Niemand im Dorf nimmt Michel Frings ernst, wenn er auf der Suche nach dem Luchs die Wälder der Eifel durchstreift. Als er eines Morgens tot auf einer Lichtung gefunden wird, wundert es niemanden, dass das Herz des alten Sonderlings aufgehört hat zu schlagen. Sein Bruder Jo reist zur Beerdigung an. Im Gegensatz zu Michel hat er das Dorf schon früh verlassen und im Ausland Karriere gemacht. Schon bald stolpert er über Ungereimtheiten, über wohlgehütete Dorfgeheimnisse, über Eifersucht und Betrug, und er beginnt zu ahnen, dass der Tod seines Bruders alles andere als ein Unfall war. Wer einmal gemordet hat, der wird es vielleicht schon bald ein zweites Mal tun. Das weiß Jo, aber er ist viel zu sehr damit beschäftigt, sein eigenes Geheimnis zu bewahren, als dass er die tödliche Gefahr erkennt, die sich ihm langsam aber stetig nähert.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
2 Bewertungen
5 Sterne
(1)
4 Sterne
(1)
3 Sterne
(0)
2 Sterne
(0)
1 Sterne
(0)
Nach welchem ausgeklügelten…
AchiM aus Deutschland am 21.02.2024
Bewertungsnummer: 2840164
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Nach welchem ausgeklügelten Prinzip wählt man als literaturbegeisterter Vielleser sein nächstes Buch aus? Man sitzt in einer Bäckerei in Kapstadt, entdeckt im Buchregal ein Taschenbuch mit deutschem Titel, nimmt es aus Langeweile einfach mal in die Hand, entdeckt auf der ersten Innenseite eine handschriftliche Widmung des Autors für Hannelore und Hartmut, et voilà – der neue Lesestoff ist gefunden. Ehrlicherweise kam noch ein kleiner Nebenaspekt hinzu. Unter dem Titel stand der entscheidende Hinweis „Eifel-Krimi“. Nicht dass ich eine überdurchschnittliche Beziehung zu diesem Landstrich hätte, nein. Aber schon lange treibt mich die Frage um, warum Krimis wie Unkraut (sorry, nur eine Redewendung und keine vorweggenommene Bewertung) aus dem Boden schießen, die sich in bestimmten Regionen abspielen und diesem Genre deshalb auch seinen Namen gegeben haben – Regional- oder Regiokrimis. Synonyme wie Heimatkrimi und Lokalkrimi lassen schon eine Ahnung aufkommen, was der verkaufsfördernde Hintergrund dieser Welle ist. Diese Bücher sprechen insbesondere Leser an, die sich nicht in erster Linie für die eigentliche Handlung des Krimis interessieren, sondern vor allem für ihre eigene Region bzw. ihre Stadt, in der sie die Romanhandlung wiederfinden wollen und in der sie die Handlungsorte kennen. Die Protagonisten sind lokale Originale mit allem, was dazu gehört – Schwächen, Stärken, Schrulligkeiten und natürlich die verkraftbare Portion Mundart. Wiedererkennungseffekte plus literarische Heimatkunde sind garantiert. Es gibt mittlerweile kaum eine Gegend in Deutschland, die nicht ihre eigene Krimi-Serie plus zugehörigem Autor hat. Und das Prinzip zieht. Während sonst im Spannungssegment in den letzten Jahren Verkaufseinbußen zu verzeichnen waren – wenn man nicht gerade zu den Großen wie Sebastian Fitzek gehörte –, so ging der Trend bei den Regiokrimis als kuscheligem Gegenpol zu persönlichen Krisen und unübersichtlichem Weltgeschehen kontinuierlich nach oben. Aber stopp! Man würde Ralf Kramp Unrecht tun, wenn man den Erfolg seiner mittlerweile durchaus stolzen Reihe an Eifel-Krimis alleine diesem Trend anlasten würde. Der Mann hat wirklich einen schönen Schreibstil und bietet einen flüssigen Handlungsstrang mit bildhafter Untermalung, stellenweise für oft so stimmungskarge Krimiautoren fast schon blumig. Und er schafft es, durch eine handwerklich gut konstruierte Story durchaus zu fesseln. Was kann man also mehr verlangen, als dass es zwischen Wittlich, Ahütte, Schlehborn und Feusdorf so richtig spannend wird und natürlich an allen Ecken und Enden menschelt. Da fühlt man sich gut unterhalten und zudem sofort zuhause. Heimat eben.
Ein Männlein stirbt im Walde ...
Stefan Heidsiek aus Darmstadt am 20.04.2021
Bewertungsnummer: 776077
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
«Kriminalroman aus der Eifel» prangt in Lettern unter dem Titel auf dem Cover. Und genau das und eben nicht mehr erwartet man als Leser. Ein bisschen Lokalkolorit hier, ein wenig Landschaftsbeschreibungen da. Garniert mit einem brummigen Ermittler, der dann bitte noch den typischen Dialekt zu sprechen hat. Wie schön, dass Ralf Kramp diesen Weg nicht gegangen ist und uns stattdessen eine überraschend unterhaltsame und innovative Handlung kredenzt hat, bei der allein der Hauptprotagonist schon für Freude sorgt. «Jo» Frings ist zweifellos der Kleber, der den ganzen Plot zusammenhält und dafür sorgt, dass man von Beginn an den Zugang zur Geschichte findet. Die Idee, statt eines Kommissars oder Detektivs einen listigen, abgewrackten Gauner die Ermittlungen führen zu lassen, ist zwar kein gänzlich neuer Geniestreich, aber eben eine erfrischende Abwechslung. «Jo" Frings könnte direkt einem Lawrence Block-Roman entsprungen sein, derart gewieft und trickreich linkt er seine Gegner. Alles was er auf 236 Seiten tut, tut er gänzlich für sich selbst. Alles was wir sehen, sehen wir durch die Augen eines kriminellen Ganoven. Ihn interessiert weniger die moralische Aufklärung des Verbrechens, als vielmehr das Geld, was sich dadurch ergattern lässt. Und das er dafür die ein oder andere Abreibung kassieren muss, versteht sich von selbst. Hier folgt Kramp klar den Vorbildern von »Pulp« und »Noir«.
Ralf Kramp verliert dennoch die Ländlichkeit des Handlungsschauplatzes nie aus den Augen und entwirft ein verworrenes Netz aus zwischenmenschlichen Beziehungen und künstlichen Fassaden, welche allesamt Anlass zum Argwohn geben und den Leser immer wieder auf die falsche Fährte führen. Auch wenn sich Kramp bei der Skizzierung der Figuren sämtlicher Landhauskrimi-Klischees bedient (der Schläger, der Dorftrottel, die liebenswerte Gastwirtin), kommen sie allesamt äußerst lebendig und authentisch daher. Lesen sich die Dialoge in vielen deutschen Kriminalromanen oft sehr gestelzt und steril, sitzt hier jeder Satz, wird das Tempo mit knapper, kräftiger Sprache durchgängig hoch gehalten. Atempausen gönnt Kramp uns nur wenig. Überschlagende Ereignisse verhindern, dass sich an irgendeiner Stelle so etwas wie Langeweile einstellt.
Nein, äußerst tiefgründig ist das alles natürlich nicht. Und auch den Täter wird der aufmerksame Leser und routinierte Krimi-Kenner sicher früher identifiziert haben als »Jo« Frings. Darum geht es dann letztlich aber auch nicht. Wer den typischen Spannungsroman im Stile von Mord-Ermittlungen-Auflösung sucht, wird hier zwar fündig werden, aber wenig Neues geboten bekommen. Lesenswert sind bei Stimmen im Wald vor allem die Wege abseits der Aufklärungsarbeit. »Jo« Frings ist ein liebenswerter Dreckskerl, dem man gern über die Schulter schaut und der mit seiner unkonventionellen Art zudem verhindert, dass irgendwo so etwas wie deutsche Biederkeit aufkommen kann. Auf längere Ausschmückungen wird gänzlich verzichtet. Wer wissen will aus welchem Holz die Kuckucksuhr auf dem Kaminsims ist, hat hier eindeutig zum falschen Buch gegriffen. Kramp setzt lieber Punkte, als viele Kommas. Und er hat gut daran getan.
"Stimmen im Wald" ist alles andere als gewöhnlich und gerade deswegen lesenswert. Ein amüsanter Genre-Mix, der von Spannung über trockenen Humor bis hin zu einer logisch durchdachten Mordgeschichte alles bietet, was man von einem guten Kriminalroman erwarten kann und darf.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.