Eine schmerzhaft schöne Familiengeschichte - preisgekrönt, bejubelt, berührend.
John Smythe ist mit seinen Kindern Cathy und Daniel aufs Land gezogen, nach Yorkshire, in die Wälder von Elmet. Dort hegen die drei den Traum von einem anderen, friedvollen Leben. Sie wohnen in einem Häuschen, das sie eigenhändig erbaut haben, mitten in der Natur, nicht weit von der Eisenbahnlinie Edinburgh-London entfernt. Nur manchmal muss der Vater fort zu illegalen Faustkämpfen. In diesen Zeiten, in denen es immer weniger Arbeit gibt im Norden Englands, der einzige Weg, um die Familie über Wasser zu halten. Doch dann steht eines Tages ein Mann vor der Tür, der behauptet, dass alles ihm gehört - der Wald, der Grund und Boden, das Häuschen, in dem sie leben. Ihn kümmert der Wald eigentlich nicht, er bewirtschaftet ihn nicht. Aber er pocht auf sein Recht.
Kundinnen und Kunden meinen
3.6/5.0
Lesendes Federvieh
aus München
5/5
29.01.2021
Buch (Taschenbuch)
Fulminantes Debüt, intensiv, düster und grandios erzählt
Fiona Mozley hat mit "Elmet" ein grandioses Debüt vorgelegt, das man nicht so schnell vergisst. Sie beschäftigt sich in diesem sozialkritischen Roman mit Familienzusammenhalt, der Sehnsucht nach Ruhe und Zufriedenheit, um Recht und Moral. Atmosphärisch dicht und mit leisen Tönen erzählt sie von John und seinen beiden Kindern. Die Geschichte entwickelt durch diese Art des Erzählens eine unglaubliche Kraft und Wirkung.
Schon von Beginn an taucht man ein in ein düsteres, erdrückendes Szenario, das kein Happy End erwarten lässt. Fiona Mozley zeigt in beklemmenden, erschütternden Bildern, was es bedeutet am Rand der Gesellschaft zu sein, jede Arbeit annehmen zu müssen und wie leicht aus Freunden und solchen, die immer gerne Hilfe angenommen haben, Wendehälse werden. Sie hält schlichtweg unserer Gesellschaft ob all ihrer Ungerechtigkeiten den Spiegel vor. Man kann sich beim Lesen dem Sog nicht entziehen, der die kleine Familie mit sich reißt.
Sprachlich brillant schafft sie es mühelos jede kleinste Stimmungsschwankung einzufangen und die Spannung bis zum eskalierenden Ende aufrecht zu halten. Nach der letzten Seite war ich von der Brutalität der Menschen in physischer, als auch in psychischer Hinsicht überwältigt. Diese traurige Geschichte vereint viele Körnchen Wahrheit in sich und wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.
Fazit: Fulminantes Debüt, intensiv, düster und grandios erzählt
Edith Berger
aus 3istau
5/5
18.11.2020
Buch (Taschenbuch)
Leseerlebnis
Mit seinen Kindern Cathy und Daniel lebt John Smythe abgelegen in einem kleinen, selbsterbauten Haus in den Wäldern von Elmet. Den Lebensunterhalt verdient John mit illegalen Boxkämpfen. Als Selbstversorger bleibt die kleine Familie meist für sich. Auch wenn John gelegentlich für längere Zeit unterwegs ist und seine Kinder alleine lässt, ist das Haus doch ihr Heim. Eines Tages taucht Mr. Price, der reichste aber gefürchtetste Mann der ganzen Gegend auf. Er behauptet,der Besitzer von Grund und Boden, auf dem das Haus steht, zu sein. Er erwartet eine bestimmte Gegenleistung von John.
Zauberberggast
aus München
5/5
12.11.2020
Buch (Taschenbuch)
Elmet, eine gesellschaftliche Utopie
Die Themen alternative Lebensentwürfe jenseits der Mainstream-Gesellschaft, "zurück zur Natur", Ökologie, Selbstversorger und Aussteigen sind in der aktuellen Belletristik gerade sehr en vogue. Auch hier kommt es aber auch wieder auf das "Wie" an, denn ob eine Geschichte den Leser berührt, kann nicht allein durch eine den Zeitgeist erfüllende Thematik erreicht werden. Es muss einfach das Gesamtpaket stimmen, denn was nützt die beste und brisanteste Thematik wenn Erzählweise, Plot und Figurenzeichnung nicht stimmen?
In Fiona Mozleys "Elmet" stimmt alles. Nicht umsonst wurde der Roman 2017 für den "Booker Prize" nominiert. Archaisch und fesselnd erzählt die Buchhändlerin Mozley ihre Geschichte. In dieser geht es um Moral, Recht und die Sehnsucht nach einem Idyll. John Smythe verlässt seine Dorfgemeinschaft und zieht mit seinen jugendlichen Kindern Cathy Oliver und Daniel Oliver nach Elmet, ein Landstrich in Yorkshire, der früher einmal ein britannisches Königreich war. Hier hausen die drei total abgeschieden in einem Wäldchen und dort in einer aus Lehm und Haselzweigen selbst gebauten Hütte in der Nähe der Eisenbahnlinie London-Edinburgh. Der Vater verdient sein Geld mit Faustkämpfen, gegessen wird vor allem selbst erlegtes Wild, Eier der eigenen Hühner und selbst angebautes Gemüse. Bildung erhalten die Kinder durch Vivien, eine Freundin der abwesenden Mutter, deren Schicksal zunächst im Dunkeln bleibt. Das utopistische Projekt vom Selbstversorger-Leben in der Natur wird jäh gefährdet durch das Auftauchen des Großgrundbesitzers Mr. Price. Obwohl er mit dem Land, auf dem das Häuschen der Familie Oliver/Symthe steht, nichts anfangen will, beansprucht er selbiges für sich. Es beginnt ein zunächst kalter Krieg, bei dem es nur Verlierer geben kann.
Ganz langsam entfaltet sich die Tragik dieses Romans. Leise und eindringlich entwickelt sich der Spannungsbogen. Dem Leser schwant bereits am Anfang Böses, denn direkt im ersten Kapitel wird angedeutet, dass das "Projekt" Elmet gescheitert ist. Hier spricht die Stimme des Erzählers Daniel im Präsens, kursiv gesetzt. Solche erzählerischen Intermezzi bzw Stimmen aus der Gegenwart des Erzählers gibt es zwischendurch dann noch öfters. Sie durchbrechen die in Rückblenden erzählte Handlung. Was ist vorgefallen, fragt sich der Leser, wie konnte diese Familie mit ihrem alternativen Dasein so krachend scheitern? Warum ist der Traum vom Einsiedlerleben im Wald geplatzt? "Elmet" ist ein durch und durch sozialkritischer Roman über "Haben und Sein", der den Kapitalismus und seine oftmals menschenverachtenden Prinzipien in Frage stellt. Der ominöse Mr. Smith steht für den Kapitalismus in Reinkultur, also für das "Haben" als Eigenwert, während die Familie Oliver/Smythe einfach nur "sein" möchte und zwar auf dem Land, das sie sich zum Leben auserkoren hat.
Es ist eine trostlose, sehr traurige und brutale Geschichte, die Fiona Mozley sich ausgedacht hat - "bleak" wie man im Englischen sagen würde. Sehr atmosphärisch ist dieser Roman, beklemmend und doch von ausnehmend schöner Sprache, die niemals überfrachtet oder gekünstelt daherkommt. Ein kleines Juwel der Erzählkunst und noch dazu ein Debütroman!
Sandra Falke
aus Berlin
4/5
01.04.2021
Buch (Taschenbuch)
Ein herausragendes Debüt
Fiona Mozleys düsterer Debütroman erzählt über den individualistischen Überlebenskampf einer Familie und behandelt zahlreiche komplexe Themen: Freiheit und Autonomie, Harmonie und Gewalt, Individualität und Akzeptanz.
Mit Lob auszuzeichnen ist der Schreibstil des Romans, der mit seiner Fülle an Emotionen und Intensität an D. H. Lawrence erinnert. Mozley legt ihre Figuren willkürlich zwischen Brocken wilder Natur, lässt die Gerüche, Farben und Geräusche ihrer liebsten Orte auf den Leser wirken und beschreibt auf eine rohe Art und Weise die vollständige Selbstständigkeit beider Jugendlicher. Ebenso bemerkenswert sind die Figurendynamiken, die gleichermaßen als beeindruckend und beunruhigend gelten.
Im Klimax des Romans wird Blut gegossen und verbrannt – doch nimmt eine andere Person unerwartet die Position des Rächers ein und entsetzt damit das gesamte Dorf weit über das erwartbare hinaus.
„Elmet“ ist ein herausragendes, obgleich ungewöhnliches Debüt, welches insbesondere Lesern von Romanen aus dem 19. Jahrhundert und Geschichten über menschlichen Schicksalen in wilder Natur einen großen Lesegenuss verspricht.
bookslove1511
4/5
13.01.2021
Buch (Taschenbuch)
Starkes Debüt
Elmet... kleines Landstrich in den Wäldern von Yorkshires. Hier wohnt John Smythe mit seiner Tochter und mit seinem Sohn in einer Holzhütte, welche sie eigenhändig gebaut hatten. Mitten in der Natur, nicht weit von der Eisenbahnlinie Edinburgh-London, jagen und sammeln die drei was der Natur hergibt und genießen Lebensabende mit selbstgebrautem Apfelwein. Nur manchmal muss John bei illegalen Faustkämpfe mitmachen, um die kleine Familie über Wasser zu halten. Nach paar Monaten friedvollen Leben in der Natur, steht eines Tages plötzlich ein Mann vor deren Tür und behauptet, dass alles, der Grund und Boden, der Wald und das Häuschen ihm gehört. Obwohl er den Wald nicht bewirtschaftet, nicht mal dafür interessiert, pocht er auf sein Recht...
Die Geschichte fängt mit drei Seiten an. Drei berührende, düstere Seiten, in dem ein Junge, völlig durchgebranntes Waldboden seiner Schwester sucht. Mit diesen Seiten, leise aber sehr eindringlich hat mich die bei London geborene Autorin in eine Familiengeschichte mitgenommen. Ein Familiendrama, welche sehr bildhaft geschrieben ist. Ich hatte der Duft von Kiefer in der Nase und die Farbe von Feuer vor meine Augen. Obwohl ich die ein oder andere Geschehnisse und die Taten von den Figuren nicht nachvollziehen konnte, waren die Charaktere für mich sehr interessant.
„Elmet“ ist eine trostlose, traurige und brutale Familiengeschichte, welche mit großartiger Sprache sehr atmosphärisch erzählt wird.
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