Nachdem heute Erotikfilme hochgejubelt werden, als seien sie anspruchsvolle Kunst, und selbst auf Wikipedia seitenweise Artikel über einzelne Titel erscheinen, war ich etwas neugierig. Die Ernüchterung fiel um so deutlicher aus. Die Darstellerinnen ziehen beim Akt ein Gesicht, als hätten sie einen spitzen Stein im Schuh, den sie aber wegen eines gleichzeitig einsetzenden Bandscheibenvorfalls nicht entfernen können. Die Mannsbilder wiederum gucken immer etwas genervt und gequält, als wollten sie sagen: "Mensch, ich hab' Hunger. Ich will heute nicht kochen. Lass uns lieber ins Restaurant gehen!". Oder so. Die einzige Stelle, an der so etwas wie Handlung aufblitzt, dauert ca. 20 Sekunden. Die Darstellerin, die die "züchtige Streberin" verkörpert, hat zuhause einen kurzen Dialog mit ihrem Vater. Der steht offenbar als Vertreter des Arbeitermilieus bzw. sitzt schlecht gelaunt bei einem tristen Abendessen. Ins Auge fällt dabei die opulente Altbauküche mit Schiffsgrätparkett (!) und überhaupt die durchweg stilvolle und großzügige Einrichtung, die vermutlich, in München gelegen, der feuchte Traum einer jeden Studenten-WG wäre. Das war's dann auch mit angenehmer Erinnerung. Das Gefühl, das nach diesem Film überwiegend zurückbleibt, ist überraschenderweise Mitleid. Mitleid mit den Darstellerinnen und Darstellern. Mitleid mit der Branche. Und Mitleid mit sich selbst, dass man in die Falle getappt ist.
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