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Clarissa Laicher Buchhandlung: RavensBuch Osiander Ravensburg
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Meine letzte Rezension Die Assistentin von Caroline Wahl
Der Hype um Caroline Wahl kennt schier keine Grenzen. Die junge Autorin polarisiert mit ihrem selbstbewussten und provokanten Auftreten. Sie will mit ihren Büchern Millionärin und außerdem die beste Autorin Deutschlands werden. Ihre Romane scheinen einen Nerv der Gesellschaft, vor allem bei jungen Leserinnen, zu treffen. In „Die Assistentin“ erzählt Wahl von einer ehrgeizigen jungen Frau, die als Assistentin im Vorzimmer eines Verlegers unter dessen unberechenbaren Launen und Übergriffigkeit leidet. Das Machtverhältnis zwischen jungen Frauen und alten Männern und wie es aufgebrochen werden kann, klingt hier als interessantes und wichtiges Thema an, wird aber leider von der Autorin überhaupt nicht entwickelt. Wahl dringt in Problemfelder, die strukturelle Machtverhältnisse betreffen, nicht vor und auch ihre Charaktere differenziert sie innerhalb solcher Machtgefälle nicht aus. Vielmehr handelt es sich um einen oberflächlichen Erlebnisbericht einer jungen Frau, die sehr leidensfähig und zäh ist, wenn es darum geht, die Widerwärtigkeiten eines narzisstischen Chefs auszuhalten. Die Machtposition an sich stellt sie nie in Frage. Vielmehr wird hier das Durchhaltevermögen der Protagonistin glorifiziert. So hat man das Gefühl, Charlotte empfindet es am Ende als Auszeichnung durch die harte Schule eines solchen Vorgesetzten gegangen zu sein und fühlt sich durch diese Erfahrung fürs Leben geschliffen und gestärkt. Solidarität, gerade unter Frauen, hat hier keinen Platz. Die anderen Assistentinnen sind entweder unfähig oder schwach, oder beides und dienen im Grunde nur dazu, um Charlottes unbändigen Leistungswillen und ihre mentale Stärke hervorzuheben. In der Idealisierung einer Durchhaltementalität zeigen sich Parallelen zu Wahls Debüt „22 Bahnen“. Auch in diesem Roman muss die Protagonistin erst alle Widrigkeiten aushalten und sich ganz alleine durchbeißen, bevor sie mit einem besseren Leben belohnt wird. Auf Gesellschaftskritik wird verzichtet und es findet ein kompletter Rückzug in den Individualismus statt. Wahl zieht sich hier komplett auf die Innenwelt ihrer Protagonistin zurück, was man natürlich erstmal als völlig legitim betrachten kann. Aber Charlotte kreist so ausschließlich um sich selbst, dass keinerlei Platz für Beziehungen bleibt. Was möchte Wahl uns damit sagen? Um Träume zu verwirklichen, hilft nur der harte Kampf alleine? Familie, Freunde, Gesellschaft sind da nur hinderlich? Für mich eine Botschaft die eine gesellschaftsspaltende Kraft entfaltet und jegliche Form der Solidarität vermissen lässt. Auf sprachlicher Ebene wirkt der Roman bemüht konstruiert. Wahl wählt eine auktoriale Erzählperspektive, mithilfe derer sie immer wieder die vierte Wand durchbricht. Die Erzählstimme spricht direkt den Leser an und reflektiert die Konstruktion des Romans. Grundsätzlich eine Idee, die interessante Perspektiven aufzeigen könnte, aber die Geschichte bietet viel zu wenig Substanz, ist viel zu wenig hintergründig, als dass mit diesem erzählerischen Kniff ein Mehrwert erreicht werden kann. Vielmehr wirkt es eher so, als wollte Wahl ihre dünne Erzählung künstlich aufwerten. Sie arbeitet mit unzähligen Wiederholungen, deren dramaturgischer Sinn sich nicht erschließt, sondern die einfach nur langweilen. Auch die Thematisierung der vielen Wiederholungen auf der Metaebene macht sie nicht interessanter. Wenngleich Wahl der ein oder andere frische und freche Satz gelingt, erschöpft sich der Großteil in banalem Geplapper und plätschert in einem Einheitsblabla vor sich hin. Die unzählbare Wiederholung des Wortes „kacke“ schafft leider auch noch keinen coolen unverkennbaren Sound. Zudem strotzt so mancher Satz vor flachen Klischees. Insgesamt ein ziemlich antifeministischer und bieder anmutender Roman.
ab 24,00 €
Produktbild Die Assistentin
2/5
  • Clarissa Laicher
  • Buchhändler/-in

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2/5

Die Assistentin

Der Hype um Caroline Wahl kennt schier keine Grenzen. Die junge Autorin polarisiert mit ihrem selbstbewussten und provokanten Auftreten. Sie will mit ihren Büchern Millionärin und außerdem die beste Autorin Deutschlands werden. Ihre Romane scheinen einen Nerv der Gesellschaft, vor allem bei jungen Leserinnen, zu treffen. In „Die Assistentin“ erzählt Wahl von einer ehrgeizigen jungen Frau, die als Assistentin im Vorzimmer eines Verlegers unter dessen unberechenbaren Launen und Übergriffigkeit leidet. Das Machtverhältnis zwischen jungen Frauen und alten Männern und wie es aufgebrochen werden kann, klingt hier als interessantes und wichtiges Thema an, wird aber leider von der Autorin überhaupt nicht entwickelt. Wahl dringt in Problemfelder, die strukturelle Machtverhältnisse betreffen, nicht vor und auch ihre Charaktere differenziert sie innerhalb solcher Machtgefälle nicht aus. Vielmehr handelt es sich um einen oberflächlichen Erlebnisbericht einer jungen Frau, die sehr leidensfähig und zäh ist, wenn es darum geht, die Widerwärtigkeiten eines narzisstischen Chefs auszuhalten. Die Machtposition an sich stellt sie nie in Frage. Vielmehr wird hier das Durchhaltevermögen der Protagonistin glorifiziert. So hat man das Gefühl, Charlotte empfindet es am Ende als Auszeichnung durch die harte Schule eines solchen Vorgesetzten gegangen zu sein und fühlt sich durch diese Erfahrung fürs Leben geschliffen und gestärkt. Solidarität, gerade unter Frauen, hat hier keinen Platz. Die anderen Assistentinnen sind entweder unfähig oder schwach, oder beides und dienen im Grunde nur dazu, um Charlottes unbändigen Leistungswillen und ihre mentale Stärke hervorzuheben. In der Idealisierung einer Durchhaltementalität zeigen sich Parallelen zu Wahls Debüt „22 Bahnen“. Auch in diesem Roman muss die Protagonistin erst alle Widrigkeiten aushalten und sich ganz alleine durchbeißen, bevor sie mit einem besseren Leben belohnt wird. Auf Gesellschaftskritik wird verzichtet und es findet ein kompletter Rückzug in den Individualismus statt. Wahl zieht sich hier komplett auf die Innenwelt ihrer Protagonistin zurück, was man natürlich erstmal als völlig legitim betrachten kann. Aber Charlotte kreist so ausschließlich um sich selbst, dass keinerlei Platz für Beziehungen bleibt. Was möchte Wahl uns damit sagen? Um Träume zu verwirklichen, hilft nur der harte Kampf alleine? Familie, Freunde, Gesellschaft sind da nur hinderlich? Für mich eine Botschaft die eine gesellschaftsspaltende Kraft entfaltet und jegliche Form der Solidarität vermissen lässt. Auf sprachlicher Ebene wirkt der Roman bemüht konstruiert. Wahl wählt eine auktoriale Erzählperspektive, mithilfe derer sie immer wieder die vierte Wand durchbricht. Die Erzählstimme spricht direkt den Leser an und reflektiert die Konstruktion des Romans. Grundsätzlich eine Idee, die interessante Perspektiven aufzeigen könnte, aber die Geschichte bietet viel zu wenig Substanz, ist viel zu wenig hintergründig, als dass mit diesem erzählerischen Kniff ein Mehrwert erreicht werden kann. Vielmehr wirkt es eher so, als wollte Wahl ihre dünne Erzählung künstlich aufwerten. Sie arbeitet mit unzähligen Wiederholungen, deren dramaturgischer Sinn sich nicht erschließt, sondern die einfach nur langweilen. Auch die Thematisierung der vielen Wiederholungen auf der Metaebene macht sie nicht interessanter. Wenngleich Wahl der ein oder andere frische und freche Satz gelingt, erschöpft sich der Großteil in banalem Geplapper und plätschert in einem Einheitsblabla vor sich hin. Die unzählbare Wiederholung des Wortes „kacke“ schafft leider auch noch keinen coolen unverkennbaren Sound. Zudem strotzt so mancher Satz vor flachen Klischees. Insgesamt ein ziemlich antifeministischer und bieder anmutender Roman.

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