Wer Äußerstes erlebt hat, ist auch zum Äußersten bereit...
Wer Äußerstes erlebt hat, ist auch zum Äußersten bereit – das zeigt dieser vielfach ausgezeichnete und hoch spannende Roman über zwei Frauen, die sich wie zufällig begegnen und die doch eine gemeinsame Geschichte und vergleichbare Erfahrungen verbinden: Egal welches politische System auch herrscht, Opfer sind immer die Frauen. »Sollten Sie nur ein Buch in diesem Jahr lesen, lesen Sie Sofi Oksanens Roman ›Fegefeuer‹. Oksanen schreibt herausragend. Sprache, Komposition, Sujet und Aussage – das alles ergibt eine sensationelle Mixtur. Der Nobelpreis in ein paar Jahren – falls eine Vorhersage erlaubt ist.« DAGENS NYHETER
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
Bewertung
5/5
06.10.2021
Buch (Taschenbuch)
Anfang der 90er Jahre treffen in Estland zwei Frauen aufeinander. Eine alte Frau, die in ihrer Vergangenheit gefangen lebt, die geprägt ist von deutscher und russischer Besatzungszeit und vom Kampf ums Überleben. Und ein junges russisches Mädchen, das auf der Flucht vor ihren Zuhältern bei der alten Frau Unterschlupf sucht. Doch ihr Zusammentreffen ist nicht nur Zufall. Diese Familientragödie, diese Geschichte der beiden Frauen, hat mich sehr mitgerissen und tief bewegt. Es ist sicherlich keine leichte Kost, aber ein Buch, das man so schnell nicht wieder vergisst.
Der Bücherwurm
aus Österreich
5/5
12.04.2012
Buch (Taschenbuch)
Verdiente Preise
Ich habe vor 2 Jahren die Erstausgabe irgendwie "übersehen". Ein wirklich tolles Buch, das die im Klappentext genannten Preise verdient hat. Mir hat auch der zeitliche Aufbau gut gefallen. Auch ein wenig aus einem Land gelesen, von dem wir noch nicht allzuviel wissen. Lesenswert !!
Stefanie Menzel
aus Neuss
5/5
09.03.2012
Buch (Taschenbuch)
Schauerlich
"Ein literarisches Meisterwerk, das sich wie ein Krimi liest." sagt Alice Schwarzer.
Recht hat sie.
Sofi Oksanen hat mit ihrem dritten Roman ein wirkliches Meisterwerk geschaffen. Keine "Wohlfühl-Literatur", bei weitem nicht. Wenn Sie sich nach einem entspannten Nachmittag auf dem Sofa sehnen, gehen Sie bitte an diesem Titel vorbei. Er wird Sie hinabreißen in alle nur erdenklichen menschlichen Abgrüne. Schauerlich. Mit langem Nachhall. Aber extrem gut.
Bories vom Berg
aus München
4/5
09.02.2015
Buch (Taschenbuch)
Eine Ahnung vom Ende Die…
Eine Ahnung vom Ende Die finnische Autorin Sofi Oksanen hat die Handlung ihres dritten Romans «Fegefeuer», dem ein Jahr vorher ein gleichnamiges Theaterstück vorausging, in Estland angesiedelt, dem sie durch ihre estnische Mutter verbunden ist und dessen Sprache sie beherrscht. Als ausgewiesene Feministin angesehen, sind ihre bisherigen Themen konsequent frauenbezogen gewesen, sie widmen sich Problemen wie Gleichberechtigung oder Gewalt gegen Frauen in patriarchalisch geprägten Gesellschaften. Schon der Titel dieses autofiktiven Romans, in dem sie Autobiografisches mit Erfundenem vermischt, deutet voraus, dass es um Unerquickliches gehen dürfte, dass die Hölle darin zur Realität wird, und diese Hölle heißt hier UDSSR. Die zornige Autorin scheut sich nicht vor schwierigen Themen, das kommunistische System, nach ihren eigenen Worten eines der schlimmsten der Weltgeschichte, sei bisher im Gegensatz zum Nationalsozialismus viel zu selten thematisiert worden. Zara, eine junge russische Prostituierte, landet auf der Flucht vor ihren brutalen Zuhältern bei Aliide, einer alten Bäuerin in Estland. Widerwillig nimmt diese die geschundene junge Frau auf und versteckt sie in ihrem Haus. Erst allmählich stellt sich heraus, dass Zara nicht zufällig bei Aliide Unterschlupf gesucht hat, ihre Oma ist deren Schwester. Diesem nur wenige Tage im Jahre 1992 dauernden Handlungsstrang, also nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und der Unabhängigkeit Estland, steht ein zweiter gegenüber, der zeitlich mehr als vierzig Jahre zurückliegt und Aliides Leben als junge Frau schildert. Deren Schwester heiratet Hans, einen estnischen Nationalisten, und stürzt sie damit in ein lebenslanges Trauma, war Hans doch ihr Märchenprinz. Sie selbst heiratet später einen kommunistischen Apparatschik, und in einer spannenden Geschichte um Schicksal, Gewalt, Eifersucht, Verrat, Angst und Scham schält sich nach und nach das Bild einer menschlichen Tragödie heraus, die sich damals abgespielt hat, während Stalins Schreckensherrschaft. Bei dieser kurzen Skizzierung will ich es bewenden lassen, mehr zu verraten wäre einfach unfair den potentiellen Lesern gegenüber. Die Autorin versteht es meisterhaft, mit einfacher Sprache verwickelte Zusammenhänge zu schildern, sie erweitert immer nur fein dosiert mit zusätzlichen Details ihr fiktionales Werk, das sich dann allmählich puzzleartig zu einem Panorama fügt. Und trotz der sprachlichen Schlichtheit schafft sie es, ihre Figuren und das Umfeld, in dem sie leben, glaubhaft und plastisch vor dem Auge des Lesers entstehen zu lassen, das Rotlicht-Milieu in Berlin ebenso wie das Landleben in Estland. Ähnlich polarisierend sind auch ihre beiden Protagonistinnen angelegt, Russin aus Wladiwostok gegen Estin, Jung gegen Alt, Nutte gegen Bäuerin, und die zwei wichtigen Männerfiguren sind ebenfalls konträr, estnischer Nationalist gegenüber sowjetischem Apparatschik. All das verleiht der atmosphärisch dicht erzählten Geschichte eine zusätzliche Dramatik. In Form der erlebten Rede rekapitulieren ihre Figuren häufig das Geschehene und dessen Hintergründe, eine detektivische Methode zur Klärung des Erkenntnisstands, die auch dem Leser hilft, den Durchblick zu behalten. Ergänzend werden Tagebucheinträge des untergetauchten estnischen Nationalisten eingeblendet, letzte Klärung bringen dann viele am Ende des Romans angefügte KGB-Dossiers, die das fünfte Kapitel bilden, ein raffinierter Schluss, der dem Roman fast so etwas wie Authentizität verleiht. Ohne Pathos stellt Oksanen mit ihrem großartigen Roman geschundene Frauen in den Mittelpunkt, denen jedwedes Grundvertrauen abhanden gekommen ist, die ihr Martyrium mit unglaublicher Zähigkeit ertragen, es mutig abzuwenden versuchen und dabei selbst auch nicht schuldlos bleiben. Trotz der menschlichen Abgründe, in die uns Sofi Oksanen blicken lässt, trotz aller brutalen Härte, ist am Ende ihres raffinierten Psychodramas ein versöhnlicher Ausgang immerhin zu erahnen.
Lisa Lauermann
aus Baden
3/5
20.01.2012
Buch (Taschenbuch)
Roh
Es werden die Leben zweier, wie es anfangs scheint, von Grund auf verschiedenen Frauen beschrieben. Aliide und Zara, die zuerst den Eindruck haben, als kämen sie aus verschiedenen Welten und mit der Zeit draufkommen, dass sie sich ähnlicher sind und näher stehen, als sie dachten.
Es ist eine bewegende Geschichte, die zum Großteil in einem Bauernhaus in Estland spielt. Aliide Trus Elternhaus. Das Haus, in dem sie sich in Hans verliebte, ihrer Schwester eifersüchtige Blicke zuwarf und letztendlich ihre Familie verriet, als die Russen das Land besetzten. Und trotz schockierender Taten, die sie beging, verspürt man beim lesen immer noch etwas Mitleid, etwas Verständnis, etwas Trauer.
Zaras Schicksal schnürt einer oft die Kehle zu, man kann ihre Angst und Verzweiflung so deutlich spüren, wenn sie in dem kleinen Raum einer schäbigen Wohnung auf den nächsten "Kunden" wartet. Während sie auf der zerschlissenen Matratze auf dem Boden liegt und eine Zigarette raucht, gehen ihr Fragen durch den Kopf wie: "wird er mir weh tun?" "werden sie mir helfen, wenn sie mich schreien hören?" "werden sie mich irgendwann gehen lassen?"
Zwei bewegende Schicksale, die sich ergänzen und zu einer skurilen Familiengeschichte verwachsen.
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