Meine letzte RezensionClose to Homevon Michael Magee
Ich hätte diesen Roman nie gelesen, wenn ihn mir nicht meine Kollegin, Viktoryia Kazlova, wärmstens empfohlen hätte. Denn das Cover spricht mich so gar nicht an. Aber: falsches Signal, denn der Roman ist richtig, richtig gut.
Doch zu Beginn dachte ich mir, will ich über junge, wütende Männer lesen, die kiffen, saufen, koksen und jede Menge Scheiß bauen? Doch langsam und stetig erfährt man mehr und mehr über Sean und seine Kumpels, ihre familiären Hintergründe und Probleme, die gesellschaftlichen Zwänge und Vorurteile, die Armut, ja die Tragödien, die diese Menschen gezeichnet haben.
Wir sind in Belfast und die Auswirkungen des Nordirlandkonfliktes, der IRA, dem Katholizismus, der Gewalt und Hoffnungslosigkeit prägen, zeichnen und begleiten diese Menschen, diese Generationen bis ins Mark. Mittendrin Sean: ausgewachsen in einem armen Arbeiterviertel in Belfast, zurück vom Studium aus Liverpool, ohne feste Arbeit oder Aussicht auf eine bessere Zukunft. Eines Abends wird er in Schlägerei verwickelt und landet fast im Knast. Und endlich findet er die Kraft, sich dem Sog aus Drogen, Alkohol, Gewalt, Stigmatisierung und Resignation entgegenzustellen.
Ein unglaublicher Roman - voller Gewalt, Wut, Schmerz und Trauer aber auch voller Solidarität, Familienbande, Freundschaft und Liebe!