Eine junge Frau steht in der überfüllten Ankunftshalle des Flughafens von Pointe-à-Pitre, an ihrer Hand ein ängstlicher Junge. Die Frau wartet. Sie hat ein Leben hinter sich gelassen, fern in Frankreich, und wartet darauf, daß ein neues beginnt, jetzt und hier, im Tropenparadies Guadeloupe. »Und Lazare?« fragt das Kind. »Wo ist Lazare, Mama?« Eine Reisegruppe nach der anderen wird mit Blumen in Empfang genommen. Aber Lazare kommt nicht. Marie NDiayes Roman zieht den Leser in den Sog einer geheimnisvollen fremden Welt.
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5.0/5.0
Odilie Pressberger
aus Regensburg (Donau EKZ)
5/5
24.01.2021
Buch (Taschenbuch)
NDiaye, Rosie Carpe
Wie macht NDiaye das?! Wie kann sie einen Roman von so handwerklicher Schönheit mit solch' perfekter Sprache schreiben, der mit der Wucht eines Dostojewski-Textes daherkommt und mich völlig verstört zurück läßt?? Warnung: Bitte lesen Sie dieses Buch nur, wenn Sie psychisch völlig stabil sind! Und verschenken Sie es auch nur an ausgewählte Menschen, die Ihnen vertraut sind! Erzählt wird die Geschichte der alleinerziehenden Rosie Carpe, die mit ihrem kleinen Sohn aus ihrem absolut trostlosen Leben in Frankreich nach Guadeloupe reist, um dort in der Nähe ihres Bruders Lazare ein neues Leben anzufangen. Beklommen wartet sie am Flughafen, denn ihr Bruder holt sie nicht ab. Stattdessen schickt er seinen Freund Lagrand. Schon dieser Anfang zieht uns durch NDiayes Darstellung in einen Strudel von Angst, Sorge, Beklemmung hinein. Und wie sich dann die Geschichte entfaltet, ringt mir höchste Bewunderung ab! Wenn Sie zu einem "Höllenritt" bereit sind, finden Sie hier den perfekten! Aber sagen Sie hinterher nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt!
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