Was ist es, das das Leben lebenswert macht? Für den alten Alfons sind es seine Saalflugzeuge, so zart und zerbrechlich, dass sie eigentlich nur in geschlossenen Räumen fliegen können. Milena kann ihn gerade noch daran hindern, sich von einer Brücke in die Isar zu stürzen, als sein Flugzeug eine Bruchlandung erleidet und im Fluss unterzugehen droht. Dabei würde sie selbst gern springen, jetzt, wo ihre Karriere als Tänzerin vorbei ist. Stattdessen bringt sie Alfons zurück in das Regenbogenhaus. Und lernt dort wundervolle Menschen kennen: Menschen, die allein nicht in der Welt zurechtkommen und die doch wissen, was das Leben lebenswert macht.
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Sehr philosophisch und tiefgründig
Lenisworldofbooks am 27.04.2020
Bewertungsnummer: 1320389
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Die Tänzerin Milena kann aufgrund einer Verletzung nicht mehr tanzen und ist deswegen dringend auf der Suche nach einem neuen Job. Sie trägt großen Ballast aus der Vergangenheit bei sich. Sie trifft auf einen Mann, der im Regenbogenhaus wohnt. Das ist eine sehr schöne Einrichtung für psychisch kranke Menschen.
An den Schreibstil in diesem Buch musste ich mich erstmal gewöhnen. Er ist sehr philosophisch und nicht immer ganz einfach zu verstehen. Doch das Philosophische macht das Buch zu etwas ganz besonderem. Der Schreibstil passt zur Geschichte, die sehr zum Nachdenken anregt. Mir hat der Humor der Autorin gefallen. Man konnte plötzlich über ganz alltägliche Dinge lachen. Milenas Verzweiflung habe ich ihr sehr angemerkt. Mit ihr konnte ich fast die ganze Zeit mitfühlen. Auch Milenas Leidenschaft zum Tanzen konnte ich immer spüren. Manchmal fand ich sie zwar ein bisschen komisch, als sie z. B. mit ihren Efeublättern gesprochen hat und ihnen Namen gibt, aber das hat ihre Verzweiflung und Einsamkeit noch deutlicher gemacht. Besonders der Gründer des Regenbogenhauses Phil ist mir ans Herz gewachsen. Was er für die besonderen Menschen macht ist echt der Wahnsinn. Ich habe ein ganz anderes Bild auf das Krankheitsbild Schizophrenie und auch auf das Leben erhalten. An einigen Stellen war ich ziemlich geschockt, was die Krankheit bewirken kann und mir taten sie total leid. Die Menschen im Regenbogenhaus waren zu Milena alle auf ihre Weise total herzlich. Man muss aber auch sagen, dass das Buch definitiv keine leichte Lektüre ist. Es hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir ein Zitat: "Nur die leichte, schönen Gedanken zerbrechen, wenn man nicht gut auf sie aufpasst. Schwere Gedanken gehen nie kaputt, die sind unkaputtbar".
Das Buch bekommt von mir 4/5 Sterne. Ich kann es allen empfehlen, die sich für solche Krankheiten interessieren und einen philosphischen Schreibstil mögen.
Das Regenbogenhaus
Bewertung am 26.05.2017
Bewertungsnummer: 403514
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Nachdem ich vor kurzem eher zufällig über das Buch Das Leben drehen von Nicole Walter gefallen bin, hatte sie mich damit so begeistert, dass ich unbedingt noch weitere Bücher von ihr lesen wollte. Und ich habe nach dem Buch sehr schnell meine Meinung revidiert, dass sie einfache Liebesgeschichten oder Frauenromane schreibt. Romane von Nicole Walter sind einfach etwas anderes. Und dies erschließt sich sehr oft erst dann, wenn man ihre Bücher liest.
Regenbogentänzer war ein Geschenk für mich. Ich habe es gerade in einer Zeit bekommen, als es mir selber nicht gut ging. Als ich den Klappentext gelesen habe, dachte ich, es ist genau das Buch, welches ich jetzt brauche. Wird Milena von ihnen lernen können, ihrem Leben wieder einen Sinn zu geben? Das war der letzte Satz des Klappentextes. Und den Sinn des Lebens suche ich eigentlich immer. Da interessieren mich Bücher von Sinnsuchenden natürlich ganz besonders. Nachdem ich das Buch dann allerdings angefangen habe zu lesen, habe ich mich kurzzeitig gefragt, ob es wirklich das richtige Buch zum richtigen Zeitpunkt ist. Ich habe fast 2 Tage nicht gelesen, was für mich eine sehr lange Zeit ist. Doch dann war die Entscheidung gefallen. Ja, ich möchte dieses Buch lesen.
Nicole Walter erzählt ihre Geschichte so, dass sie es einem am Anfang nicht leicht macht. Ihre Hauptperson Milena steht nicht nur plötzlich mit Mitte Dreißig vor dem Ende ihrer Karriere als Tänzerin. Sie steht plötzlich vor dem Nichts. Sie hat keine Arbeit, sie hat kein Geld mehr und wahrscheinlich wird sie auch noch ihre Wohnung verlieren, wenn nicht ein Wunder geschieht. Es sind aber nicht nur Geldprobleme, die ihr gerade das Leben zur Hölle machen, sondern es melden sich auch Dämonen aus der Vergangenheit zu Wort. Und sie weiß nicht, wie sie mit all dem umgehen soll. Doch dann lernt sie den Mann kennen, von dem sie denkt, dass er sich von der Brücke stürzen will. Und durch diesen sehr eigenwilligen, aber sehr weisen Mann lernt sie das Regenbogenhaus kennen. Ein Haus, in dem eine Gruppe psychisch kranker Menschen lebt. Und diese ungewöhnlichen Menschen als auch der Psychiater Phil zeigen ihr eine ganz neue Sicht auf das Leben.
Nachdem ich meine anfänglichen Schwierigkeiten überwunden hatte, eröffnete sich mir ein ganz wunderbares, zartes Buch, welches mir viel Stoff zu Nachdenken gegeben hat. Die Autorin hat sich sehr intensiv mit den unterschiedlichen psychischen Krankheitsbildern auseinandergesetzt. Wann ist ein Mensch so krank, dass er nicht mehr in der normalen Welt leben kann? Wer entscheidet, ob ein Mensch Medikamente braucht, oder nicht? Und gibt es Menschen, die zwischen den beiden Welten hin- und herwandern?
Parallel zu diesem Roman habe ich Wo stehst du, wenn dein Leben ein Kreis ist? von Inez van Oord angefangen - zwei gänzlich unterschiedliche Bücher. Was aber für mich diese beiden Bücher eint, ist die Frage, wer oder was schon normal ist. Wer entscheidet das? Und stimmt es wirklich, dass nur die Stärkeren weiterkommen? Was ist mit den ganzen sensiblen Menschen, die nicht kämpfen wollen oder können? Sind sie nicht normal? Gehören sie nicht in diese Welt? Sind sie dafür vorprogrammiert, dass sie irgendwann am Leben zerbrechen und ein Fall für die Psychiatrie werden? Und ab wann ist ein Mensch ein Fall für die Psychiatrie? Ein ausgesprochen interessantes und sehr sensibles Thema. Und ich finde es mutig und sehr, sehr schön, dass Nicole Walter so ein gewichtiges Thema in einem Unterhaltungsroman angegangen ist.
Nicole Walter hat eine wirklich schöne und sehr zu Herzen gehende Geschichte geschrieben, über Menschen, die einfach anders sind. Und jeder dieser Menschen hat etwas für die Allgemeinheit zu geben. Ich empfinde dieses Buch als ein Plädoyer für mehr Menschlichkeit und Offenheit einander gegenüber.
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