Preisträger Schweizer Buchpreis 2009 Eine Kindheit und Jugend in Mitteleuropa, als dieses Mitteleuropa nach dem Zweiten Weltkrieg gerade seine politischen und kulturellen Konturen neu eingeschrieben bekam: Ilma Rakusa geht in ihren Erinnerungen dem kleinen Mädchen nach, der Tochter eines slowenischen Vaters und einer ungarischen Mutter, deren Lebensstationen von einer slowakischen Kleinstadt über Budapest, Ljubljana, Triest nach Zürich – und von da weiter ausgreifend nach Ost und West, nach Leningrad/Petersburg und Paris reichen. Die überall Fremde, Nicht-ganz-Zugehörige findet sehr früh schon ihre Heimat in der Musik, im Klavierspielen, und, mit der Entdeckung Dostojewskijs, in der Literatur, aber auch in der Bewegung, im Unterwegssein, im Reisen. Mehr Meer geht weit über eine Nacherzählung einer Kindheit und Jugend hinaus; es ist die Beschwörung dessen, was von den vielen Lebensorten und Begegnungen bleibt: Töne und Klänge, Farben und Stimmungen, einzelne Szenen und Blitzlichter ('Die Bilder, sage ich, in Ehren. Aber zuerst kommen die Gerüche.'). In vielen kleinen Selbstbefragungen, in Dialogen, Gedichten und Erinnerungsbildern geht Ilma Rakusa ihrer Geschichte auf den Grund: der vom Vater initiierte ständige Ortswechsel, das Paradies des Meeres und der Küste in Triest und Grado, erste Küsse, erste Reisen, die Musik und die Begegnung mit den Ritualen der Ostkirche, die ersten Auslandsjahre in Paris und im damals noch sowjetischen Leningrad. Ilma Rakusa nähert sich ihren frühen Jahren äußerst unsentimental und auch nicht mit dem Eifer der Bekennerin, dafür mit großer Genauigkeit in einem sehr schwierigen Bereich: im Atmosphärischen, das sie mit Knappheit und Präzision erdet. In ihrem Erinnerungsband erstehen die 50er und 60er Jahre des 20. Jahrhunderts im prismatischen Blick einer außergewöhnlichen Schriftstellerin, die wie wenige in und zwischen verschiedenen Kulturen lebt.
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5.0/5.0
Bewertung
aus Winterthur
5/5
14.05.2010
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zauberhafte Sprache!
Ich bin absolut fasziniert und beeindruckt von Ilma Rakusas Sprachgewandtheit - "Mehr Meer" ist eine Meisterleistung und ein grosses Lesevergnügen!
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5/5
06.10.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein sehr persönlicher Streifzug durch Mitteleuropa. Ilma Rakusa, Tochter eines slowenischen Vaters und einer ungarischen Mutter, schreibt über ihre Kindheit und Jugend. "Ich war ein Unterwegskind. In der Zugluft des Fahrens entdeckte ich die Welt, und wie sie verweht. Entdeckte das Jetzt, und wie es sich auflöst. Ich fuhr weg, um anzukommen, und kam an, um wegzufahren. Ich hatte einen Pelzhandschuh. Den hatte ich. Vater und Mutter hatte ich. Ein Kinderzimmer hatte ich nicht. Aber drei Sprachen, drei Sprachen hatte ich. Um überzusetzen von hier nach dort." Budapest, Ljubljana, Triest, Leningrad, Paris und schließlich Zürich, das sind ihre Stationen. Die Reise ins Innere aber führt sie zur Musik und zur Literatur. Dieses Buch erhielt 2009 den Schweizer Literaturpreis.
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