»Jemand mußte Josef K. verleumdet haben, denn ohne daß er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.« So beginnt die Geschichte des Josef K., dem an seinem 30. Geburtstag von einer mysteriösen Behörde der Prozeß gemacht werden soll. Und je mehr der Bankbeamte seine Unschuld verteidigen will, um so tiefer sinkt er ins Gestrüpp undurchschaubarer Gesetze und menschlicher Verwirrungen. Josef K. muß schließlich erkennen, daß der »Sinn dieser großen Organisation, dieser korrupten Bande«, der Sinn dieses geheimnisvollen Prozesses die »Sinnlosigkeit« ist. Der Prozeß ist ein großes Werk der Weltliteratur. Die Bedeutung für das 20. Jahrhundert kann nicht überschätzt werden: Denn der Prozeß, den Josef K. über sich ergehen lassen muß, ist auch ein Prozeß, den er – unschuldig-schuldig – sich selbst macht und verlieren muß.
Kundinnen und Kunden meinen
3.8/5.0
dola
4/5
11.02.2010
Buch (Taschenbuch)
Sowas liest man nicht alle Tage...
Ein äusserst gewöhnungsbedürftiger Gedankengang und Schreibverhalten zeigte wohl Franz Kafka bei der Niederschrift seines surealistischen Meisterwerks.
Wenn man sich wirklich in die Faszination einer Scheinwelt, in der alles anders scheint hineinversetzt, wird Kafkas Roman zu einem hochstehenden, einzigartigen Produkt undurchschaubarer Gedankenspielereien, die in Kafkas Kopf, wie bei sonst niemandem, stattgefunden haben müssen.
Auch wenn man bedenkt, dass das Buch nur als Fragment vorlag und nicht mal sicher ist, ob die Reihenfolge der Kapitel dieselbe ist, in der Kafka es vorgesehen hatte, ist es seinem Freund Max Brod gelungen Kafkas Werk postum in einer lesbaren Version zu veröffentlichen.
Wenn Sie das Buch lesen, wird Ihnen wohl schnell klar werden, warum es unzählige, voneinander abweichende, Interpretationen für das Werk gibt. Sowas gibts nicht ein zweites Mal!
Piglet and her Books
aus Leipzig
3/5
05.10.2015
Buch (Taschenbuch)
Meine Meinung: Durch unseren…
Meine Meinung: Durch unseren Leseclub bin ich auf dieses Buch aufmerksam geworden, für den Monat August war es nämlich die zu lesenden Lektüre und ich war gespannt wie diese berühmte Meisterwerk von Kafka wirklich ist. Zunächst war ich vom Schreibstil und Aufbau wirklich überrascht, allerdings mehr negativ als positiv, denn es handelt sich um einen reinen Fließtext, egal ob eigentlich grad ein Dialog zwischen zwei Protagonisten läuft oder nicht, der Text wurde ohne Punkt und Komma fortgesetzt. Wo wir bei der zweiten Schwierigkeit wären, die unfassbaren Schachtelsätze die Kafka verwendet, da muss man sich wirklich erstmal rein lesen. Hat man diese zwei Hürden überwunden, dann erwartet einen die Geschichte von Josef K., der fast immer K. genanntn wird, der eines Morgens aufwacht und verhaftet wird, aber nicht im üblichen Sinne. Er wird zwar darüber unterrichtet, aber mehrpassiert nicht, er kommt in kein Gefängnis oder Besserungsanstalt, stattdessen geht er ganz normal zur Arbeit und wartet nur auf weitere Hinweise zu seinem Prozess. Damit beginnt auch schon das ganze Wirr-Warr aus Handlungssträngen und der Findung des roten Fadens und der Lösung des Problem von Joef K., denn das scheint fast nebensächlich, viel mehr geht es darum wer alles in K.'s Leben eine Rolle spielt oder gespielt hat und etwas mit dem Prozess zu tun hat. Wir erfahren nicht wirklich wieso er angeklagt wird, was mich als Leser etwas frustriert und äußerst fragend zurücklässt. Die gesamten Umstände im Buch und das Ende konnten mich nicht wirklich überzeugen. Leider ist Kafka tot weshalb wir ihn heute nicht mehr über dieses Werk ausfragen können, interessant fand ichjedoch, dass er eigentlich nie wollte, dass es veröffentlicht wird. Dennoch hat ein naher Freund von ihm die Kapitel des Prozess zusammengefügt und dann nach seinem Ableben der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Man könnte jetzt darüber spekulieren, dass Kafka die Veröffentlich verhindern wollte weil das Werk nicht fertig ist, oder gar weil es zu autobiografisch ist, denn viele Züge des Hauptprotagonisten an Kafka selbst erinnern. Auch meine persönlcihe Interpretation, dass er vieles der erlebten Dinge im Buch nur in einer Art Traumwelt erlebt und nicht in der realen Welt, wird mir Kafka niemals bestätigen können, daher werden es immer nur Ansätze bleiben, reine Spekulationen. Fazit: Für mich ist der Prozeß ein unfertiges Werk, das zwar nicht leicht zu lesen ist, aber defintiv interessante Züge mit sich bringt. Dennoch fehlt am Ende einfach eine Art Aufklärung oder ein Kapitel, denn es endet einfach zu barupt und zu viel bleibt offen.
J.M.L.
5/5
23.06.2026
Buch (Taschenbuch)
Eine einfache Einführung in eine unerwartete Sicht auf das Schachspiel sowie die menschliche Psyche.
Stefan Zweigˋs Novelle hat mich auf zwei Sichten überrascht.
Das herausstechendste dabei war die erstaunlich einfache Schriftweise. Zweig versucht nicht, krampfhaft hochgestochene Worte zu verwenden, wie manch andere Autoren es tun. Dies ist jedoch keines Falles zum Nachteil des Wertes der Geschichte. Einzelne Passagen, besonders in der Mitte, zeugen von seiner Fähigkeit als Schriftsteller sowie seiner Einsicht in die menschliche Psyche. Mit einfachen Worten schafft er es, komplexe psychologische Inhalte verständlich und passend zur Handlung wiederzugeben.
Des weiteren empfand ich die Schilderung der Hintergrundgeschichte eines Hauptcharakters als erfrischend anders. Sie war (keine Spoiler) eine ganz andere Art, als man gewöhnt ist, was es interessant machte zu lesen.
Auch das Ende, wenn man es in einer übertragenen Sicht sehen möchte, als Kampf zweier „Gedanken-/Vorangehensweisen“, war in vollem Umfang passend zu dem Rest der Geschichte, ein würdiger Abschluss dieser Novelle. Das Ende erhält mehr Gewicht, wenn man auch den traurigen Suizid Zweigˋs wenige Monate nach Veröffentlichung der Novelle im Jahre 1942 bedenkt.
All dies wurde auf gerade mal an die hundert Seiten gebracht, verschiedene Perspektiven und Themenschwerpunkte auf typischer Novellenlänge.
Alles in allem ein absolut lesenswertes Buch, welches ich gerne weiterempfehle. Ich habe es in keinster Weise bereut haben. Es freute mich auch zu hören, dass die Novelle ab und an als Schullektüre gelesen wurde/wird. Das halte ich für eine sehr vorteilhafte Entscheidung.
read_more_books
aus Leverkusen
5/5
19.03.2024
Buch (Taschenbuch)
ich bin was ich lese
In diesem Buch zeigt Stefan Zweig, dass eine Geschichte nicht über hunderte von Seiten haben muss, um einfach gut zu sein, um einen zu überzeugen und um tief in die Psyche eines Menschen einzudringen.
Ich bin total begeistert von diesem Buch.
Ich empfehle einfach, ohne große Erwartungen an, dieses Buch ran zu gehen und sich mitreißen zu lassen. Vielleicht aber nur vielleicht ist der Anfang etwas langatmig aber wenn man gegen Mitte des Buches ankommt, da wird das noch mal richtig richtig gut.
MaWiOr
aus Halle
5/5
01.12.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
„Jemand musste Josef K.…
„Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.“ Ausgerechnet an seinem 30. Geburtstag. Mit dieser Ausgangssituation beginnt Franz Kafkas berühmter Roman „Der Prozess“. Josef K. arbeitet als angesehener Prokurist einer Bank. Die Stellung. Durch sein äußerst zurückgezogenes Privatleben sind seine menschlichen Kontakte stark reduziert. Die Umstände seiner Verhaftung sind grotesk, niemand kennt das Gesetz, und das mysteriöse Gericht bleibt stets anonym. Josef K. erfährt nicht, worin die Anklage besteht und welche Schuld ihm vorgeworfen wird. Je mehr er seine Unschuld beweisen will, umso tiefer sinkt er ins Gestrüpp undurchschaubarer Gesetze und menschlicher Verwirrungen. Josef K. und mit ihm die Leser*innen werden immer tiefer in ein rätselhaftes Geschehen hineingezogen. Da er mit seinem Verteidiger unzufrieden ist, übernimmt er schließlich seine Verteidigung selbst. Im letzten Kapitel des Romans wird Josef K. abends um neun Uhr von zwei Männern zu einem alten Steinbruch abgeführt und hingerichtet. Seine letzten Worte sind: „Wie ein Hund!“. Der Roman, der 1914/15 entstand, blieb jedoch ein Fragment und wurde 1925 posthum veröffentlicht. Er ist eine Kritik an einer verselbstständigten und unmenschlichen Bürokratie und am Fehlen bürgerlicher Freiheitsrechte. Bis heute wandeln sich immer wieder die Deutungen des Romans, der im Fischer Verlag in einer Edition mit den sieben wichtigsten Werken des Jahrhundertschriftstellers erschienen ist – anlässlich des 100. Todestages von Franz Kafka im nächsten Jahr (3. Juni 2024). Fazit: Die Neuerscheinung ist eine willkommene Gelegenheit, ein rätselhaftes Werk der Weltliteratur kennenzulernen.
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5/5
06.11.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Jemand musste Josef K. verleumdet haben...
... der Satzanfang, der mich durch meine Kursstufe und mein Abitur begleitet hatte. Franz Kafkas "Der Proceß" war eine der wenigen Schullektüren, die ich ganz gelesen habe. Und ich war wohl eine der Wenigen, die sie auch noch gut fanden. Aber Kafkas Bildsprache, die sich nicht nur in seinen Romanen, sondern auch in senen kurzen Parabeln widerfindet, hatte mich immer in ihren Bann gezogen.
Umso besser, dass nachfolgende Leser jetzt in den Genuss schöner Ausgaben kommen können - und sich nicht mit den Hamburger Leseheften bequemen müssen. "Der Proceß" ist nicht das einzige Werk Kafkas, das jetzt neu im Fischerverlag schön gebunden erschienen ist. Als Geschenk oder zum Sich-Selbst-Schenken geeignet.
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