Angespannt wartet die Familie am gedeckten Tisch auf den Vater. Mutter, Tochter und Sohn sitzen vor einem Berg Muscheln, die allein das Oberhaupt der Familie gerne isst. Um die zähe Wartezeit zu überbrücken, beginnen sie miteinander zu reden. Je mehr sich der Vater verspätet, desto offener wird das Gespräch, desto umbarmherziger der Blick auf den autoritären Patriarchen und desto tiefer der Riss, der die scheinbare Familienidylle schließlich zu zerstören droht.
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
7 Bewertungen
5 Sterne
4 Sterne
3 Sterne
(0)
2 Sterne
1 Sterne
(0)
Anstrengender, verschachtelter Schreibstil
Bewertung am 20.05.2024
Bewertungsnummer: 2205126
Bewertet: eBook (ePUB)
Das Buch ist in langen, verschachtelten Sätzen geschrieben und liest sich wie eine Rede von Werner Kogler.
Beispiel: "Auch ich habe nur so getan, als könnte ich sie begreifen, weil das günstige für mich gewesen ist, dass sie geglaubt haben, ich wäre Vaters Tochter und also logisch, tatsächlich habe ich die Logik von meinem Vater nicht gut begreifen können und nur immer so getan, was die beiden anderen gar nicht gekonnt haben, weil es klar geheißen hat, dass die beiden zusammengehören, weil sie unlogisch und anschmiegsam sind und immer küssen wollen, und ich mit meinem Vater zusammengehöre, weil ich logisch bin und denke, was sich für Mädchen nicht unbedingt gehört, nur ist es immer noch besser gewesen als küssen."
Wenn die Tochter erzählt.
Bewertung (Mitglied der Book Circle Community) am 13.04.2025
Bewertungsnummer: 2464793
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Eine Mutter und ihre beiden Kinder, vermutlich schon (fast) erwachsen, warten zu Hause auf den Vater. Weil er befördert werden sollte, ist ein Festessen geplant: Das Muschelessen, das seit Beginn der Ehe von den Eltern gemeinsam zubereitet wird, als Symbol für Gemeinschaft und Familienidyll. Ein Ritual, das auf den ersten Seiten bereits unterbrochen wird, denn die Mutter übernimmt das aufwändige Putzen über der Badewanne alleine.
Die Tochter ist die Erzählerin. Sie schildert uns den Hergang dieses aussergewöhnlichen Abends, als sie auf den Vater warteten, und gleichzeitig erfahren wir viel über die Familienverhältnisse. Es ist, als ob wir einem jungen Menschen zuhören, der nach Jahrzehnten des Sprachverbots und der Sprachlosigkeit endlich erzählen darf und nicht unterbrochen wird. Sie redet ohne Punkt und Komma - eigentlich mit sehr vielen Kommas, aber maximal einem Punkt pro Seite. Sie erzählt uns die Familiengeschichte, den Hergang des Abends und vieles über die Normen und Werte ihres Zuhauses. Alles, was sie so beschäftigt, sprudelt gewissermassen aus ihr heraus: die ideologischen Familienwerte, die Loyalität der Mutter, die Ungeduld des Vaters, das Schweigen, ihre eigene Verstocktheit, die Weichheit des Bruders und wie der Vater ein strenges Regime führte, was ihm alles zuwider war und viel über die Regeln, die sie nie richtig verstanden hatte. Ganz leise werden an diesem Abend nie dagewesene Banden geknüpft, die in eine subtile Verschwörung münden und die Autorität des Vaters untergraben.
Der nur hundert Seiten lange Plot ist eindrücklich aufgebaut. Durch die persönliche Sicht und den scheinbar willkürlichen Erzählstil in Ich-Form, geht einem die Geschichte unter die Haut. Eine Charakterstudie, in der Sprache einer jungen Frau aus spannungsgeladenen Familienverhältnissen. (Erstmals erschienen 1990 und, aus meiner Sicht zu Recht, mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet).
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.