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Vernon Lee

Vernon Lee, ein Pseudonym für Violet Paget, wurde 1856 in Boulogne-sur-Mer geboren, verbrachte den grösseren Teil ihres Lebens in Italien. Mit dreizehn Jahren veröffentlichte sie bereits ihre erste Kurzgeschichte. Ihr Werk ist äusserst vielseitig. Sie verfasste Essays über Kunst und Kultur, schrieb Romane und Reiseerzählungen sowie eine philosophisch-ästhetische Abhandlung über das Schöne. Lee war bekannt mit etlichen Geistesgrössen ihrer Zeit, darunter Robert Browning, Oscar Wilde, Henry James, Bertrand Russell und Edith Wharton. Im Jahr 1906 kaufte sie eine Villa in der Nähe von Florenz. Ein Stück Land mit einem kleinen Farmhaus vermietete sie an die deutsche Schriftstellerin Irene Forbes-Mosse, die bereits 1905 ihre Essay-Sammlung Genius Loci ins Deutsche übersetzt hatte. Lee unterhielt amouröse Beziehungen zu Frauen, war Feministin, eine Verfechterin sozialer Reformen und Pazifistin. Sie starb 1935 im Alter von 78 Jahren in der Nähe von Brescia.

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Evangelien der Anarchie Produktbild: Evangelien der Anarchie Band 2

Evangelien der Anarchie

1909 legt Vernon Lee mit dem Essayband Evangelien der Anarchie (Gospels of Anarchy) eine radikale Abrechnung mit der Kultur des 19. Jahrhunderts vor. Gemeint ist keine politische Programmschrift, sondern der Gedanke eines universellen Anarchismus: das Misstrauen gegen jedes von Menschenhand errichtete Blendwerk einer scheinbar geordneten Welt. In scharf konturierten Porträts von Emerson, Tolstoi, Ruskin, Nietzsche, William James und den sozialistischen Utopien eines H. G. Wells verfolgt Lee, wie der Versuch, mit intellektuellen Kunstgriffen eine verlorene Transzendenz zu rekonstruieren, nur neuen Irrtum und größere Unordnung erzeugt. Den modernen „Evangelien“ der Selbstgewissheit – Fortschritt, Moral, Heil durch System – setzt sie eine kompromisslose Anti-Philosophie entgegen: Wir erkennen langsam, mühsam und voller Erstaunen, dass das wohlgeordnete Gefüge, das man Universum oder Leben nennt, ein künstliches Konstrukt ist; dass die Wirklichkeit ein brodelnder Strudel von Kräften bleibt scheinbar blind, weitgehend ungeordnet, bisweilen grausam und im besten Fall völlig gleichgültig. Lees essayistische Präzision verbindet Polemik mit Diagnose: Sie demontiert die großen Erzählungen der Moderne und öffnet einen Raum, in dem Denken wieder riskant wird – ohne Trostformel, aber mit schneidender Klarheit. Zum ersten Mal in deutscher Sprache übertragen von Philipp von Gönitzer: ein Manifest wider die algorithmische Moderne, die Ordnung verspricht und doch nur neue Formen der Verführung hervorbringt. – Ein Buch, das Gegenwart trifft, weil es Wunsch nach einfachen Wahrheiten entlarvt.
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Buch (Taschenbuch)

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