Grundlos wird Josef K. an seinem 30. Geburtstag verhaftet und verhört. Die Umstände sind grotesk, niemand kennt das Gesetz, und das Gericht bleibt anonym. Die 'Schuld', erfährt Josef K., haftet ihm an, ohne dass er dagegen etwas tun könnte. Verbissen, aber erfolglos versucht er, sich gegen die zunehmende Absurdität und Verstrickung zu wehren, schlägt jede Warnung vor weiterer Gegenwehr in den Wind und wird schließlich ein Jahr später vor den Toren der Stadt exekutiert. Franz Kafka hat mit diesem Roman ein Jahrhundertwerk geschaffen, das auf beispielhafte Weise die wesentlichen Existenzfragen des modernen Menschen neu formuliert.
Kundinnen und Kunden meinen
3.5/5.0
Bewertung
aus Bremen
5/5
25.11.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Einfach ein Klassiker
Es hat mich persönlich viel zum nachdenken angeregt. Das Buch ist ganz gut geschrieben, nicht zu einfach, aber auch nicht zu kompliziert. Einfach ein Klassiker, den man in seiner Freizeit lesen kann :)
Bories vom Berg
aus München
5/5
17.05.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Jahrhundertwerk Aus dem…
Jahrhundertwerk Aus dem «nächtlichen Gekritzel» von Franz Kafka sind drei unvollendete Romane hervorgegangen, einer davon ist «Der Prozess». Anfang 1915 hatte er notiert «Ich kann nicht mehr weiter schreiben» und die Arbeit resigniert abgebrochen. Nach dem frühen Tod des Autors hat der von ihm eingesetzte Nachlaßverwalter, sein Freund Max Brod, 1925 das unvollendete Manuskript posthum veröffentlicht, gegen Kafkas ausdrücklichen Willen. Mit diesem Vertrauensbruch hat er der Literatur jedoch einen nicht hoch genug einzuschätzenden Dienst erwiesen. Im Nachwort zur Erstausgabe hatte Brod angemerkt, dem publizierten Roman fehle nichts Wesentliches. Das inzwischen längst kanonische Werk erlangte im deutschen Sprachraum aber erst in den fünfziger Jahren seine bis heute andauernde Bedeutung, sein Autor gehört zu den weltweit meistgelesenen Schriftstellern in deutscher Sprache. «Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet». Bereits im ersten Satz dieses Romans ist vieles von dem enthalten, was seine bedrückende Thematik ausmacht. Der Prokurist einer Bank erhält am Morgen seines dreißigsten Geburtstags Besuch zweiter Männer, die ihm erklären, dass er verhaftet sei. Er sieht sich plötzlich in den Fängen einer ominösen Gerichtsbarkeit, die nur in einer Schattenwelt zu existieren scheint, kann aber weiter seiner Arbeit nachgehen. Während der gesamten Prozessdauer, und damit während des gesamten Romans, erfährt Josef K. nicht, wessen er beschuldigt wird. In einem surrealen Szenarium wird er dann sonntags ohne Zeitangabe telefonisch zu einer ersten Untersuchung geladen, die im Dachboden einer schäbigen Mietskaserne stattfindet. Nach einem unergiebigen Palaver verlässt er mit der unbestimmten Ladung zu einer weiteren Untersuchung diese skurrile Sitzung. Mit allen Mitteln versucht er nun, mehr über das rätselhafte Gericht zu erfahren. Als sein Onkel von dem Verfahren erfährt, bringt er ihn zu einem Advokaten, der in seiner Angelegenheit tätig werden soll. Dessen Hausmädchen macht ihm eindeutige Avancen und bietet sich ihm zudem als Informantin an. Von einem anderen Klienten mit langjähriger Erfahrung bekommt er wichtige Hinweise, ein «Gerichtsmaler» will ihm ebenfalls zur Seite stehen mit seinen Kenntnissen der Gerichts-Interna, und die Frau eines Gerichtsdieners schließlich ist ihm ebenfalls gewogen und will helfen. Trotz aller Bemühungen aber gelingt es ihm nicht, irgendeinen Zugang zu diesem äußerst merkwürdigen Gericht zu finden oder auch nur einen Hinweis über den Stand seines Verfahrens zu erhalten. Zuletzt stellt sich ihm ein Geistlicher im Dom als Gefängniskaplan vor, der von seinem Prozess weiß und ihn über seine hoffnungslose Situation mit Hilfe einer Parabel aufzuklären versucht. In der kann Josef K. allerdings keine Parallelen zu seinem Fall erkennen. Die verstörende Problematik des Romans lässt vielerlei Deutungen zu, Kafkas absurde Geschichte beschäftigte diverse Interpreten, die sich intensiv damit auseinandersetzten und verschiedenste Erklärungsmuster zu erkennen glaubten. Besonders einleuchtend als Intention ist die harsche Kritik an einer unmenschlichen, die Freiheitsrechte missachtenden Bürokratie. Leitmotivisch wird dementsprechend in diesem Roman das Bett verwendet als Rückzugsort vieler der Figuren, aber auch Türen spielen als behütende Barriere häufig eine wichtige Rolle. Kafkas absurde Geschichte wird in nüchterner Sprache aus der Perspektive des Protagonisten in der dritten Person erzählt. Diese durchgängige Sachlichkeit gibt dem absurden Geschehen einen täuschend realen Anstrich, dem Leser wird somit das Mysteriöse, Unerklärliche als Tatsache suggeriert. Eine derart rätselhaft bedrohliche Thematik wird heute allgemein als kafkaesk bezeichnet, ihr Schöpfer hat somit literarisch eine nach ihm benannte, eigene Form geschaffen. Für Fachleute zählt er unangefochten zu den Jahrhundert-Schriftstellern, sein Werk dürfte die Zeiten überdauern
Hartmut Zimmer
aus Alzenau
5/5
11.03.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Macht oder Freiheit
Schuldig ist in den Augen der Macht, wer Widerstand leistet, wer auch nur zu widersprechen wagt, ja schon, wer sich nicht unauffällig und stromlinienförmig genug bewegt. Denn der Macht kommt es auf die Durchsetzung ihrer selbst, auf die Exekution von Abhängigkeiten an. Nur das scheint ihr innerer Zweck zu sein.
Sie sucht sich dann das Passende unter den formellen Regeln und Gesetzen heraus, um es für ihre Zwecke schonungslos einzusetzen. Möglichst vieles hält sie verdeckt und im Dunkeln: so zum Beispiel die Ursache und den Auslöser des Gerichtsprozesses; das die Macht Störende vielleicht gar nicht Justiziable- nicht benennend; keinerlei Anklagepunkte gegenüber dem Angeklagten offenlegend und nichts über das weitere Verfahren verlauten lassend.
Die Drahtzieher des unsäglichen Vorgehens -und womöglich Richter in einer Person- bleiben dem Angeklagten unbekannt. Jedes offene Visier wird vermieden, während ausschließlich aus dem Hinterhalt operiert wird. So lässt sich ein Angeklagter doch zweifellos am Leichtesten in einer umfassenden Hilflosigkeit halten. So scheint er der Willkür am Optimalsten ausgeliefert.
Und was bedeutet schon Rechtssicherheit und was beinhaltet sie überhaupt? Was heißt schon Moral?
Auch darauf gibt es eine einfache Antwort: Ein einheitliches Recht oder eine einheitliche Moral, auf die sich der Angeklagte stützen und berufen könnte, existieren einfach nicht.
Macht und Freiheit stehen einander unversöhnlich gegenüber. Der höhere Wert, so Kafka, kommt aber unzweifelhaft der Freiheit zu.
Wie im richtigen Leben eben Kafka beschreibt die Zustände und die Menschen wohl so, wie sie eben sind.
Werden da etwa Erinnerungen an Spitzelwesen und Korruption in bekannten, großen Organisationen wach, an das Meucheln von Missliebigen, die unter banalsten, ja lächerlichsten Vorwänden entfernt, ausgestoßen, exekutiert werden, an gedungene, graue Handlanger, die sich bedenkenlos in den Dienst ihrer Brötchengeber stellen?
Nur die Spitzen der Eisgebirge scheinen zur öffentlichen Besichtigung freigelegt.
Bewertung
5/5
16.03.2016
Buch (Gebundene Ausgabe)
Kaum ein Buch wirkt so nachhaltig...
Kaum ein Buch wirkt so nachhaltig wie dieser verstörende Roman.
Bewertung
3/5
11.03.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ganz gut, Herr K.
Anfangs war das Buch richtig spannend und viele offene Fragen standen im Raum: WEr verklagt K.? Wieso? usw. Leider werden einzelene Fragen im Laufe des Buches nicht beantwortet und das Buch nimmt rapide an Spannung ab. Schlussendlich beißt man sich durch die letzten 100 Seiten. Der Schluss stammt leider nicht aus Kafkas Feder. Sondern wurde posthum dazugefügt. Für mich mal eine Abwechslung (lese sonst eher Thriller), bereuhe aber nicht, dass ich 3 Tage in dieses Buch gesteckt habe. Solide 3 Punkte
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5/5
06.11.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Jemand musste Josef K. verleumdet haben...
... der Satzanfang, der mich durch meine Kursstufe und mein Abitur begleitet hatte. Franz Kafkas "Der Proceß" war eine der wenigen Schullektüren, die ich ganz gelesen habe. Und ich war wohl eine der Wenigen, die sie auch noch gut fanden. Aber Kafkas Bildsprache, die sich nicht nur in seinen Romanen, sondern auch in senen kurzen Parabeln widerfindet, hatte mich immer in ihren Bann gezogen.
Umso besser, dass nachfolgende Leser jetzt in den Genuss schöner Ausgaben kommen können - und sich nicht mit den Hamburger Leseheften bequemen müssen. "Der Proceß" ist nicht das einzige Werk Kafkas, das jetzt neu im Fischerverlag schön gebunden erschienen ist. Als Geschenk oder zum Sich-Selbst-Schenken geeignet.
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