauer verlangt Kavanagh einiges ab, doch seine Einheit wird zu seiner Familie. Mit Hifa, einer jungen Frau, fühlt er sich besonders eng verbunden. Gemeinsam absolvieren sie Kampfübungen, die sie auf den Ernstfall vorbereiten sollen. Denn ihre Gegner können jeden Moment angreifen. Für ein Leben hinter der Mauer sind sie zu allem bereit.
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Pflichtdienst, der alles kostet
LiSa aus Stuttgart am 08.05.2025
Bewertungsnummer: 2486125
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
In "Die Mauer" von John Lankeser schildert ein junger Mann in der Ich-Perspektive seinen Pflichtdienst an der Mauer, die Großbritannien in einer überfluteten Welt vor den sogenannten "Anderen" schützt.
Lankeser entwirft eine karge, eisige Zukunft, in der weite Teile der Erde im Meer versunken sind und nur wenige Felsspitzen aus dem Wasser ragen. Die Mauer ist mehr als eine physische Barriere – sie ist Ausdruck einer Gesellschaft, die sich vollständig auf Abgrenzung und Kontrolle zurückgezogen hat.
Die Schilderungen des Lebens auf der Mauer sind von einer lakonischen Nüchternheit geprägt: Zwölfstundenschichten im eisigen Wind, eintöniger Dienst, ständige Wachsamkeit. Dabei entfalten sich zwischen den Kameraden durchaus Ansätze von Freundschaft – jedoch bleibt alles vorläufig, brüchig, denn jeder kann jederzeit getötet oder verbannt werden. Die Bindungen, die entstehen, sind real, aber selten tief – sie stehen stets unter dem Schatten der Vergänglichkeit. Der Kommandant, zunächst schemenhaft, gewinnt mit der Zeit Kontur, genauso wie die anderen Mitglieder der Schicht.
Die entscheidende Wendung erfolgt, als ein Angriff der "Anderen" erfolgreich ist – eine Katastrophe, denn die Regeln sind klar: Wer versagt, verliert sein Recht auf Schutz und Leben. Die Verbannung erfolgt beinahe emotionslos, so wie vieles in dieser Gesellschaft. Zwischenmenschliche Nähe existiert höchstens funktional, Liebe oder Freundschaft haben keinen Raum. Selbst Fortpflanzung erscheint als staatlich regulierte Pflicht.
Die Szene der Verbannung ist kalt, sachlich, ohne Pathos – ein stiller Bruch mit dem bisherigen Leben. Lankeser zeigt eindringlich, wie das System die Grenzen zwischen "uns" und "ihnen" nicht nur zieht, sondern einzementiert. Schon sprachlich ist die Trennung unüberwindbar: Die Anderen sind keine Menschen, sie sind das Fremde, das Bedrohliche. Und plötzlich ist das "Ich" selbst auf der anderen Seite und damit selbst einer der "Anderen".
In der zweiten Hälfte des Romans begleitet man den Erzähler auf einem Notfallboot – eine gnadenlose Umgebung, in der Wasser und Nahrung knapp sind und der Horizont nichts als Leere bietet. Begegnungen mit anderen Überlebenden bringen kurze Hoffnung oder neue Gefahr, immer wortkarg, immer reduziert auf das Nötigste. Die Sprache bleibt nüchtern, fast distanziert, was die existenzielle Bedrohung umso greifbarer macht. Auch hier: Menschliche Nähe entsteht, aber sie ist fragil, ohne Zukunft und selten von Dauer.
Lankesers Roman überzeugt durch seinen kühlen Stil, der nie ins Sentimentale abgleitet, und durch die konsequente Erzählweise, die den Leser tief in eine dystopische Welt hineinzieht, in der Isolation, Kälte und das Ringen um Menschlichkeit bestimmend sind.
Ein Zukunftsroman, der doch gar nicht mehr so fern wirkt.
Bewertung am 14.04.2021
Bewertungsnummer: 507005
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Großbritannien in der näheren Zukunft. Die Insel hat sich von der Außenwelt, mittels einer Mauer an der Küstenlinie, abgeschottet. Niemand wird hinein gelassen, das Meer knallhart beobachtet.
Der Erzähler leistet seinen mehrjährigen Mauerdienst und dienst uns als Berichterstatter, der Situation.
Nach und nach erfahren wir als Leser, was dies genau bedeutet. Wache schieben in der Nacht, in Eiseskälte, bei Regen und Sturm. Verteidigungsübungen gegen Eindringlinge und harter Drill. Denn, wenn es einer Wachmannschaft misslingt ihren Abschnitt der Mauer zu verteidigen, wird Diese in einem Boot ausgesetzt und somit selber zum Eindringling.
Meinung aus der Buchhandlung
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Die Mauer von John Lanchester ist eine spannende Dystopie, die Parallelen zu unserer heutigen Zeit aufweist. Die Meeresspiegel sind gestiegen, Großbritannien ist von einer Mauer umgeben, die die „Anderen“ fern halten soll. Noch mehr als die Handlung hat mich die Haltung und die Konflikte zwischen den Generationen gefesselt. Auf der einen Seite die ältere Generation, die nichts oder zu wenig unternommen hat und auf der anderen Seite die jungen Erwachsenen, die in dieser Welt aufwachsen müssen.
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Nach gravierenden Klimaveränderungen ist der größte Teil der Erdoberfläche von Wasser bedeckt und Britannien von einer gewaltigen Befestigungsanlage umschlossen, um die "Anderen" davon abzuhalten in das wohlhabende Landesinnere vorzudringen. Als es dem "Verteidiger" Joseph Kavanagh und seiner Einheit eines Tages misslingt einen Angriff abzuwehren, kennt das Gesetz nur eine Strafe: Verbannung. Für Kavanagh, nun selbst ein unerwünschter "Anderer", beginnt ein Kampf ums Überleben. Ein hochbrisanter Roman über gesellschaftliche Abgrenzung, den Umgang mit Hilfebedürftigen und somit über die Bedeutung menschlicher Solidarität.
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