Wie eine Halluzination taucht die Kindheitsgeliebte des Barbesitzers Hajima nach Jahrzehnten wieder auf, unfassbar und geheimnisum-woben. Immer an regnerischen Abenden erscheint Shimamoto wie eine verführerische Andeutung aus einer fremden Welt und hebt das Leben des tüchtigen Geschäftmannes und Familienvaters aus den Angeln. ›Südlich der Grenze, westlich der Sonne‹ erzählt mit großer Magie vom Einbruch dämonischer Kräfte in ein Leben – und scheut dabei keine Tabus. Als ›Gefährliche Geliebte‹ in der Übersetzung aus dem Englischen erschien, führte der Streit über die Sprache des Romans und seine Darstellung von Sexualität zur Auflösung des »Literarischen Quartetts«. Nun wurde er zum ersten Mal direkt aus dem japanischen Original ins Deutsche übersetzt: Ursula Gräfe, die längst zur deutschen Stimme Murakamis geworden ist, legt dabei verborgene Schichten frei und enthüllt einen Roman, den wir alle zu kennen glaubten, auf aufregende Weise neu. Der ideale Zeitpunkt für neue Leser, diesen modernen Klassiker zu entdecken – und für alle, die seinem Zauber schon zuvor verfallen waren, sich neu zu verlieben.
Kundinnen und Kunden meinen
4.1/5.0
Bewertung
5/5
14.08.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Endlich die gelungene Neuübersetzung...
Endlich die gelungene Neuübersetzung von Ursula Gräfe, die es wie keine andere versteht, uns Murakamis Worte nahe zu bringen.
Monika Schulte
aus Hagen
5/5
09.06.2013
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die grosse Sehnsucht
Der Barbesitzer Hajime lebt sein Leben. Er ist verheiratet, hat 2 Kinder und nennt zwei erfolgreiche Jazz-Clubs sein Eigen. Eigentlich ist er glücklich, eigentlich ist er erfolgreich. Doch dann erscheint Shimamoto und stellt sein Leben auf den Kopf. Shimamoto, die er schon als Kind gekannt und geliebt hat. Shimamoto, die ihn an seine Kindheit erinnert. An die Kindheit, in der er ein Einzelgänger war und vor allen Dingen ein Einzelkind. Alle anderen Kinder hatten Geschwister, nur Hajime war allein. Dann kommt Shimamoto, auch ein Einzelkind, auch so allein wie er. Die beiden sind unzertrennlich, hegen bereits Gefühle füreinander, sind sich dessen aber noch gar nicht so bewusst. Dann zieht Hajime mit seinen Eltern weg. Die beiden sehen sich nicht mehr.
Viele, viele Jahre später erscheint dann Shimamoto in Hajimes Bar. Auf einmal verspürt Hajime eine Sehnsucht, die er so noch nicht erlebt hat. Er liebt seine Frau und seine Kinder, doch mit Shimamoto ist es etwas anderes. Sie ist geheimnisvoll. Ihr Auftreten hat etwas Mysteriöses an sich, erscheint sie doch immer nur, wenn es regnet. Hajime und Shimamoto fangen an, sich regelmässig zu treffen. Nichts passiert. Sie gehen spazieren, sie gehen ins Theater. Hajime wird regelrecht in einen Sog der Gefühle hinein gezogen. Eines Tages fahren die beiden in Hajimes Ferienhaus und endlich, ja, endlich, finden die beiden richtig zueinander, doch hat diese Liebe eine Chance? Und was wird aus Hajimes Familie?
Ich habe ganz oft gelesen, dass dieser Roman - vor Jahren erschienen unter dem Titel "Gefährliche Geliebte" ein Skandalbuch sein soll. Ich kann dieses Urteil überhaupt nicht nachvollziehen. "Südlich der Grenze, westlich der Sonne" ist ein sehr feinfühliger Roman, ein sehr leiser Roman, fast schon poetisch kommt er daher. Haruki Murakami versteht es, den Leser mit seiner einfühlsamen Sprache zu fesseln. Skandalös? Nein. Dämonische Kräfte - wie auf dem Buchrücken beschrieben? Nein. Eine wunderschöne Geschichte um einen Mann, der alles hat und nach vielen Jahren seine Jugendliebe wiedertrifft. Ein Roman, eine Geschichte, mit der ich mich sehr wohl gefühlt habe.
Katharina Dammer
aus Lutherstadt Wittenberg
4/5
10.08.2017
Buch (Gebundene Ausgabe)
Neuübersetzung von Murakamis "Gefährlichen...
Neuübersetzung von Murakamis "Gefährlichen Gebliebten". Leider nicht so atmosphärisch wie die Erstübersetzung.
Odilie Pressberger
aus Regensburg (Donau EKZ)
4/5
29.05.2013
Buch (Gebundene Ausgabe)
Vielleicht das traurigste Buch von Murakami?
1992 erschien dieser Roman in Japan. 2000 kam die deutsche Übersetzung mit dem Titel "Gefährliche Geliebte" raus. Einige, die das Buch jetzt in der Neuübersetzung in der Hand halten, werden sich vielleicht noch an den heftigen Streit darüber in der Fernsehsendung "Das literarische Quartett" erinnern. Beim Wiederlesen habe ich manchmal das Gefühl, der Text ist "glänzender", "silberner" geworden. Wenn ich dann die Passagen vergleiche, ist es oft nur ein Wort, nur eine winzig kleine Umstellung im Satz, wodurch dieses Gefühl ausgelöst wird. Unverändert geblieben ist mein Eindruck, daß es sich hier um den mit Abstand traurigsten Roman Murakamis handelt! Es ist die Geschichte des Einzelkindes Hajime (jetzt 37 Jahre alt, verheiratet, zwei kleine Töchter), der Shimamoto, seine Liebe aus Kindertagen, wiedertrifft. Dieses Buch ist eine ganz vertrackte Geschichte über menschliche Einsamkeit, menschliche Schäbigkeit, Ausweglosigkeit, Verletzungen, die gegenseitig zugefügt werden und nicht zuletzt eine Geschichte über's Erwachsenwerden. Shimamoto bleibt für mich auch nach dieser neuen Lektüre die rätselhafteste Figur in allen Murakami-Romanen!! Und Yukiku wird immer interessanter und aufschlussreicher!!
Bories vom Berg
aus München
3/5
10.02.2014
Buch (Gebundene Ausgabe)
Hysteria sibiriana «Zweimal…
Hysteria sibiriana «Zweimal jährlich kommt ein Liebesroman und Sie sagen empört, das gehört gar nicht hierher. Ich weiß gar nicht, Sie halten die Liebe für etwas anstößig Unanständiges, aber die Weltliteratur befasst sich nun mal mit diesem Thema.» Sigrid Löffler hatte im Jahre 2000 in der populären Sendereihe «Literarisches Quartett» diese harsche Replik Marcel Reich-Ranickis ausgelöst mit ihrem Vorwurf, der Roman «Gefährliche Geliebte» von Haruki Murakami wäre «keine Literatur, das ist bestenfalls literarisches Fastfood». Der Roman lag damals nur in einer Übersetzung aus der amerikanischen Fassung vor, in der erregten Diskussion mutmaßte Reich-Ranicki denn auch: «Ich wette, im Original ist es viel besser»! Womit er, wie man heute nachvollziehen kann, wohl auch Recht hatte. Denn die neue Auflage von 2013 wurde unter dem originalen Titel «Südlich der Grenze, westlich der Sonne» nun direkt aus dem Japanischen übersetzt. Ich habe beide Versionen gelesen, und in der Tat ist die Neuübersetzung sprachlich deutlich seriöser, weniger flapsig und salopp, und damit ist sie, so die Übersetzerin, wesentlich näher am Original. Wären da nicht die Namen und Orte, man würde dem Roman übrigens kaum anmerken, dass er von einem japanischen Romancier geschrieben wurde, was Murakami prompt den Vorwurf einer zu stark westlichen Orientierung eingetragen hat. Ist nach alledem Löfflers vernichtende Kritik berechtigt? Trivial, um das vorweg zu sagen, ist die Geschichte des Ich-Erzählers Hajime und seiner großen Liebe Shimamoto jedenfalls nicht. Die beiden sind als Kinder zusammen, hören gemeinsam Schallplatten, fühlen sich geradezu magisch zueinander hingezogen. Als seine Eltern wegziehen, verlieren die Beiden sich allmählich aus den Augen. Nach seinem Literaturstudium und einigen, für ihn sterbenslangweiligen Jahren als Angestellter eines Schulbuchverlages ermöglicht ihm sein Schwiegervater den Sprung in die Selbstständigkeit. Er eröffnet einen Jazzclub und ist so erfolgreich damit, dass schon bald ein zweiter folgt. Nach gängigen Maßstäben könnte er jetzt glücklich sein, er liebt seine Frau und die beiden Töchter und ist aller finanziellen Sorgen enthoben. Aber irgendetwas fehlt ihm doch, er spürt eine innere Leere. Als eine Zeitschrift einen Bericht über seine Jazzclubs veröffentlicht, taucht irgendwann Shimamoto als Gast dort auf, sie hatte den Artikel gelesen. Die alte Zuneigung keimt wieder auf zwischen den Beiden, aber sie bleiben auf Distanz, Shimamoto verschwindet oft für längere Zeit ohne jede Erklärung. Sie gibt auch kaum etwas von sich preis, er kennt ihre Adresse nicht, weiß nicht mal, ob sie verheiratet ist. Irgendwann wird die Situation für Hajime unerträglich, er ist bereit, sein geordnetes Leben aufzugeben, Frau und Kinder zu verlassen, auch beruflich einen Neuanfang zu wagen, um künftig mit ihr zusammen zu sein. In ihrer ersten Liebesnacht erleben sie rauschhaft die immer erträumte sexuelle Erfüllung miteinander. Am nächsten Morgen aber ist Shimamoto verschwunden, und sie bleibt es wohl auch für immer, wie Hajime ahnt. Er beichtet alles seiner Frau und verfällt in tiefste Melancholie. Das Motiv der geheimnisvollen Schönen wird in Murakamis plausibel konstruiertem Plot in einer kühlen, sachlichen, wunderbar klaren Sprache umgesetzt, es gelingt ihm auch ohne üppige Metaphern eindrucksvoll, Hajimis innere Zerrissenheit glaubhaft darzustellen. Shimamoto bleibt ein Mysterium für ihn, sie ist «westlich der Sonne», also unerreichbar dort, wohin manchmal die Bauern aufbrechen, wenn sie in der Unendlichkeit der sibirischen Landschaft den Hysteria sibiriana genannten Koller bekommen und wie magisch angezogen der untergehenden Sonne hinterherlaufen. Sigrid Löffler jedenfalls war damals ohne Zweifel auf dem Holzweg!
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