Würzburg zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges: Grausam wütet der Hexenwahn, die Scheiterhaufen lodern höher als je zuvor. Als auch die alte Hebamme Babette sterben muss, schwört ihr Pflegekind Kathi Rache. Zusammen mit einer Freundin gibt sie an, auf einem Hexensabbat Bürger der Stadt gesehen zu haben. Die Nachricht vom Hexenflug der Mädchen verbreitet sich wie ein Lauffeuer, und bald kann niemand mehr seiner Haut sicher sein. Immer mehr Männer und Frauen fallen den tödlichen Bezichtigungen zum Opfer. Und am Ende sehen sich auch die Kinder selbst vom Feuertod bedroht …
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Ein historischer Roman voller Flair und Atmosphäre
John Poulsen am 21.03.2012
Bewertungsnummer: 772474
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Kathi lebt in Würzburg zur Zeit des 30 jährigen Krieges. Der Stadt könnte es trotz der Kriegswirren gut gehen, wäre da nicht die ständige Angst vor der Bedrohung durch Hexen und Zauberer, die versuchen, gute Christenmenschen von ihrem Erlöser fortzureißen. Die Hexenkomissare haben alle Hände voll zu tun und Brandtag reiht sich an Brandtag. Für Kathi selbst gehören die brennenden Scheiterhaufen mittlerweile fast schon zum Stadtbild und so lebt das zahnjährige Mädchen in den Tag hinein, stets bemüht der strafenden Rute ihres Lehrmeisters, des Apothekers Grein, zu entkommen.
Doch alles ändert sich, als die Hebamme und Ziehmutter Kathis, die alte Babette, als Hexe bezichtigt und schließlich getötet wird. Kathi überlegt, wie sie es denen, die ihrer alten Amme das angetan haben, heimzahlen kann. Und so kommt sie auf einen Gedanken, der an Wahnwitz kaum zu überbieten zu sein scheint. Sie und ein anderes Mädchen, dass in einer unglücklichen Liebe zu einem Ratsherren der Stadt gefangen scheint und alles daransetzen will, dessen Gattin loszuwerden, erklären, sie wären mit der Hexe Babette geflogen und hätten Bürger der Stadt beim Tanz mit dem Teufel gesehen. Immer mehr Menschen werden der Hexerei und des Bündnisses mit dem Gehörnten bezichtigt, bis Kathi plötzlich einen Rückzieher macht und widerruft.
Alles scheint wie ein Kartenhaus in sich zusammenzufallen, doch Kathi hat nicht mit dem Ehrgeiz der Hexenkomissare und der kirchlichen Oberhäupter gerechnet. Und droht ihr schließlich selbst das Schicksal, das sie den Mördern ihrer Amme zugedacht hatte, der Tod auf dem Scheiterhaufen.
Roman Rausch beweist hier in vielen Kleinigkeiten seine Liebe zum Detail, indem er den Leser in diese Großstadt der Kriegszeit eintauchen lässt und ihn die Nöte und Sorgen, den Hass und die Liebe, die Verzweiflung und die Angst seiner Hauptfiguren bis ins kleinste plastisch dargestellt spüren lässt. Dabei beschreibt er das Leben der Menschen ebenso eingehend, wie die Folterpraktiken der Hexenjäger, was zuweilen durchaus makaber anmutet. Letztlich ist es sein erfrischend offener Erzählstil, der den Leser von der ersten Seite an, an die Geschichte fesselt und ihn erst wieder loslässt, wenn er weiß, was nun wirklich mit der kleinen Kathi geschieht. Dabei malt Rausch seine Figuren nicht schwarz/weiß sondern lässt durchaus auch Zweifel an den Taten und Absichten seiner Hauptfiguren zu sodass sie vor allem eines werden: Menschlich.
Einzig ein Nachwort, dass dem Leser Aufschluss über den tatsächlichen Wahrheitsgehalt der Geschichte geben könnte, fehlt. So wirkt das Werk am Ende etwas unvollständig, was den Gesamteindruck aber nur leicht schmälern kann.
Fazit
Ein gelungener historischer Roman, der durch Liebe zum Detail und geschickt destalltete Hauptfiguren besticht. Allein die Tatsache, dass man zuweilen das Gefühl hat, dass der Autor mit der Zahl der Anklagen und Anklagepunkte hier und dort etwas übertreibt, schmälert das Lesevergnügen leicht. Ein Nachwort hätte hier für Klarheit sorgen können. Wer sich jedoch davon nicht abschrecken lässt, wird hier einige schöne Stunden nahezu uneingeschränkten Lesevergnügens genießen können.
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