Mitten in eine Straßenschlacht in Washington D.C., auf eine Schülerparty im nordhessischen Frankenberg, mit Gerhard Schröder in eine Laubenpieperkolonie Sebastian Christ ist für sein Buch dort hingegangen, wo es weh tut. Mitgebracht hat der junge Reporter Geschichten, die nah dran sind am Leben. So nah, dass man Tränen im Auge hat, wenn er mit einem Helden des polnischen Widerstands in Warschau über den Friedhof spaziert. So nah, dass man ungewollt losprustet, wenn man durch Christs Augen den jämmerlichen Versuch einer Grünen-Wahlkampfveranstaltung in Berlin beobachtet.
Schröder ist wie Metallica ist aber nicht nur eine Sammlung von Reportagen und Features, die Sebastian Christ bei SPIEGEL-Online, in der Frankfurter Rundschau oder der Financial Times veröffentlicht hat, sondern es ist auch ein zweifaches Bekenntnis. Zum einen zu streitBar.org dem unkommerziellen Internetmagazin. Hier veröffentlicht der Buchautor viele seiner Stücke frei von Zeilenbegrenzungen einer Zeitung und mit den multimedialen Möglichkeiten von jungem Netzjournalismus. Dafür wurde die Redaktion 2005 mit dem renommierten Axel-Springer-Preis ausgezeichnet.
Die 140 Seiten Wortgewalt sind aber auch ein Manifest für den Rock-Journalismus, den Christ in einer Anwandlung rotzigen Aufbegehrens mit dem Buch ausruft. Angelehnt an frühere journalistische Aufbegehrer wie Hunter S. Thompson (New Journalism) will Sebastian Christ ein neues Denken im Journalismus anregen. Weg vom Kommerz wieder hin zu den Ideen und zur Kreativität. Ein begrüßenswerter Plan, doch scheinen die Schuhe von Hunter Sebastian noch etwas zu groß. Noch. Lesenwert ist sein Buch mit brillianten Beschreibungen und ungewöhnlichen Stilexperimenten trotzdem auch ohne Rock`n Roll-Attitüde.
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