Ausgezeichnet mit dem Prix Renaudot 2011 und dem Prix de la langue française 2011 Eduard Limonow, spätestens seit der Gründung der Nationalbolschewistischen Partei eine der umstrittensten und widersprüchlichsten Figuren Russlands, lebt sein abenteuerliches Leben mit einer schwindelerregenden Intensität. Er verbrachte seine Jugend als Kleinkrimineller und dann als gefeierter Underground-Dichter in Charkow und Moskau, lebte als hungerleidender und partyfeiernder bisexueller Dandy-Autor in New York und Paris, kämpfte als Freiwilliger in den Balkankriegen auf Seiten der Serben, schloss sich mit seiner Partei Kasparow und der Bewegung Neues Russland an und saß im Gefängnis. Eine Kandidatur bei den Präsidentschaftswahlen 2012 wurde ihm verweigert, inzwischen agiert er als einer der führenden Köpfe der demokratischen Opposition. Seine politische Haltung oszilliert zwischen extrem rechts und extrem links - immer in Opposition zum Establishment und immer auch als ästhetische Geste einer Gegenkultur. Carrère erzählt in dieser alle Genres sprengenden Romanbiografie, die den Leser von der ersten Seite an in gefesselte Aufmerksamkeit versetzt, die schillernde Geschichte Eduard Limonows, rekonstruiert ein Leben, das ihn fasziniert aber auch abstößt - und skizziert wie nebenbei seine eigene Annäherung an das heutige Russland.
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Spannend geschrieben
Bewertung am 30.11.2022
Bewertungsnummer: 1835285
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Sehr lesenswertes Buch, in dem der/die Lesende viel über den Autor Carrere, den Dichter Limonov sowie die Zeit des kalten Krieges mit all seinen Auswirkungen erfährt. Eine spannende Reise durch mehrere Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts.
bis zur Hälfte gut Von einem…
Juti aus HD am 02.10.2022
Bewertungsnummer: 2781650
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
bis zur Hälfte gut Von einem Buch „Yoga“ erwartet der Leser von Carrère, dass er sich im Selbstversuch mit Yoga beschäftigt und ähnlich wie in seinem mich vollkommen überzeugenden Buch „Das Reich Gottes“ die Selbstwahrnehmung mit seinen Leserinnen teilt. Dies gelingt bis Seite 156, wo ein „junger Typ“ mitteilt, dass er beim Meditieren immer an „Titten!“ denken muss. Danach erfahren wir, dass der Autor wegen einer bipolaren Störung meditieren wollte. Dabei musste ich an Thomas Mette denken und sein Buch ist besser. Denn der Trip nach Bagdad, um den Blutkoran zu finden, ist zu weit hergeholt und die Flüchtlingsgeschichte nicht neu, zumal er korrekt darauf hinweist, dass der Migrant weiß, dass er Erzählungen hinzudichten muss, um in Europa Asyl zu erhalten. Erst auf S.304 kehrt er zur Definition von Meditation zurück, nachdem er auf S.171 einen unbekannten Mystiker zitiert hat: „Gott schaut mit seinen Augen der Barmherzigkeit nicht den an, der du bist, sondern den, der du sein wolltest.“ „Machen Sie gar nichts: Nur so kann Veränderung eintreten“ lässt er auf S.187 einen Therapeuten sagen und definiert dies als Meditation wie „still und unbewegt dazusitzen“ , „den Gedankenstrudel beobachte[n], ohne sich davon mitreißen zu lassen“, „sich von seiner Identität zu lösen“ (alles 304), „ins Innere des eigenen Ichs einzutauchen“, „alles anzunehmen, was auftaucht“, „lernen, nichts zu bewerten“ und „loszulassen, nichts mehr zu erwarten, nichts mehr zu tun zu versuchen.“ (alles 305) Diese verkürzte Definition ist Ergebnis einer geplanten 10tätigen Schweigemeditation ohne Abendessen, die der Autor aber abbrechen musste, weil ein Bekannter bei den Anschlägen auf „Charlie Hebido“ stirbt. Dabei fallen immer wieder nette Zitate: „Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähl ihm von deinen Plänen!“ (62) Nicht nur von seinem Hardcoreseminar erzählt der Franzose, auch wie er in Genf während einer Meditation mit einer Frau im siebten Himmel schwebt (82f). Schulz von Thun kennt er aber nicht, sonst würde er sich über das Ich anstatt du nicht beschweren (103) und fragt, ob Sex nicht wahrer sei als Meditation (109). So bin ich wieder in der Mitte des Buches mit: „Alles, was wirklich ist, ist per Definition wahr, aber manche Wahrnehmungen der Wirklichkeit haben einen höheren Wahrheitsgehalt als andere“. (154) Für den ersten Teil 5, für den zweiten Teil 1 Stern, macht 3 Sterne.
Meinung aus der Buchhandlung
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Limonow. Dichter, Ganove, Frauenheld, Nationalist, Dissident, Egomane, Kotzbrocken. Keine Beschreibung scheint verkehrt oder unpassend. Zweiter Protagonist in dieser überbordenden Romanbiographie ist Emmanuel Carrère - der Autor selbst - der uns über seine Faszination und seine Annäherung an diesen ungewöhnlichen Helden und das damalige wie heutige Russland erzählt. Wie durch ein Brennglas verdichtet sich die Geschichte vom Ende des 2. Weltkriegs bis heute im Leben Eduard Sawenkos, genannt Limonow. Ein Leben so ereignisreich und explosiv, dass es für zehn gereicht hätte. Atemlos und mit wachsender Beklemmung jagt man durch dieses Buch. Große Literatur, weil real.
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