Ein philosophischer Roman über die Frage, wie man Erkenntnisse gewinnt und die richtigen Entscheidungen trifft. Eine junge Frau steht vor einer lebensverändernden Entscheidung und stellt sich deshalb die Frage, wie man eigentlich Erkenntnisse gewinnt. Sie überdenkt ihre eigene Situation und die ihrer Mutter und Großmutter, betrachtet aber auch die Erfolge berühmter Wissenschaftler, um so zu verstehen, was das Leben eigentlich ausmacht und wie man voneinander lernen kann. Will ich ein Kind? Will ich es jetzt? Was gibt dem Leben Bedeutung? Die Ich-Erzählerin versucht, im Leben ihrer verstorbenen Mutter und ihrer Großmutter, die Psychoanalytikerin war, Antworten auf diese essenziellen Fragen zu finden. Auf der Suche nach einem Muster, das sich auf ihr eigenes Leben übertragen lässt, nimmt sie Wendepunkte im Leben wichtiger Persönlichkeiten der Medizingeschichte in den Blick: Röntgen und seine Entdeckung der X-Strahlen, Sigmund und Anna Freud und ihre Entwicklung der Psychoanalyse sowie John Hunter, der die Anatomie erforschte. Wie fällt man rationale Entscheidungen, wenn man die emotionalen Konsequenzen nicht absehen kann? Kann man aus der Geschichte und den Errungenschaften anderer lernen und für das eigene Leben Schlüsse ziehen? Die Autorin, für ihre Erzählungen mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, erkundet in ihrem ersten Roman auf höchstem Niveau die Angst, folgenreiche Fehler zu machen.
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woher komme ich
Bewertung am 04.08.2020
Bewertungsnummer: 1359825
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Schon das Cover läßt Vermutungen über einen außergewöhnlichen Roman zu.Jessie Greengrass legt ihrer Protagonistin vielfältige Gedanken und Vermutungen in den Mund, als sie zum zweiten mal schwanger ist. Eigentlich will die Frau nur alles richtig machen. Dazu versucht sie rückblickend im Leben der Mutter und Großmutter, einer Psychoanalytikerin, nach Antworten. Das ist sicher ein guter Weg, um mehr über sich und die eigene Prägung zu erfahren. Doch damit nicht genug erweitert die Frau ihrer Gedankengänge auf das Lebenswendepunkte berühmter Persönlichkeiten. Sie sucht Muster und Ideen, die sich auf ihr Leben übertragen lassen. Dabei schaut sie auf Conrad Röntgen und die Entdeckung der X – Strahlen, sowie auf Sigmund und Anna Freud und ihre Form der Psychoanalyse. John Hunter und seine Verdienste beim Erforschen der Anatomie schaut die Frau auch an.
Mich persönlich überraschte die Unterschiedlichkeit der Personen, die sie anschaut. Gemeinsam ihnen der Verdienst um die Entwicklung der Medizin. Die Frau trägt sich mit schwerwiegenden Fragen und sucht nach Antworten, die sie ggf. in ihrem Leben anwenden kann. Sie möchte unbedingt alles richtig machen und ihrem Kind das Beste mitgeben.
Jessie Greengrass hat hier keinen Familienroman vorgelegt. Sie ist die Beobachterin einer Frau, die sich mit den elementaren Fragen ihres Lebens auseinandersetzt. Dabei versteht sie es die Gedankengänge der Frau wortgewaltig und in geschickten Metaphern zu präsentieren. Es sind die elementaren Fragen, die sich Menschen gerne an den Wendepunkten in ihrem Leben stellen. Eigentlich steht die Protagonistin exemplarisch für alle Menschen.
Sprachlich ist das Buch ein Hochgenuss. Mich beeindruckte auch die Auswahl der Mediziner, die alle auf ihre Art in den Menschen hineinschauen. Ich sehe in dem Buch einen besonderen Roman, der sich den Fragen stellt, die Menschen an wichtigen Wendepunkten ihres Lebens bewegen.
Tiefgründig, sprachlich herausragend und anspruchsvoll.
https://lieslos.blog/ am 15.09.2020
Bewertungsnummer: 1377446
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine intensive Beschäftigung mit tiefgründigen Fragen und die Angst vor Fehlentscheidungen.
Orientierung an Anderen und Anderem, um zu sich selbst zu finden.
Poetisch, philosophisch, psychologisch, wissenschaftlich, brisant und kurzweilig.
Ausgehend von der Frage, ob sie, schließlich zum zweiten Mal schwanger, noch ein zweites Kind haben möchte, beschäftigt sich eine Frau, die namenlose Ich-Erzählerin, mit dem Leben ihrer Mutter und ihrer Großmutter.
So wie ein ins Wasser geworfener Stein konzentrische Kreise verursacht, kommt die Autorin von der zentralen Fragestellung hin zu anderen Menschen und anderen Themen.
Sie überdenkt einschneidende Entscheidungen und ihre eigene Rollle. Sie reflektiert ihre Beziehungen zu wichtigen Bezugspersonen und ihren Umgang mit Schicksalsschlägen.
Es ist originell (aber nachvollziehbar), dass sie mit ihren Überlegungen bei der großen Verbundenheit und innigen Beziehung des Psychoanalytikers Sigmund Freud und seiner Tochter Anna, ebenfalls Psychoanalytikerin, ankommt und es ist interessant, dass ihre Gedanken zum ersten Kaiserschnitt wandern, wobei Mutter und Kind wegen mangelnder Hygiene keine Chance hatten, zu überleben.
Sie streut immer wieder biographische Details berühmter Wissenschaftler wie Wilhelm Conrad Röntgen und John Hunter ein.
Warum zieht sie all diese Berühmtheiten zu Rate?
Auf den ersten Blick erscheint es willkürlich.
Aber inzwischen glaube ich, dass sie sich genau mit diesen Persönlichkeiten beschäftigt, weil sie sich alle in irgendeiner Weise mit den Themen Schwangerschaft, Geburt, Kinder, Durchblick, Weitblick, Blick ins Innere und Erkenntnis auseinandergesetzt haben.
Immerhin sucht die ich Erzählerin ja auch nach einer Erkenntnis. Sie sucht Antworten auf existentielle Fragen und letztlich, meine ich, den Sinn des Lebens.
Im Verlauf des Romans erfahren wir von erniedrigenden und traumatisierenden Erfahrungen und so einiges über ihre Biografie, die einerseits von zu großer Distanz und andererseits von zu großer Nähe geprägt ist, und das wiederum erklärt den Grund für ihre Auseinandersetzung mit der Mutterrolle im Speziellen und mit ihrer Sinnsuche im Allgemeinen.
Die Mutter der Erzählerin war kühl und distanziert und es ist davon auszugehen, dass sie ihrer Tochter, der namenlosen Ich-Erzählerin, nicht genug emotionale Zuwendung geben konnte.
Sie, also die gerade erwähnte Mutter, wurde von der eigenen Mutter, einer Psychoanalytikerin, in deren Ausbildung als Probandin, „missbraucht“.
Keine Wunder, dass sie auf die übergriffige und bedrohliche Nähe mit schützender emotionaler Distanziertheit reagierte, was ihrer eigenen Tochter, der Ich-Erzählerin, wiederum schadete und eine Art innerer Leere bescherte.
Die Autorin erzählt überwiegend in sachlich-nüchterner Sprache, benutzt brillante Formulierungen, wortgewaltige Metaphern und bildet zum Teil ellenlange Sätze.
Unterm Strich schreibt sie davon, dass man erst dann eine liebevolle und herzliche Mutter werden kann, wenn man selbst genügend Aufmerksamkeit und emotionale Zuwendung erhalten hat.
Ich empfehle das anspruchsvolle, sprachlich herausragende und gelungene Werk gerne weiter, möchte es jedoch ungern als typischen Roman bezeichnen.
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