Der Scherz

Roman

Milan Kundera

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Beschreibung

»Optimismus ist das Opium der Menschheit! Ein gesunder Geist mieft nach Dummheit! Es lebe Trotzki!« Mit dieser Postkarte an seine Freundin reagiert Ludvik darauf, dass sie lieber zur politischen Schulung fährt, als mit ihm auf eine abgelegene Hütte. Was als Scherz gedacht war, stürzt Ludvik ins Unglück. Er wird von der Universität relegiert und in die Kohlegruben geschickt. Jahre später will er sich an Pavel rächen, der Schuld an seiner Misere ist, und verführt dessen Frau. Aber auch dieser Scherz schlägt fehl. Kunderas erster Roman ist eine bittersüße Satire – voll scharfem Humor und sinnlicher Erotik.

Milan Kundera, 1929 in Brünn, ehemals Tschechoslowakei, geboren, ging 1975 ins Exil nach Frankreich, wo er seither lebt und publiziert. Sein Werk wurde in alle Weltsprachen übersetzt und mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet.Literaturpreise:Herder-Preis 2000

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Erscheinungsdatum 23.10.2013
Verlag Fischer Taschenbuch Verlag
Seitenzahl 448
Maße (L/B/H) 18,8/12,5/2,7 cm
Gewicht 334 g
Auflage 3. Auflage
Übersetzer Susanne Roth
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-596-19741-5

Kundenbewertungen

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Ein eindringliches, bewegendes Werk
von einer Kundin/einem Kunden aus Langenhennersdorf am 23.07.2018

Religion ist das Opium für das Volk predigten die Atheisten des realen Sozialismus. Die Argumente waren noch zu hören, als sie in ihrer Plakativität gefährlich lächerlich wirkten. Die Verballhornung in "Optimismus ist das Opium der Menschheit..." verknüpft mit einem Hochruf auf Trotzki war der Aufhänger der Geschichte Ludviks, d... Religion ist das Opium für das Volk predigten die Atheisten des realen Sozialismus. Die Argumente waren noch zu hören, als sie in ihrer Plakativität gefährlich lächerlich wirkten. Die Verballhornung in "Optimismus ist das Opium der Menschheit..." verknüpft mit einem Hochruf auf Trotzki war der Aufhänger der Geschichte Ludviks, dessen Leben an den Konsequenzen einer kleinlichen öffentlichen denunziatorischen Verfolgung zerschellte. Nach der Schilderung der brutalen Reaktion auf seinen Fehlgriff, die getragen wurde von den anbiederischen Bemühen der Handelnden die Neuesten der neuen Menschen zu sein und des Martyriums, dem Ludvik zur Besserung ausgesetzt wurde mündet der Roman in der Wandlung zu einer Rache, die nicht funktioniert. Sie funktioniert nicht, da die Personen nicht in der erwarteten Beziehung zueinander stehen und die so schön ausgemalte Rache nicht nur scheitert, sondern noch mehr zerstört, in und um Ludvik, als ohnehin schon zerbrochen war. Letztlich bricht noch das Herz des letzten verbliebenen Freundes aus der aus der Zeit gefallenen Folklorekapelle, der Ludvik bis zu seinem Fehltritt angehörte. Bei einem administrativ verfügten Auftritt vor lustlosem, saufenden desinteressierten Publikum bekommt der Leiter der Kapelle einen Herzinfarkt. Der scheinbar mögliche Neubeginn nach dem Rachedesaster macht noch ein Mal und um so mehr deutlich, dass verlorene Jahre, eine aufgeschobene Rache eine verwehrte Entwicklungschance im Leben unwiderbringlich sind. Das macht die Schuld derer, die verantwortlich sind für diese öffentliche, ewig anhängende Stigmatisierung, die Ludvik erfuhr, um so größer. Bis in das Privateste, in die Unfähigkeit zu lieben, die verlorene Chance geliebt zu werden und dies zu erkennen, reichen die Folgen. Kundera schrieb den Roman bis Dezember 1965. Die "Prozesse", der Stalinterror dem auch Lenka Reinerova, eine andere großartige tschechische Schriftstellerin ausgesetzt war, hatte das Land gerade überstanden. Die Jugend schaute allerdings weg. Was da passierte, war tabu. Diese im Roman angesprochene Abneigung der Jugend ist eine deutlich erkennbare gefährliche Gleichgültigkeit eine innere Emigration, ein Kapitulieren vor den bestehenden Verhältnissen und damit die Basis für eine Wiederholung der Fehler der Geschichte, nicht nur ein tschechisches Phänomen. Die Mechanismen im Osten Deutschlands, in dem bis in den Kriegszustand hinein administrierten Polen Jaruzelskis, in der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken Breschnijews waren spiegelgleich. Die mit dem Buch vermittelten Werte, die bittere Kritik dieser Unfreiheit sind unverzichtbar. Daher verdient es eine ganz besondere Leseempfehlung.


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