Mapocho ist der Name des Flusses, an dessen Ufern Santiago de Chile erbaut wurde. In Nona Fernández’ Roman wird er nicht nur von den Abwasserkanälen der Stadt, sondern auch vom Dunkel der Vergangenheit gespeist. Leichen, Mythen und persönliche Schicksale treiben darin. Der Roman verwebt Geschichten von unter General Ibáñez verschleppten Transvestiten, von einem inzestuösen Geschwisterpaar, versklavten Gefangenen, einem selbstmordgefährdeten Historiker und einem auf der Suche nach seinem Kopf umherstreifenden, enthaupteten Häuptling der Mapocho-Indianer zu einem bunten Mosaik, das einem Gemälde gleicht – mal grotesk und provokativ, mal sanft und fast zärtlich.
Nona Fernández packt, beim Umblättern der ersten Seite, den Leser an der Hand, zieht ihn tief in ihre Geschichte und lässt ihn bis zum Ende nicht mehr los.
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Mit großer Wucht
Marie-Therese Reisenauer aus Wien am 07.08.2014
Bewertungsnummer: 479467
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Wenn Sie schon die Erzählungen der Autorin einmal gelesen haben, dann sollten Sie auch diesen Roman sich zu Gemüte führen. Denn es kommt selten vor, dass ein Werk mit solcher Wucht daher kommt, dass man nach der ersten Seite fasziniert ist. Der Maloche durchströmt Santiago de Chile, nicht nur gespeist von den Abwasserkanälen, sondern auch vom Dunkel der Vergangenheit, der von General Ibanez verschleppten Transvestiten, dem enthaupteten Häuptling der Mapocho-Indianer und so einiges mehr. Provokativ, zärtlich, grotesk - ganz einfach mit großer Wucht.
Ein Blick nach Santiago
Kaffeeelse (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 02.05.2025
Bewertungsnummer: 2480826
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Nona Fernández kenne ich schon vom Buch „Twiligth Zone“. Schon in diesem Buch fiel sie mir durch eine intensive Schreibe auf, eine Schreibe, die das Gestern mit dem Heute verbindet.
Blicke auf dieses Gestern findet man auch in diesem Buch hier. Rucia reist ihrer großen Liebe Indio nach Santiago de Chile nach. Auf dieser Reise begegnen Rucia allerlei eigenwillige Gestalten. Und mit diesen Gestalten kann die Leserschaft einen Blick auf die Geschichte Santiagos werfen. Ein interessantes Buch! Definitiv. Schon der Titel lässt ein Interesse entstehen. „Die Toten im trüben Wasser des Mapocho“. Was für eine Wahl! Nun ist ja bei den Lateinamerikanern immer mal wieder dieser Magische Realismus zu bewundern. Indianisches Erbe trifft auf die neuen Machthaber würde ich immer mal wieder gern sagen. Dieser Magische Realismus ist hier in diesem Buch zu 100 % vertreten. Man begegnet der Geschichte Chiles, man begegnet einer blutigen Geschichte. Klar, in den lateinamerikanischen Staaten in der Geschichte auf Mord und Totschlag zu stoßen ist nicht schwer. Ich sage nur Konquista. Aber eigentlich findet man dieses Blut und die Toten doch überall auf der Welt. Scheint mit der menschlichen Gier zusammen zu hängen. Leider!
Rucia fährt nach Santiago de Chile und sucht ihre Liebe Indio. Und hier kommt etwas Groteskes dazu. Denn Indio und Rucia sind Geschwister. Aber in ihrer Geschichte gibt es natürlich noch mehr. Geschehnisse, die eine tiefe Verbundenheit der Beiden aufzeigen. Was ihre Liebe füreinander erklären soll/erklären kann. Wer weiß. Dies liegt wohl im Auge des Betrachters. Denn darf sein, was nicht sein darf?!?!
Rucia taumelt durch ein eigenwilliges Santiago, ein Santiago, welches irgendwie unwirklich und etwas verzerrt erscheint. Die Erklärung dazu erfolgt in der Lektüre des Buches. Wenn ihr also wissen wollt, was ich meine hilft nur das Lesen des Buches.
Der Mapocho ist der Fluss, an dem Santiago de Chile entstand. Die Namensgebung des Flusses hat mit den indianischen Bewohnern seiner Ufer zu tun, den Mapuche, den Araukanern, wie sie früher genannt wurden. Ihr Siedlungsgebiet reicht in Chile vom Rio Choapa, 200 km nördlich von Santiago bis zur Insel Chiloe. Das sind in der Nord-Süd-Ausdehnung 1600 km. Sie widersetzten sich der spanischen Kolonisation massiv, so massiv, dass sie heute noch bedeutend sind, dass sie nicht verschwunden sind, dass sie nicht in der Mischbevölkerung, den Mestizen, aufgegangen sind. Sie bestehen weiterhin als Volk. Und natürlich besetzen sie einen wichtigen Platz in der Geschichte Chiles, und so findet man sie auch im Buch. Aber nicht nur sie.
Ein Land, welches auf einer Kolonisation beruht, danach die Unabhängigkeit von Spanien bewirkt und verschiedene Herrscher und Kriege kennt. Ein Land, in dem Konservative viel zu sagen hatten und haben, wird immer Gewalt kennen. Ein Land, welches kurz, ganz kurz, unter Allende einen neuen Versuch wagt, der auch von außen niedergeschlagen wird, auch wir Deutschen haben da keine schöne Stelle eingenommen. Und wieder stehen die Konservativen vorn. Erst jetzt versuchen linke Bündnisse in Chile eine Veränderung zu bewirken, den Machismo zu bekämpfen. Dies alles ist für viele Personen im Buch ursächlich. Personen, die Rucia begegnen, Personen, die der Leserschaft begegnen. Personen, die eine Geschichte erzählen. Eine Geschichte Santiagos, eine Geschichte Chiles. Ein interessantes Buch voller Magie! Lesen!
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