New Orleans, Louisiana, im Jahre 1862. Mitten in den Wirren des Sezessionskrieges bricht die junge Isabeau Murrait, die von allen 'Zabo' gerufen wird, auf, um ihren jüngeren Bruder Nano wiederzusehen. Unterwegs begegnet sie dem Fotografen Coustans, der Zabo fortan auf ihrer abenteuerlichen Reise begleitet, in deren Verlauf sie die feindlichen Linien überqueren, von Freischärlern und Deserteuren angegriffen werden und nur knapp dem Tod entgehen. Als das ungleiche Paar auf dem Anwesen Lananette eintrifft, begegnet Zabo zum ersten Mal ihrer Urgroßmutter Isabeau de Marnaye, die ihr eine außergewöhnliche Geschichte über Kriege, Gefängnisse und die Schrecken der Sklaverei erzählt. Und wenn die beiden Frauen auch 80 Jahre voneinander trennen, so haben sie zumindest eines gemeinsam: Ihre Liebe zur Freiheit und Unabhängigkeit!Nach fast 25 Jahren erscheint nun der erste Teil der zweiteiligen Erzählung, die an die Abenteuer von Isa in den Bänden 1 bis 5 von François Bourgeons Kultsaga 'Reisende im Wind' anknüpft, und deren zweiter Teil im Frühjahr 2010 veröffentlicht wird.
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Comicklassiker in toller Neuauflage wieder erhältlich
Bewertung aus Göppingen (BaWü) am 13.11.2009
Bewertungsnummer: 616915
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Die 5-teilige Abenteuerreihe "Reisende im Wind" ist einer der herausragenden Erwachsenencomics der 80er Jahre und wurde seinerzeit bei Carlsen verlegt. Anlässlich einer zweibändigen Fortsetzung, die aktuell im Splitterverlag erscheint, werden dort gleichzeitig auch wieder die fünf Vorläuferbände im Zweimonatsrhythmus neu aufgelegt. Eine einmalige Gelegenheit nun für alle, die vor 20 Jahren noch nicht in den Genuss kamen diese Kultserie zu lesen - so wie ich, die das Genre erst vor kurzem nach jahrelangem Mangalesen entdeckte - spätestens jetzt zuzugreifen.
Inhalt Band 1 - Blinde Passagiere:
Nachdem die französische adlige Halbwaise Agnes de Roselande Ende des 18. Jahrhunderts als Kind Opfer des Verrats und der Täuschung durch ihre beste Freundin Isabeau de Marnaye wurde, landet sie viele Jahre später ausgerechnet zusammen mit der Verräterin auf einem Segelschiff, das ihr Bruder als Kapitän befehligt. Auch wenn Isa, d.h. eigentlich Agnes (die Hintergründe über die Namensverwechslung sind wesentlicher Teil der Geschichte, daher will ich hier nichts darüber verraten), auf dem Titelbild ein wenig furchtsam aus schwindelerrender Höhe durch den stürmischen Regen in die raue See hinabblickt, ist sie ansonsten eine kluge, gewitzte, freiheitsliebende und tollkühne junge Frau, die trotz ihrer misslichen Lage an Bord durchaus imstande ist, sich Widrigkeiten zunutze zu machen. Sie verliebt sich Hals über Kopf in den bretonischen Matrosen Hoel. Zusammen erwehren sich die Beiden tapfer den Schikanen des Kapitäns, den Intrigen von Isabeau alias Agnes, überstehen so manches lebensgefährliche Abenteuer an Bord, um am Ende auf einer kleinen Felseninsel im Nirgendwo zu landen. Band 1 klingt damit aus, dass ein englisches Schiff die drei Gestrandeten (ich vergaß, der Schiffsarzt ist auch mit von der Partie) entdeckt und aufliest. Was werden sie dort wohl erleben? Fortsetzung in Band 2...
Da ich mich weder für Fantasy noch für Action und Krimis interessiere, bleiben nicht viele 'frauentaugliche' Comics übrig, aber "Reisende im Wind" ist als realistisches Historienabenteuer mit einer weiblichen Hauptfigur ein echter Glücksgriff für mich. Die Geschichte ist sehr spannend und packend mit einer ordentlichen Prise trockenen Humors erzählt, die Charakteristiken der Figuren allesamt klasse herausgearbeitet, so dass man beim Lesen selber schnell Teilhaber der Reise ins Unbekannte wird und sich 'mittendrin' fühlt.
Francois Bourgeons Zeichnungen und seine Erzählweise waren die letzten 20 Jahre wegweisend für viele andere frankobelgische Comickünstler, weshalb ich sie ruhigen Gewissens als hohe Kunst bezeichne. Die Farben leuchten einem in der Neuauflage sehr kräftig entgegen, was den gezeichneten Abenteuern Lebendigkeit verleiht und sie im wahrsten Sinne des Wortes umso bunter gestaltet. Die Coverillustrationen sind alle neu, aber ich finde es eine Schöne Idee vom Verlag, jedem Band das alte Umschlagbild als losen Kunstdruck beizulegen.
Fazit: Wer sich für frankobelgische Autorencomics interessiert und diese Kultserie aus den 80er Jahren noch nicht kennt, sollte sich die großformatigen Hardcoverbände in bewährter Splitterverlag-Qualität nicht entgehen lassen.
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