Produktbild: Vom Stellenwert der Worte

Vom Stellenwert der Worte Frankfurter Poetikvorlesung 2009

1

6,99 €

inkl. gesetzl. MwSt.

Beschreibung

Produktdetails

Format

ePUB

Kopierschutz

Nein

Family Sharing

Ja

Text-to-Speech

Ja

Erscheinungsdatum

12.12.2012

Verlag

Suhrkamp

Seitenzahl

64 (Printausgabe)

Dateigröße

1051 KB

Auflage

1

Sprache

Deutsch

EAN

9783518786000

Beschreibung

Produktdetails

Format

ePUB

eBooks im ePUB-Format erlauben eine dynamische Anpassung des Inhalts an die jeweilige Display-Größe des Lesegeräts. Das Format eignet sich daher besonders für das Lesen auf mobilen Geräten, wie z.B. Ihrem tolino, Tablets oder Smartphones.

Kopierschutz

Nein

Dieses eBook können Sie uneingeschränkt auf allen Geräten der tolino Familie, allen sonstigen eReadern und am PC lesen. Das eBook ist nicht kopiergeschützt und kann ein personalisiertes Wasserzeichen enthalten. Weitere Hinweise zum Lesen von eBooks mit einem personalisierten Wasserzeichen finden Sie unter Hilfe/Downloads.

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Ja

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Text-to-Speech

Ja

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Barrierefreiheit

  • keine Information zur Barrierefreiheit bekannt
  • alle Texte können angepasst werden

Erscheinungsdatum

12.12.2012

Verlag

Suhrkamp

Seitenzahl

64 (Printausgabe)

Dateigröße

1051 KB

Auflage

1

Sprache

Deutsch

EAN

9783518786000

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Grünbein auf der Frankfurter Poetikvorlesung

Zitronenblau am 02.03.2021

Bewertungsnummer: 779742

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Grünbein ist momentan einer der bekanntesten Lyriker Deutschlands, bekannt geworden vor allem mit "Grauzone morgens". Die Ehre, zu den Frankfurter Poetikvorlesungen geladen zu werden, gebührt nicht jedem. Grünbein macht keine manifesten Zugeständnisse - im Gegenteil: "es gibt keine Manifeste im Namen der Dichtkunst mehr." So rechtfertigt er seine eigene Lyrik, wenn er meint: "Der Vers, der einmal ein aristokratisches Vergnügen der Seele war, geboren aus der Sehnsucht, zu mißfallen, zu glänzen und zu verwirren, machte sich bald mit allem, was ihm unterkam, gemein." Im Weiteren skizziert der Dichter seine persönliche "Psycholinguistik" und stellt klar heraus, dass das Geräusch per se die Basis seines Lyrisierens sei seit Kindheit und "daß ein Gedicht, das sich als echt herausstellt, aus Hunderten Zufällen geboren wird und daß die Gedichte sich jedesmal neu erfinden und Rezepturen und Regeln nur alles verderben." Damit gehe ich kaum d'accord. Im Gegenteil: Lyrik folgt immer einer innern Gesetzmäßigkeit (s. Roman Jakobsons Thesen) und eine konstruierte Ästhetik ist notwendig, da Lyrisieren ein Sprechsingen ist, dass des Geistes bedarf um zu Welt, zur Sprache zu werden! Auch wenn Lyrik innerlicher sei als Epik oder Dramatik, ist ihr Stimmungshaftes, ihr Momenthaftes eine kognitive Geburt, wenn auch geschwängert von seelsichem Treiben. Da schreibt er: "Der Vers ist das Integral der Persönlichkeit. Das Gedicht wird im Glücksfall zur Charakterzeichnung dessen, der aus ihm spricht. Die Gesamtheit der Gedichte, die einer geschrieben hat, ergibt eines Tages das Kompendium seiner Gedanken und Gefühle." Grünbein selbst notiert an einer Stelle Friedrichs "Die Struktur der modernen Lyrik". Darin der Autor kristallisiert, dass das künstliche Ich geboren wurde mit den nach-baudelairschen Symbolisten -Rimbaud allen voran-: eine Enthumanisierung des lyrischen Ich. Dies steht im Widerspruch zum o. G. Es schlägt 13, wenn er meint: "Ein Dichter, der sich mit der Lyriktheorie abgibt [man beachte das Verb: "sich abgeben"!], geht kein geringes Risiko ein. Leicht beginnt er sich im Gestrüpp der allzu klaren Definitionen zu verheddern und kommt vom einzig gangbaren Weg ab, dem seiner Praxis, die zu einem gut Teil noch immer aus Prozessen des Unbewußten besteht und einer großen Portion Fingerglück." M.a.W.: Er reduziert sein Werk auf das Zufällige: "Ich bin kein Konstruktivist [wenn überhaupt heißt es: Konstrukteur!], ich glaube nicht an das hundertprozentig gemachte, vollständig durchkalkulierte Gedicht." Nun, mit Verlaub, ich ja! Anmutig dann plötzlich Grünbein: "Poesie ist Subjektmagie als Sprachereignis." Dieser Satz trifft es dann doch recht genau. Mehr noch wenn er den Poeten glorifiziert: "Dichter sind Leute, die das Auftauchen der Worte im rechten Augenblick als die eigentliche Aufgabe ihrer Kunst verinnerlicht haben." Der Teil "Vom Stellenwert der Worte" liest sich wirklich wie ein aphoristisches Plädoyer für die Lyrik; eine Sammlung ästhetischer Beschreibungen -eben nicht Erklärungen- der Dichtkunst, die ich gern auch mit Valérys Aufsätzen gedanklich zusammenstellen würde. Dafür Chapeau!

Grünbein auf der Frankfurter Poetikvorlesung

Zitronenblau am 02.03.2021
Bewertungsnummer: 779742
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Grünbein ist momentan einer der bekanntesten Lyriker Deutschlands, bekannt geworden vor allem mit "Grauzone morgens". Die Ehre, zu den Frankfurter Poetikvorlesungen geladen zu werden, gebührt nicht jedem. Grünbein macht keine manifesten Zugeständnisse - im Gegenteil: "es gibt keine Manifeste im Namen der Dichtkunst mehr." So rechtfertigt er seine eigene Lyrik, wenn er meint: "Der Vers, der einmal ein aristokratisches Vergnügen der Seele war, geboren aus der Sehnsucht, zu mißfallen, zu glänzen und zu verwirren, machte sich bald mit allem, was ihm unterkam, gemein." Im Weiteren skizziert der Dichter seine persönliche "Psycholinguistik" und stellt klar heraus, dass das Geräusch per se die Basis seines Lyrisierens sei seit Kindheit und "daß ein Gedicht, das sich als echt herausstellt, aus Hunderten Zufällen geboren wird und daß die Gedichte sich jedesmal neu erfinden und Rezepturen und Regeln nur alles verderben." Damit gehe ich kaum d'accord. Im Gegenteil: Lyrik folgt immer einer innern Gesetzmäßigkeit (s. Roman Jakobsons Thesen) und eine konstruierte Ästhetik ist notwendig, da Lyrisieren ein Sprechsingen ist, dass des Geistes bedarf um zu Welt, zur Sprache zu werden! Auch wenn Lyrik innerlicher sei als Epik oder Dramatik, ist ihr Stimmungshaftes, ihr Momenthaftes eine kognitive Geburt, wenn auch geschwängert von seelsichem Treiben. Da schreibt er: "Der Vers ist das Integral der Persönlichkeit. Das Gedicht wird im Glücksfall zur Charakterzeichnung dessen, der aus ihm spricht. Die Gesamtheit der Gedichte, die einer geschrieben hat, ergibt eines Tages das Kompendium seiner Gedanken und Gefühle." Grünbein selbst notiert an einer Stelle Friedrichs "Die Struktur der modernen Lyrik". Darin der Autor kristallisiert, dass das künstliche Ich geboren wurde mit den nach-baudelairschen Symbolisten -Rimbaud allen voran-: eine Enthumanisierung des lyrischen Ich. Dies steht im Widerspruch zum o. G. Es schlägt 13, wenn er meint: "Ein Dichter, der sich mit der Lyriktheorie abgibt [man beachte das Verb: "sich abgeben"!], geht kein geringes Risiko ein. Leicht beginnt er sich im Gestrüpp der allzu klaren Definitionen zu verheddern und kommt vom einzig gangbaren Weg ab, dem seiner Praxis, die zu einem gut Teil noch immer aus Prozessen des Unbewußten besteht und einer großen Portion Fingerglück." M.a.W.: Er reduziert sein Werk auf das Zufällige: "Ich bin kein Konstruktivist [wenn überhaupt heißt es: Konstrukteur!], ich glaube nicht an das hundertprozentig gemachte, vollständig durchkalkulierte Gedicht." Nun, mit Verlaub, ich ja! Anmutig dann plötzlich Grünbein: "Poesie ist Subjektmagie als Sprachereignis." Dieser Satz trifft es dann doch recht genau. Mehr noch wenn er den Poeten glorifiziert: "Dichter sind Leute, die das Auftauchen der Worte im rechten Augenblick als die eigentliche Aufgabe ihrer Kunst verinnerlicht haben." Der Teil "Vom Stellenwert der Worte" liest sich wirklich wie ein aphoristisches Plädoyer für die Lyrik; eine Sammlung ästhetischer Beschreibungen -eben nicht Erklärungen- der Dichtkunst, die ich gern auch mit Valérys Aufsätzen gedanklich zusammenstellen würde. Dafür Chapeau!

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von Durs Grünbein

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