Darauf hat Henrik über 40 Jahre gewartet: Sein Jugendfreund Konrád kündigt sich an. Nun kann die Frage beantwortet werden, die Henrik seit Jahrzehnten auf dem Herzen brennt: Welche Rolle spielte damals Krisztina, Henriks schöne junge Frau? Warum verschwand Konrád nach jenem denkwürdigen Jagdausflug Hals über Kopf? Eine einzige Nacht haben die beiden Männer, um den Fragen nach Leidenschaft und Treue, Wahrheit und Lüge auf den Grund zu gehen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
Odilie Pressberger
aus Regensburg (Donau EKZ)
5/5
03.02.2021
eBook (ePUB)
Marai, Die Glut
Für mich einer der großartigsten Romane, die man im Laufe seines Lebens in die Hand bekommen kann. Zwei alte Männer, die von Kindheit an miteinander befreundet waren bleiben auch befreundet, als der Eine heiratet. Nach einem Vorfall auf der Jagd verschwindet einer der Männer spurlos. Vierzig Jahre später treffen sie bei einem Abendessen wieder aufeinander. Wird jetzt alles aufgeklärt? Ein grandioses Buch zum Thema "Lebenslügen". Ein Meisterwerk!
Bewertung
Book Circle Community
5/5
19.01.2024
Buch (Taschenbuch)
Lieblingstipp: Ein wiederentdeckter Klassiker
Der Roman führt uns in die Zeit der k.u.k. Monarchie.
Henrik, der 75-jährige General und ungarische Landadlige, erhält von seinem ehemaligen Freund und Weggefährten die Nachricht, dass dieser ihn nach 41 Jahren in seinem Schloss in den Karpaten besuchen will. Er erinnert sich, wie er Konrád mit acht Jahren in der Kadettenschule in Wien kennengelernt, wie sich eine tiefe Freundschaft zwischen ihnen entwickelt hat, wie sie unzertrennlich wurden trotz Standesunterschied und Herkunft. Nach Henriks Heirat mit Krisztina, einer Bekannten von Konrád, verbringen die drei viel Zeit miteinander. Bis zu jenem Tag im Juli 1899. Nach der Jagd in den Wäldern des Generals nehmen die drei wie üblich das Abendessen gemeinsam ein. Am nächsten Tag quittiert Konrad den Dienst und reist ohne ein Wort zu sagen ab. 41 Jahre meldet er sich nicht. Krisztina stirbt acht Jahre später und der General lebt einsam mit ein paar Bediensteten im Schloss. Was war der Grund dieser Abreise?
Der General lässt diese Tage für sich Revue passieren. Er philosophiert ausgiebig über Liebe, Freundschaft, Loyalität, Untreue und Verrat. Er stellt sich Fragen, die er gerne beantwortet hätte. Der Besuch Konráds ist die Gelegenheit dazu. Wird Konrád ihm diesen Gefallen tun?
Der Roman ist wie ein Kammerspiel. Zuerst führt Henrik ein Selbstgespräch, dann fasst er seine Gedanken der letzten 41 Jahre für Konrád zusammen. Dieser kommt kaum zu Wort. Auch wenn dadurch sehr lange Monologe entstehen, die sich zum Teil wiederholen, bleibt das Buch spannend.
Sprachlich ausgezeichnet und sehr bildhaft beschreibt uns Sándor Márai das Leben des österreichisch-ungarischen Landadels mit all den Vorstellungen, Pflichten und Gepflogenheiten jener Zeit.
Polar
aus Aachen
5/5
18.01.2021
Buch (Taschenbuch)
Bei Kerzenlicht
Geheimnisse, die über Jahrzehnte in sich getragen werden, mögen einen, der nicht eingeweiht ist, um den Verstand bringen. Er erhofft sich womöglich die Erlösung, wenn sie endlich gelüftet werden. Manch einer wünscht sich danach, er hätte nie gefragt. In Sandor Marais Roman Die Glut spielt die Liebe zu Krisztina die Rolle, die sowohl Henrik als auch Konrad zum Spielball ihrerselbst machen. Hitzig inszeniert Marais eine einzige Nacht, eine Aussprache, die Niederlage. Das Ganze eingewebt in den Zerfall des k.u.k.-Reiches. Ein schmales Buch, das genußvoll in Lebenslügen schwelgt.
Bories vom Berg
aus München
5/5
20.11.2015
Buch (Taschenbuch)
Lange vergessenes Meisterwerk…
Lange vergessenes Meisterwerk Die Wiederentdeckung seines Romans «Die Glut», 1942 erstmals in seiner Heimat erschienen, machte den ungarischen Schriftsteller Sándor Márai fast fünfzig Jahre später schlagartig auch einem internationalen Publikum bekannt, die deutsche Übersetzung erschien 1998. Seither zählt Márai für Fachleute zu den bedeutendsten Autoren des Zwanzigsten Jahrhunderts, - man wird dem begeistert zustimmen, wenn man den vorliegenden Roman gelesen hat. In einem kammerspielartigen Plot wird die Geschichte einer engen Freundschaft erzählt, die Henrik und Konrád seit ihrer gemeinsamen Zeit auf der Kadettenanstalt verbindet. Henrik ist der Sohn eines reichen adligen Gutsbesitzers, bodenständig, robust, lebenslustig, während Konrád von einem verarmten Baron abstammt, introvertiert, feinsinnig, musisch veranlagt. Konrád ist jahrelang immer wieder Gast bei seinem inzwischen mit Krisztina verheirateten Freund auf dessen prächtigem Landsitz, bis Henrik eines Tages bei einem Jagdausflug plötzlich bemerkt, dass Konrád mit dem Gewehr auf ihn angelegt hat, nicht auf den stattlichen Hirsch, der vor ihnen aus dem dichten Wald aufgetaucht ist. Doch Konrád lässt das Gewehr wieder sinken, sie sprechen kein Wort über den Vorfall, überstürzt und ohne Abschied reist Konrád ab. Als Henrik am nächsten Tag Konrád in der Stadt aufsuchen will, erfährt er von dessen Burschen, dass sein Herr mit unbekanntem Ziel abgereist sei, er hätte den Dienst quittiert, die Wohnung solle aufgelöst werden. Erstaunt - ein Besuch war ihm bisher immer verwehrt worden - sieht sich Henrik in Konráds ungewöhnlich komfortabler Wohnung um, als plötzlich Krisztina erscheint. Er merkt an der Art, wie sie sich darin bewegt, dass ihr die Wohnung vertraut ist. Mit dem Wort «Feigling» verlässt sie die Wohnung, Henrik und sie sprechen nie wieder miteinander, sehen sich auch nie mehr, er ist in das Jagdhaus umgezogen, acht Jahre später stirbt seine Frau. Einundvierzig Jahre sind seit der abrupten Trennung vergangen, man schreibt das Jahr 1940, als Konrád dem weltabgewandt lebenden, nunmehr 75jährigen Henrik, im Roman immer nur als «der General» bezeichnet, überraschend seinen Besuch ankündigt. Beim Dinner mit anschließendem Kamingespräch kommt es zwischen den Beiden zu einem vom Leser schon mit Spannung erwarteten, verbalen Showdown, der den weitaus größten Teil dieses Romans ausmacht. Nachdem Konrád anfangs von seiner Zeit in den Tropen erzählt, wohin er damals geflüchtet ist, zieht der General das Gespräch zunehmend an sich, immer mehr in einen Monolog verfallend, in dem er ihre Freundschaft psychologisch analysiert mit am Ende verblüffendem Resultat. Wobei er auch den bisher unausgesprochenen Treuebruch seines Freundes sehr zögerlich thematisiert, ihn quasi scheibchenweise entlarvt, so ganz ohne Vorwürfe zudem, nicht wie erwartet in einem Racheakt kumulierend. Konrád soll bei alldem offensichtlich nicht zu Wort kommen und bleibt auch einsilbig, beantwortet keine der Fragen des Generals. Mit der Ankündigung dieses Besuchs gleich zu Beginn des Romans erzeugt Márai eine Spannung, die bis zur letzten Seite anhält. Er lässt den General in einem weiten Bogen über elementare philosophische Fragen schwadronieren, thematisiert Freundschaft, Treue und Sinn des Lebens auf ganz eigene Weise. Der General stellt zum Schluss sogar überraschend die Frage, ob nicht ihrer beider Sehnsucht nach der inzwischen ja schon lange toten Krisztina ihrem Leben nicht nur einen Sinn gegeben, sondern ihm zusätzlich auch eine gewisse Würze verliehen habe. Schließlich wirft er spontan auch noch das versiegelte Tagebuch seiner Frau ungelesen ins Feuer, sein letzter Trumpf quasi, der die - ihm nun allerdings nicht mehr wichtige - Wahrheit hätte aufdecken können. Emotional packend, immer wieder nachdenklich machend, in einer angenehmen, den Leser geradezu wohlig einhüllenden Sprache geschrieben, zählt dieser großartige Roman zweifellos heute schon zu den Klassikern der Belletristik.
buchwürmchen
aus reutlingen
5/5
14.12.2011
Buch (Taschenbuch)
Nachdem die Scherben der Ehe…
Nachdem die Scherben der Ehe aufgeräumt waren und der frühe Tod seiner Frau betrauert, bleiben dem alten General Henrik ein Konvolut an ungeklärten Fragen, die er in einer einzigen Nacht mit seinem alten Freund Konrad abarbeitet. Über 40 Jahre ließ Konrad auf sich warten bis er unerwartet seinen Besuch ankündigt. Was folgt ist ein nachtlanger, spannender quasi Monolog des Generals - sein Freund ergreift relativ selten das Wort - doch dieser Monolog enthält in sich die Leidenschaft der Liebe und Weisheit eines ganzen Lebens. Die glasklare Sprache und Kunst Marais, den Spannungsfaden durch die ganze Erzählung zu steigern, machen aus diesem Buch ein einmaliges Leseerlebnis.
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