Kein Fantasy-Buch der letzten Jahre hat sich so nachhaltig in mein Gedächtnis gebrannt wie Navola. Eine Welt, die unserer im goldenen Zeitalter der Antike ähnelt? Ein junger Erbe einer mächtigen Familie, die die Geschicke der Welt leitet? Ein versteinertes Drachenauge, das, als Symbol der Macht degradiert, immer noch von Leben erfüllt zu sein scheint? Noch nie habe ich so entschlossen zu einem Buch gegriffen und mich so lange darin verloren. Paolo Bacigalupi hat so viel unfassbar viel Detail in die Geschichte gepackt, ich bin sprachlos. Egal welche Erwartungen ich hatte, Navola hat diese gleichzeitig zerschmettert und übertroffen. Ich verrate nicht zu viel, nur das Wichtigste: Es ist nicht "Game of Thrones". Es ist nicht "Herr der Ringe" oder "Die Nebelgeborenen". Navola lässt sich am Besten als Historischer Roman bezeichnen, dessen Herzstück eine Coming-of-Age-Geschichte ist, die fast keinen Fantasyaspekt aufweist. Moderne Fantasyleser werden damit heillos überfordert sein, aber trotzdem lege ich dieses Buch JEDEM ans Herz, der offen für anspruchsvolle Low-Fantasy und wirklich, WIRKLICH geduldig ist. Eine Geschichte wie diese wird vielleicht alle zehn bis zwanzig Jahre mal erzählt und ich bin so dankbar, dass dieses Buch mich zu sich gerufen hat, wie das uralte Drachenauge den jungen Davico.