»Felicitas Hoppe zählt zu den klügsten Gegenwartsautoren. ›Hoppe‹ ist der Beweis.« Christoph Schröder, Journal Frankfurt
›Hoppe‹ ist keine Autobiographie, sondern Hoppes Traumbiographie, in der Hoppe von einer anderen Hoppe erzählt: von einer kanadischen Kindheit auf dünnem Eis, von einer australischen Jugend kurz vor der Wüste, von Reisen über das Meer und von einer Flucht nach Amerika. Hoppes Lebens- und Reisebericht wird zum tragikomischen Künstlerroman, mit dem sie uns durch die Welt und von dort aus wieder zurück in die deutsche Provinz führt, wo ihre Wunschfamilie immer noch auf sie wartet.
Eine Geschichte über vergebliche Wünsche, gescheiterte Hochzeiten und halbierte Karrieren. Und über das unbestreitbare Glück, ein Kind des Rattenfängers aus Hameln zu sein.
"Das ist ein Anlass für mich, vor Freude einen Flickflack zu schlagen. Das tut Hoppe mit ihrer Sprache auch. " Denis Scheck
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Auf eigene Gefahr! Schon der…
Bories vom Berg aus München am 27.10.2013
Bewertungsnummer: 2708330
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Auf eigene Gefahr! Schon der Buchtitel weckt Neugier. Man stelle sich nur mal «Walser» vor als Romantitel bei Martin Walser, da reibt sich doch jeder Bücherfreund verdutzt die Augen. Originalität also schon auf dem Cover, - und die Geschichte? Ebenfalls originell, soviel sei vorab schon gesagt. Irritierend dürfte es jedenfalls nicht sein für den Leser, dass die Autorin über eine gewisse Felicitas Hoppe schreibt in ihrem Roman, den man ebenso als fiktionale Autobiografie bezeichnen könnte. Auch wenn Denis Scheck «vor Freude einen Flickflack» schlägt bei diesem Roman, wozu ihn sprachlich die Pose des Titelfotos animiert haben mag, erweist sich das Feuilleton doch als ziemlich gespalten, zwischen Jubel und Verriss, und nicht anders auch die Leserkritiker. Das macht einen doch neugierig, mich jedenfalls! Nahezu schrankenlos wird fabuliert in diesem unkonventionellen Roman der Postmoderne, der gegen so ziemlich alle Konventionen verstößt als grandiose Parodie der literarischen Gattung Autobiografie, deren Prinzip hier total auf den Kopf gestellt wird. Eigentlich ist diese Eulenspiegelei nichts anderes als eine amüsante Suche nach der Identität der Protagonistin. Treffend hat die Jury des Büchnerpreises dazu bemerkt: «In einer Zeit, in der das Reden in eigener Sache die Literatur immer mehr dominiert, umkreist Felicitas Hoppes sensible und bei allem Sinn für Komik melancholische Erzählkunst das Geheimnis der Identität.» Sie lügt wie gedruckt in diesem Schelmenstück, das in vielem an Don Quijote erinnert, ein frecher Parforceritt dieser überaus kreativen Autorin durch ihre imaginierte Lebensgeschichte. «Ihre Phantasie vertextete erbarmungslos alles» schreibt sie über Hoppe, die «in die eigenen Zweifel verliebt» ist, aber auch ironisch anmerkt: «Kröne dich selbst, sonst krönt dich keiner». In einem virtuosen Spiel mit Identitäten erlebt der Leser diese literarische Wunderwelt jenseits der Realität, folgt Hoppe als begnadeter Hockeyspielerin, Musikerin, Erfinderin, Komponistin und Schriftstellerin von Hameln nach Kanada, Australien und bis hin nach Las Vegas, in «die schönste und prächtigste Stadt der Welt». Dabei begegnet er unter anderem Glenn Gould, Franz Kafka, Pippi Langstrumpf, Pinocchio, und dem Zauberer von Oz, erfährt von Hoppes genialen Erfindungen wie dem «leuchtenden Puck» für Hockeyspieler oder dem «Lakenwender», mit dem sich ein uraltes Menschheitsproblem sehr einfach lösen lässt. All das wird erzählt in einem verblüffenden Mix aus eigener Erzählung, Tagebucheinträgen, Interviews und Gesprächsnotizen, ergänzt durch häufige Anmerkungen (der Autorin /fh) und fiktiven Zitaten kritischer Rezensenten, denen sie auf diese Weise elegant den Wind aus den Segeln nimmt. Was prompt einige der echten Rezensenten, wie man überall nachlesen kann, denn auch gehörig verärgert zu haben scheint, man kann also auch literarisch ein Eigentor schießen. Authentizität, soviel dürfte klar sein, ist kein Thema in Hoppes ebenso intelligentem wie amüsantem Roman voller origineller sprachlicher Finessen, sie hat sich ironisch eine turbulente Lebensgeschichte zusammen fantasiert, die den Leser förmlich mitreißt, sofern er nicht zur Gattung der mit roter Tinte schreibenden Kritikaster gehört. Den aufnahmefähigen und sprachsensiblen Leser hingegen erwarten einige beflügelnde Stunden mit «Hoppe», die mancher sogar spontan mit einem richtigen Flickflack krönen dürfte (auf eigene Gefahr bitte /bo).
Eine Biografie wie ein Labyrinth...
Bewertung (Mitglied der Book Circle Community) am 25.10.2023
Bewertungsnummer: 2052207
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Man wird in eine relativ ‘undurchsichtige’ Geschichte hinein gesogen (so erlebte ich jedenfalls den Sog der mich weiter zog….). Was sind Fakten, was Fiktion? Was Wunsch, was Wahrheit’? - Löst sich das Rätsel im Laufe des Lesens oder bleibt es bestehen? Sind es ‘Synonyme für’ - oder bleibt es bis zum Schluss ungelöst im Raum? Kann das überhaupt eine Biografie sein?!
Hoppe macht es einem nicht einfach! Munter strickt sie ihren Lebenserzählfaden - wobei ich das Gefühl hatte, zwar ein Muster zu erkennen - aber auf der linken Seite des Strickgutes zu sitzen…
Sie schreibt wie eine Betrachterin von aussen, zieht ebenso Tagebücher, private Manuskripte Zeitzeugen und gar Kritiker hinzu - wobei sich beides mitunter widerspricht - was sie zudem (genüsslich) kommentiert - und dazwischen zu allem auch noch philosophiert! Ein eigentliches Erzähl/LebensLabyrinth - am Ende steht man wieder draussen ‘auf der Wiese’ - und weiss nicht, ob man nun tatsächlich in der Mitte war, geschweige vorwärts gekommen ist oder nur auf der Stelle trat… Erlebt hat man dabei jedoch vieles - und eines ist mir auf alle Fälle klar geworden: Leben und Leben ist keineswegs dasselbe! - Was wir im Rückblick von unserem Leben erzählen, ist die Interpretation des Erlebten, wie es sich im Laufe des weiteren Lebens geformt hat - DIE Wahrheit lässt sich nicht finden - weder mit Notizen noch Zeitzeugen - denn die Wahrheit ist die Mischung aus beidem - und die macht sich jeder wieder selber zurecht… - Somit bleibt als Fazit für mich: dass ich hier nicht einem Lebensbild in Fakten begegne, sondern eher dem Porträt einer Lebensauffassung. - Für mich war es eine lohnenswerte Lektüre!
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