Produktbild: Überall ist Mittelalter
Band 1473

Überall ist Mittelalter Von der Gegenwart einer vergangenen Zeit

Aus der Reihe Beck'sche Reihe
1

12,95 €

inkl. gesetzl. MwSt., Versandkostenfrei


Beschreibung

Produktdetails

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

21.07.2010

Abbildungen

mit 37 Abbildungen

Verlag

C.H. Beck

Seitenzahl

328

Maße (L/B/H)

19/12,6/2,7 cm

Gewicht

316 g

Farbe

Vanille

Auflage

3. Auflage

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-406-60487-4

Beschreibung

Produktdetails

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

21.07.2010

Abbildungen

mit 37 Abbildungen

Verlag

C.H. Beck

Seitenzahl

328

Maße (L/B/H)

19/12,6/2,7 cm

Gewicht

316 g

Farbe

Vanille

Auflage

3. Auflage

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-406-60487-4

Herstelleradresse

Verlag C.H.Beck GmbH & Co. KG
Wilhelmstraße 9
80801 München
DE
produktsicherheit@beck.de

Kundinnen und Kunden meinen

1 Bewertungen

Informationen zu Bewertungen

Zur Abgabe einer Bewertung ist eine Anmeldung im Konto notwendig. Die Authentizität der Bewertungen wird von uns nicht überprüft. Wir behalten uns vor, Bewertungstexte, die unseren Richtlinien widersprechen, entsprechend zu kürzen oder zu löschen.

Die Bewertungen sind nach Format, Anzahl Sterne und Datum sortiert.

5 Sterne

(1)

4 Sterne

(0)

3 Sterne

(0)

2 Sterne

(0)

1 Sterne

(0)

„Unser Leben ist ein Geschäft,…

LichtundSchatten am 07.11.2016

Bewertungsnummer: 2730547

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

„Unser Leben ist ein Geschäft, das damalige war ein Dasein.“ (Jacob Burckhardt), Wir nehmen gerne das Wort „Zustände wie im Mittelalter“ in den Mund und suggerieren uns selbst damit, alles sei weit hinter uns, irgendwie überwunden. Für uns selbst, die wir schlechte Zustände anderer anprangern wollen. Ist es aber nicht. Keinesfalls. Mit diesem Buch tauchen wir tief ein in die Gewohnheiten und Sachlagen des Mittelalters, die Einstellungen und Lebensweisen, die Kriege und Schlachten, seien diese verbaler oder echter, tötender Natur. Wir lernen die Lesarten und Interpretationen kennen, die sich in dem Fach Geschichte äußern und oft auch zerreißen. Geschichte ist vor allem auch das Erzählen von fiktiven Geschichten, die Narration hat unzählige Spielarten, von denen die jeweilige Wirklichkeit abzugrenzen ist. Die Annäherung an das Mittelalter, unsere direkte Vorzeit, gelingt mit diesem umfassenden Buch hervorragend und sehr ausführlich, es ist in 4 Kapitel gegliedert: Gegenwärtigkeiten (Begrüßungsrituale, Haus und Garten, Fälschungen) Rückerinnerungen (Deutsches Ärgernis, Barbarossa, Quedlinburg) Abwendungen (Zinsverbot, Pfarrersfrau, Verdienste, Tod) Verwertungen und Verwerfungen (Umberto Eco, Kammeier, Kantorowicz) Philipp Melanchthon aus Bretten, die intellektuelle rechte Hand von Martin Luther, hatte in seinem Haus in Wittenberg jene Ökonomie aufgebaut, die so typisch ist für das Mittelalter. Der Garten hinter dem Haus war Grundlage zum Überleben für die Familie und auch Studenten, die damals selbstverständlich mit der Familie Melanchtons unter einem Dach lebten. Die Frau war nicht nur die treue Ehefrau und Kindererzieherin, sondern auch jene, die für das tägliche Essen zu sorgen hatte. Das ging am schnellsten und billigsten mit einem eigenen Garten. Noch immer bin ich beeindruckt von diesem Garten hinter dem Melanchthonhaus, heute ein wunderschönes Museum mit Kräterbeeten. Der Gelehrte des Mittelalters hing am Tropf einer einzigen Bedingung: der christlich religiösen. „Im Früh- und bis weit in das Hochmittelalter hinein war es meist ein Kirchenamt, das den Gelehrten ernährte, denn Bildung und Wissenschaft lagen in den Händen der Geistlichkeit.“ „Wer hat denn die Deutschen zu Richtern über die Völker bestellt?“ Mit dieser Anklage des Johann von Salisbury (1115-1180) wird vieles deutlich, das man möglicherweise in Deutschland nicht zur Kenntnis nehmen will. Sie gipfeln auch in einer Aussage von Bismarck im Reichstag: „Wir Deutschen fürchten Gott, aber sonst nichts in der Welt.“ Es steht heute außer Frage, das Mittelalter liebte die Deutschen nicht, es baute sich mit dem näheren Kennenlernen eine Erbfeindschaft zwischen Franzosen und Deutschen auf, die Goethe im Faust in die Worte goss: „Ein echter deutscher Mann mag keinen Franzen leiden.“ Die gegenseitigen Beschimpfungen machen ein ganzes Lexikon aus und umso höher ist die Leistung von de Gaulle und Adenauer zu werten, die diese Gegnerschaft in Freundschaft umpolten. Wirklich? Muss man allerdings fragen. Sind Vorurteile, Stereotype so schnell abbaubar und verschafft sich ein rechthaberischer, andere dominieren wollender Geist vielleicht doch immer wieder die Oberhand, in Verkleidung anderer Verhaltensweisen, die von einer tiefen Überzeugung für die eigene Wahrheit ausgeht? Man muss dieses Buch nicht in einem durchlesen, es hat faszinierende Kapitel, durchaus wissenschaftlich geschrieben, aber immer erhellend und auf das Wesentliche verweisend, vom profanen Alltag hin zu höchsten metaphysischen, komplexen Sphären.

„Unser Leben ist ein Geschäft,…

LichtundSchatten am 07.11.2016
Bewertungsnummer: 2730547
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

„Unser Leben ist ein Geschäft, das damalige war ein Dasein.“ (Jacob Burckhardt), Wir nehmen gerne das Wort „Zustände wie im Mittelalter“ in den Mund und suggerieren uns selbst damit, alles sei weit hinter uns, irgendwie überwunden. Für uns selbst, die wir schlechte Zustände anderer anprangern wollen. Ist es aber nicht. Keinesfalls. Mit diesem Buch tauchen wir tief ein in die Gewohnheiten und Sachlagen des Mittelalters, die Einstellungen und Lebensweisen, die Kriege und Schlachten, seien diese verbaler oder echter, tötender Natur. Wir lernen die Lesarten und Interpretationen kennen, die sich in dem Fach Geschichte äußern und oft auch zerreißen. Geschichte ist vor allem auch das Erzählen von fiktiven Geschichten, die Narration hat unzählige Spielarten, von denen die jeweilige Wirklichkeit abzugrenzen ist. Die Annäherung an das Mittelalter, unsere direkte Vorzeit, gelingt mit diesem umfassenden Buch hervorragend und sehr ausführlich, es ist in 4 Kapitel gegliedert: Gegenwärtigkeiten (Begrüßungsrituale, Haus und Garten, Fälschungen) Rückerinnerungen (Deutsches Ärgernis, Barbarossa, Quedlinburg) Abwendungen (Zinsverbot, Pfarrersfrau, Verdienste, Tod) Verwertungen und Verwerfungen (Umberto Eco, Kammeier, Kantorowicz) Philipp Melanchthon aus Bretten, die intellektuelle rechte Hand von Martin Luther, hatte in seinem Haus in Wittenberg jene Ökonomie aufgebaut, die so typisch ist für das Mittelalter. Der Garten hinter dem Haus war Grundlage zum Überleben für die Familie und auch Studenten, die damals selbstverständlich mit der Familie Melanchtons unter einem Dach lebten. Die Frau war nicht nur die treue Ehefrau und Kindererzieherin, sondern auch jene, die für das tägliche Essen zu sorgen hatte. Das ging am schnellsten und billigsten mit einem eigenen Garten. Noch immer bin ich beeindruckt von diesem Garten hinter dem Melanchthonhaus, heute ein wunderschönes Museum mit Kräterbeeten. Der Gelehrte des Mittelalters hing am Tropf einer einzigen Bedingung: der christlich religiösen. „Im Früh- und bis weit in das Hochmittelalter hinein war es meist ein Kirchenamt, das den Gelehrten ernährte, denn Bildung und Wissenschaft lagen in den Händen der Geistlichkeit.“ „Wer hat denn die Deutschen zu Richtern über die Völker bestellt?“ Mit dieser Anklage des Johann von Salisbury (1115-1180) wird vieles deutlich, das man möglicherweise in Deutschland nicht zur Kenntnis nehmen will. Sie gipfeln auch in einer Aussage von Bismarck im Reichstag: „Wir Deutschen fürchten Gott, aber sonst nichts in der Welt.“ Es steht heute außer Frage, das Mittelalter liebte die Deutschen nicht, es baute sich mit dem näheren Kennenlernen eine Erbfeindschaft zwischen Franzosen und Deutschen auf, die Goethe im Faust in die Worte goss: „Ein echter deutscher Mann mag keinen Franzen leiden.“ Die gegenseitigen Beschimpfungen machen ein ganzes Lexikon aus und umso höher ist die Leistung von de Gaulle und Adenauer zu werten, die diese Gegnerschaft in Freundschaft umpolten. Wirklich? Muss man allerdings fragen. Sind Vorurteile, Stereotype so schnell abbaubar und verschafft sich ein rechthaberischer, andere dominieren wollender Geist vielleicht doch immer wieder die Oberhand, in Verkleidung anderer Verhaltensweisen, die von einer tiefen Überzeugung für die eigene Wahrheit ausgeht? Man muss dieses Buch nicht in einem durchlesen, es hat faszinierende Kapitel, durchaus wissenschaftlich geschrieben, aber immer erhellend und auf das Wesentliche verweisend, vom profanen Alltag hin zu höchsten metaphysischen, komplexen Sphären.

Kundinnen und Kunden meinen

Überall ist Mittelalter

von Horst Fuhrmann

0 Bewertungen filtern

Weitere Artikel finden Sie in

  • Produktbild: Überall ist Mittelalter