Die weiße italienische Villa ist perfekt. Ich dachte, es würde sich seltsam anfühlen, den Sommer über im Haus eines Fremden zu leben, aber während mein Mann und meine Kinder im Pool planschen, fange ich an, mich endlich zu entspannen. Doch als ich auspacke, finde ich in einem Schrank ein Foto, das mir das Blut in den Adern gefrieren lässt ... Funkelnde grüne Augen, kantiges Kinn, schiefes Lächeln. Ein junger Mann, der seinen Arm um eine schöne Frau legt. Das Bild ist alt und verblasst, aber ich würde ihn überall wiedererkennen. Der Mann auf dem Foto ist mein Ehemann. Aber wir haben die Familie, mit der wir unser Haus getauscht haben, nie kennengelernt, und mein Mann schwört, dass er nicht die Person auf dem Foto ist. Er lügt. Wir streiten uns und ich stürme hinaus. Als ich mich endlich beruhigt habe und zur Villa zurückkehre, finde ich ihn auf der Veranda ... tot. Warum sollte jemand meinen Mann umbringen? Bin ich in Gefahr? Und wie gut kannte ich den Mann, den ich geheiratet habe, wirklich?
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
NiWa
4/5
25.07.2025
Hörbuch-Download
Zwei Familien, zwei Welten, ein Foto.
Ein Sommer in einer traumhaften italienischen Villa scheint der perfekte Familienurlaub zu sein. Die anfängliche Skepsis im Haus Fremder zu wohnen, weicht allmählich dem Gefühl von Entspannung. Doch dann findet Beth ein Fotos ihres Mannes an der Seite einer anderen Frau in diesem fremden Haus, das alles in Frage stellt.
Urlaub im Kopf klappt manchmal schon mit einem passenden Buch. Und wenn einen der Alltag ohnehin fest im Griff hat, ist ein leichter Psychothriller mit Sonne, Pool und ein bisschen Gänsehaut zwischendurch eine angenehme Wahl. Der Familienurlaub von Shalini Boland liefert genau das. Es ist ein psychologisches Verwirrspiel in sommerlicher Kulisse. Nicht zu komplex, aber unterhaltsam, wenn man sich auf das Gedankenspiel einlässt.
Die Ausgangslage ist einfach gestrickt. Beth und ihre Familie tauschen für die Sommerferien ihr Cottage im kühlen Großbritannien gegen eine Villa in Italien. Auf den ersten Blick ist es eine gute Lösung und schont das Budget. Denn während sich Beths Familie zwischen Pool, Pasta und Postkartenidylle einlebt, stößt sie auf ein Foto, das ihre Welt ins Wanken bringt. Beths Ehemann ist darauf in inniger Vereinung abgebildet. Obwohl ihr die Frau völlig fremd ist, wohnt diese gerade in ihrem Haus.
Erzählt wird der Roman abwechselnd aus der Ich-Perspektive von Beth und Amber. Dieser Kniff funktioniert gut und verleiht der Geschichte den nötigen Reiz. Gerade weil die Handlung selbst nicht besonders spektakulär ist, lebt der Roman stark von seinen beiden Protagonistinnen. Beth schleicht durch den Urlaub wie ein geprügelter Hund. Sie ist verunsichert, überfordert, mit einem fragwürdigen Selbstbild und wenig Rückgrat. In Österreich würde man sie wohl als „armes Hascherl“ bezeichnen. Jede kritische Regung ihres Mannes bringt sie aus dem Konzept. Sie klammert sich an ihre Rolle als fürsorgliche Ehefrau und Mutter und verliert dabei sich selbst komplett aus dem Blick. Ihre Passivität kann beim Lesen durchaus Nerven kosten. Genau dieser Punkt hat sie für mich auch wieder interessant gemacht. Denn so erschreckend ihre Untätigkeit ist, so ehrlich spiegelt sie doch eine Beziehung, in der das Gleichgewicht verloren ging.
Hingegen ist Amber der Gegenpol von Beth. Sie wirkt selbstbewusst, strahlend und souverän. Ihr Mann trägt sie auf Händen, während sie den Ton angibt. Sie weiß, was sie will, und sie nimmt es sich. Aber auch durch ihre Gedanke schimmert etwas Dunkles. Es hat auf mich wie eine Irritation, ein Zuviel, das nicht ganz greifbar ist, gewirkt. Während Beth sich im sonnigen Italien ständig in Frage stellt, verbringt Amber in Großbritannien einen geradezu perfekten Familienurlaub mit herrlicher Qualitytime, Ausflügen und viel Harmonie. Die Kontraste könnten kaum stärker sein, und genau diese Spiegelung hat für mich den Reiz des Romans ausgemacht.
Der Roman ist als Psychothriller deklariert. Wer dadurch blutige Wendungen oder hochtrabende Spannung erwartet, liegt damit eher falsch. Der Familienurlaub bleibt in seinem Aufbau recht schlicht, lebt aber vom psychologischen Kräftespiel zwischen den beiden Frauen. Große Überraschungen gibt es keine, sieht man von einer Wendung ganz am Ende ab, die dann doch noch ein wenig Fahrt aufnimmt und einen soliden Abschluss bildet. Die eigentliche Auflösung hinter allem wirkt dabei etwas konstruiert. Ich fand es nicht völlig aus der Luft gegriffen, aber man merkt, dass hier einige Fäden bewusst sehr straff gezogen wurden. Für mich war das in Ordnung, weil die Stimmung gut gehalten wurde und ich über den etwas holprigen Unterbau hinwegsehen konnte.
Was die Autorin hingegen richtig gut eingefädelt hat, ist die Parallelführung der Urlaube: Während Beth einen furchtbaren Ausflug beschreibt, schwärmt Amber im nächsten Kapitel von einem perfekten Tag. Die eine Familie tappt in die Touristenfalle, die andere genießt gelassen ein Glas Wein. Dieses konsequente Gegenspiel der Erlebnisse hat die Geschichte für mich getragen. Dazu kommen atmosphärische Beschreibungen, die zumindest in Italien einen Hauch von Dolce Vita aufkommen lassen. Nur leider kann Beths Familie ihren Aufenthalt kaum genießen. Das Miteinander ist sehr angespannt. Es brodelt zu viel unter der Oberfläche. Dagegen scheint bei Amber in Großbritannien alles perfekt zu harmonieren. Zumindest auf den ersten Blick ...
Der Familienurlaub ist für mich kein Thriller im klassischen Sinn, aber durchaus ein spannender Roman für zwischendurch. Wenn man gedanklich gern mal verreist. Die Handlung mag zwar überschaubar sein, aber die Darstellung der beiden Frauenfiguren hält das Interesse aufrecht. Mich haben vor allem die Gegensätze zwischen Beth und Amber gefesselt, genauso wie die subtile Dynamik in den Familien. Dass Beth sich so schamlos von ihrem Mann kleinhalten lässt, hat mich zwischendrin aufgwühlt. Die Autorin beschreibt damit eine Beziehung, in der einer ständig schweigt und sich zurücknimmt. So etwas kann, meiner Meinung nach, auf Dauer nicht gutgehen, was der Roman insgesamt gut zeigt.
Wer Lust auf ein gedankliches Experiment rund um einen Häusertausch hat, kombiniert mit einer Prise Misstrauen, sommerlicher Kulisse und familiärer Anspannung, dürfte hier fündig werden. Für mich war es kein Highlight, aber ein durchaus interessanter Roman, der sich schnell lesen bzw. hören lässt. "Der Familienurlaub" ist ideal für eine kleine Flucht aus dem Alltag mit gutem Unterhaltungslevel.
NalasBuchBlog
2/5
02.12.2024
Hörbuch-Download (MP3)
Wo bleibt die Spannung?
Stellt euch vor, ihr freut euch schon so lange auf einen gemeinsamen Urlaub mit der Familie. Ihr könnt es kaum erwarten, endlich ins nächste Flugzeug zu steigen und am anderen Ende der Welt zu landen, um für ein paar Wochen im Haus einer fremden Familie zu leben.
Klingt unvorstellbar? Nun ja, bei einigen scheint s ja recht gut zu funktionieren. Oder nicht?
Genau das dachten sich auch die beiden Familien aus diesem Roman, wo bei die zwei mehr verbindet, als es den Anschein erweckt.
Welche Geheimnisse gibt es wohl? Welche Intrigen werden hier gesponnen? Ist wirklich alles dem Schicksal überlassen oder wurde hier nachgeholfen?
Die Geschichte beginnt damit, dass der Leser zunächst alle Gegebenheiten kennenlernt und tiefe Einblicke in die beiden Leben der Frauen sowie deren Familien erhält. Dabei wechselt die Perspektive zwischen den beiden (Beth und Amber) immer wieder ab, sodass man immer zu glauben scheint, was aktuell bei der jeweiligen Familie passiert.
Wobei hier ganz klar der Fokus auf der Sichtweise von Beth liegt.
Was die hier beschriebene Spannung anbelangt, so muss der Leser lange warten, bis die ersten Spannungsmomente wirklich eintreten. Denn dies geschieht erst gegen etwa 2/3 bis ¾ des Buches und auch dann sind die Ereignisse so schnell abgehandelt, dass das Buch leider auch schon wieder zu Ende ist. Manches blieb für mich unerklärlich und war mir einfach zu kurz. Darunter die Beweggründe der beiden Protagonistinnen, die für mich nicht wirklich nachvollziehbar waren. Darunter die ständige Verteidigung und Augenwischerei der toxischen Beziehung zwischen Beth und ihrem Mann.
Anderes wirkte wiederum zu konstruiert, sodass es irgendwann etwas anstrengend wurde.
Von einem #Psychothriller hätte ich mir mehr erwartet.
Ulrike Frey
aus Haltern am See
5/5
26.07.2023
Buch (Taschenbuch)
Diesen Roman habe ich verschlungen
Dunkles Meer, dunkle Wolken, ein Kind/eine Frau sitzt auf einem Bedesteg - soweit das Cover. Darüber in ganz großen Lettern DER FAMILIEN URLAUB. Darunter: Eine perfekte Familie, Ein perfekter Urlaub, Der perfekte Mord. Darunter wieder größer der Name der Autorin SHALINI BOLAND.
Es ist ein Wohnungstausch. Die Italiener kommen wegen ihrer britischen Wurzeln nach England, die Engländer fahren nach Italien. Erst mal kann Beth sich nicht so damit anfreunden, doch das wird, mit der Zeit. Ihr Mann ist ein echter Chauvi, Beth hat mit der gesamten Arbeit alleine genug zu tun, Auswahl, Packen, etc.
Die Italiener tun sich da einfacher, so gut sie gestellt sind, Ambers Mann Renzo ist sich für nichts zu schade. Die Autorin erzählt in Kapiteln in der Ich-Forn, meist Beth - die jetzt in Italien weilt, ab und an Amber in Beth's Haus. Ganz selten gibt es ein kurzes Hass-Kapitel, von wem das kommt, ahnt man nicht.
Durch die Kürze dieser Kapitel steigt die Spannung, bis sie kurz vor dem Reissen ist. Wir lernen alle Beteiligten kennen. Beth möchte man schon mal in den Arm nehmen. Gott sei Dank hat sie vor Ort eine Freundin gefunden, die schneller den Durchblick hat, als Beth ahnt.
Vor diesem Roman habe ich noch nichts von der Autorin Shalini Boland gelesen. Sie hat bereits mehrere Psychothriller geschrieben, die ich mit Sicherheit noch lesen werde. Von mit kommt eine extra große Leseempfehlung.
Susi Aly
5/5
18.07.2023
Buch (Taschenbuch)
Perfide, manipulativ und sehr emotional
Nachdem mich schon das letzte Werk von Shalini Boland so sehr begeistert hat, war ich so gespannt auf ihr neues Werk und konnte es gar nicht erwarten, damit zu beginnen.
Diese Frau hat Feuer im Blut und es wäre ein großer Fehler, ihre Bücher nicht zu lesen.
Ihr Schreibstil ist wie gewohnt sehr fesselnd und bildgewaltig.
Die Atmosphäre düster und beklemmend.
Hierbei erfahren wir überwiegend die Perspektive von Beth, aber phasenweise kommt auch Amber zu Wort.
Ich mochte die Charaktere wahnsinnig gern. Ganz besonders Beth und Renzo.
Es sind sehr eindrucksvolle und vielseitige Charaktere, die sich in keinster Weise in die Karten schauen lassen.
Sie sind authentisch und unglaublich mit Leben gefüllt, so dass man sie auf jede erdenkliche Weise fühlen und erleben kann.
Der Einstieg fiel mir sehr leicht, denn die Spannung wurde sofort sehr gut spürbar.
Shalini Boland nimmt sich sehr viel Zeit für ihre Charaktere. Sie entfalten sich auf wunderbare Art und Weise.
Ganz besonders Beth ist mir schnell ans Herz gewachsen. Ihr Mann dagegen entfachte meine Wut immer wieder neu.
Amber war hingegen seltsam, berechnend und zudem ziemlich arrogant. Ihr Mann dagegen ist ein echter Goldschatz.
Die Idee mit dem Haustausch hat mir unglaublich gut gefallen. Zumal da direkt die Alarmglocken läuten. Denn wer überlässt schon für die Ferien einer anderen Familie sein Haus?
Denn nirgendwo ist man verletzlicher als in den eigenen vier Wänden, die absolute Sicherheit und einen Rückzugsort bedeuten.
Zudem geschehen hier sehr merkwürdige Dinge und langsam aber sicher beginnt die Fassade zu bröckeln.
Die ersten Wolken ziehen auf und lassen ein schweres Gewitter erahnen.
Ein Unwetter, das so ziemlich alles zerstören kann und wird.
Die Frage ist nur, aus welcher Richtung die Bedrohung kommt.
Ich muss zugeben, ein kleines bisschen konnte ich diverse Dinge erahnen.
Aber es ist nur der erste Tropfen auf dem heißen Stein.
Die Vergangenheit wird immer lebendiger, zieht ihre Schatten in die Gegenwart und fordert so viel. Mehr als man bereit ist, zu geben.
Verletzte Eitelkeit, Arroganz, Wahn, Intrigen.
Sucht es euch aus. Hier spielen unglaublich viele Komponenten zusammen und die ganze Zeit möchte man einfach nur diesem Unheil entkommen.
Glück, das zerbrechlich ist wie eine zarte Pflanze. Einmal gebrochen, ist die Zerstörung nicht mehr weit.
Ich wusste, es wird böse. Aber wie böse es tatsächlich wurde, hat mich zutiefst schockiert.
Damit habe ich in keinster Weise rechnen können. Diese Arroganz, diese Wahnhaftigkeit, diese Perfidität und das Kalkül dahinter, da fiel mir dezent die Kinnlade runter. Ich konnte es einfach nicht glauben, wie gefangen ein Mensch sein kann, dass er seine eigenen fehlgeleiteten Ansichten nicht sehen kann und will.
Und das Ende. Ich war schockiert und so wütend. Natürlich kann man es in gewisser Weise verstehen, trotzdem hat niemand das Recht, diese Entscheidung zu treffen.
Was die Autorin hier abgeliefert hat, ist ganz großes Kino.
Perfide, gut durchdacht und unglaublich wendungsreich.
Zudem punktet sie auch im zwischenmenschlichen und psychologischen Bereich. Ich bin unglaublich beeindruckt über diese gekonnten Wendungen, die dem Ganzen nochmal eine völlig neue Richtung geben. Unbedingt lesen.
Fazit:
Für mich ist Shalini Boland eine der ganz Großen.
Erneut hat sie einen verdammt genialen Psychothriller geschrieben, der an allem zweifeln lässt und so geniale Twists in petto hat.
Perfide, manipulativ und sehr emotional.
Unbedingt lesen.
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