»Als die sinnlose Rede vorbei ist, treten wir ans Grab. Den Kübel mit Sand ignorieren wir. Wir werden unseren Freund nicht mit Dreck bewerfen. Stattdessen legen wir alle gleichzeitig, als hätten wir es wochenlang geübt, den Kopf zurück. Und dann spucken wir in hohem Bogen unsere Kirschkerne in das Grab. Der Pastor funkelt uns wütend an. Doch was weiß der schon.« An seinem 40. Geburtstag steht Piet am Grab eines Freundes. Hier erinnert er sich an Prickel Pit und Schlaghosen, Miami Vice und Startbahn West, den ersten Kuss, die letzte Gehaltsabrechnung. Und Piet denkt an vier Jahrzehnte mit seinen besten Freunden: an die denkwürdige Geschichte der Kirschkernspuckerbande!
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Kirschkernspuckerbande 1
Anika F./Nikas Lesewahnsinn aus Kronshagen am 07.08.2019
Bewertungsnummer: 1235805
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Tja auch auf Hochzeiten bekommt man Buchempfehlungen. Bei einem netten Gespräch wurde mir dieses Buch nahe gelegt. Als ich dann im Nachhinein zu Hause den Klappentext las, war mir klar das Buch muss ich lesen.
Der Schreibstil von Gernot Gricksch ist locker und humorvoll, wie auch ernst.
Ich finde auch wenn das Buch schon 11 Jahre auf dem Buchmarkt ist, ist es eine tolle Geschichte über den Lauf des Lebens, einer Sandkastenfreundschaft und Clique.
Zu Beginn befindet sich die Kirschkernspuckerbande auf einem Friedhof. Ein Mitglied der Bande ist verstorben. Irgendwie für alle unfassbar. Jeder ehrt den Toten mit einer Schippe Erde, aber nicht so die Kirschkernspucker. Jeder von ihnen isst eine Kirsche und alle gemeinsam spucken sie ihren Kirschkern auf den Sarg.
An Piets 40. Geburtstag versammelt er seine Freunde um sich. Ab hier bekommen wir als Leser beginnend mit 1960 die Geschichte erzählt. Wir werden mitgenommen durch die Wilden 60/70er, Die Zeit der Schlaghosen, Pupertät, erste Liebe, erste sexuelle Erfahrungen, den Zukunftsfragen und weiteren ereignisreichen Erlebnissen. Was erlebt man nur so alles in 4 Jahrzehnten? Ich blicke auf 3 Jahrzehnte zurück und kann mir vorstellen wie sich Piet fühlt. Unsere Jugend ist eine wahnsinnig interessante Zeit. Diese Kirschkernspuckerbande verbindet eine tiefe Freundschaft, die auch nach Jahrzehnten aus Höhen und Tiefen immer noch hält. Nur leider fehlt Bernhard. Wir lernen ihn als Leser aber total gut im Buch kennen und man versteht die Bindung zu ihm. Dennoch hat keiner mit den Erkenntnissen nach seinem Tod gerechnet. Ausserdem zeigt einem der Autor auch, das man egal wie alt man ist, die große Liebe oder auch seine Jugendliebe wiederfinden kann.
Ein Buch, was mir als Leser zeigt, das man mit echten Freunden wundervolle Jahre erleben und tolle Erinnerungen schaffen kann. Ich hoffe, genau so kann ich je älter ich werde auch auf mein Leben zurück blicken.
Ich habe das Buch sehr sehr gern gelesen und freue mich auf den Folgeband.
Vielen lieben Dank nochmal für die Empfehlung.
5 von 5 Sterne
Eine besondere Zeitreise. Mal tragisch, mal lustig – so wie das Leben halt.
Igelmanu66 aus Mülheim am 25.11.2024
Bewertungsnummer: 2349813
Bewertet: eBook (ePUB 3)
»Als die sinnlose Rede endlich zu Ende ist, lassen zwei Männer den Sarg in das Grab hinab. Wir sehen uns an, nicken, und gehen dann alle gleichzeitig an den Rand der Grube. Den kleinen Kübel mit Sand, in dem eine Schaufel steckt, ignorieren wir. Wir werden unseren Freund nicht mit Dreck beschmeißen. Stattdessen legen wir alle gleichzeitig, als hätten wir’s wochenlang geübt, den Kopf zurück. Und dann spucken wir, in hohem Bogen, unsere Kirschkerne in das Grab. Der Pastor funkelt uns mit wütenden Augen an. Doch was weiß der schon!«
Nein, der Pastor kann das sicher nicht verstehen. Doch der zu Beginn des Buchs noch namenlose Tote hätte sich über dieses Zeichen der andauernden Freundschaft gefreut.
Mit dieser Begräbnisszene startet das Buch. Erzähler Piet ist gerade 40 geworden, nun steht er am Grab des alten Freundes und erinnert sich an die jahrzehntelange Geschichte der Kirschkernspuckerbande. Wenn man wie ich in den 1960er Jahren geboren ist, macht diese kleine Zeitreise besonderes Vergnügen, schließlich ruft jedes Kapitel zahlreiche Erinnerungen wach. Aber auch später geborene Leser sollten diesen zeitgeschichtlichen Ausflug mit Interesse verfolgen können.
Was die Kirschkernspucker ausmacht, ist die Freundschaft, die sie seit der Kindheit verbindet. Piet und Sven haben sich bereits die Krabbeldecke geteilt, bis zur Grundschule kamen dann noch Petra, Dilbert, Bernhard und Susann hinzu. Jedes Kind ein Individuum, charakterlich verschieden und auch ihre Elternhäuser unterscheiden sich gravierend. Es ist wunderschön, aber für mein Empfinden auch ein wenig utopisch, dass sich unter diesen Voraussetzungen so tiefe und langanhaltende Freundschaften entwickeln konnten. In meiner Erinnerung wurde beispielsweise ein von den Eltern verhängtes „Mit-dem-spielst-du-nicht“ durchgesetzt, aber gern stelle ich mir beim Lesen vor, dass es nicht so wäre.
Auch das Leben der Freunde entwickelt sich sehr verschieden. Manche brauchten lang, um zu sich zu finden, manchen ist es zum Zeitpunkt der Beerdigung immer noch nicht gelungen. Das wiederum klingt sehr realistisch! Auch Konflikte mussten ausgetragen werden, aber letztlich können sich die Kirschkernspucker aufeinander verlassen, und das sorgt beim Lesen für Wohlfühlmomente. Weil das Leben trotzdem nicht immer glatt läuft, gab es manch tragische Momente, an anderen Stellen konnte ich aber herzhaft lachen, der Autor hat einen leicht lesbaren, treffenden und unterhaltsamen Stil. Es gibt noch einen Folgeband, den möchte ich auch lesen.
Fazit: Die Geschichte einer jahrzehntelangen Freundschaft. Mal tragisch, mal lustig – so wie das Leben halt.
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