Ghazali über die Kausalität Das siebzehnte Kapitel von Tahafut al-falasifa und dessen Rezeption in moderner Forschung
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Sprache:Deutsch
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Produktdetails
Format
ePUB
Kopierschutz
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Text-to-Speech
Ja
Erscheinungsdatum
27.07.2011
Verlag
GRINSeitenzahl
21 (Printausgabe)
Dateigröße
322 KB
Auflage
1. Auflage
Sprache
Deutsch
EAN
9783640968428
eine der zentralsten Fragen der klassischen islamischen Theologie. Sie ist deswegen so
zentral, weil sie ausschlaggebend für Vorstellungen von einem allmächtigen Gott und
von Reichweite und Grenzen seiner Allmacht ist. Die 'aS'aritischen Theologen haben in
Auseinandersetzung mit den Lehren der Mütazila ein Denksystem entwickelt, das als
islamischer Okkasionalismus bekannt geworden ist. Diesem Okkasionalismus zufolge
wird alles, was in der Zeit erschaffen worden ist, von Gott zu jedem Augenblick neu
erschaffen. Was als kausale Ursache von etwas anderem erscheint, ist in der Tat nur
eine Folge von der Gewohnheit Gottes in seiner Erschaffung.1
Die islamischen Philosophen, die sich der aristotelischen Philosophie
verschrieben hatten, sahen in der Welt eine gesetzmässige innere Ordnung, die nicht
mehr veränderbar ist. Die Dinge in der Welt besitzen eine eigene Natur, von der aus sie
mit Notwenigkeit auf andere Dinge einwirken und auf sie reagieren. Gott ist die erste
Ursache der Welt und die gesamte Existenz geht aus Seinem Wissen mit Notwendigkeit
hervor. Die kausalen Verknüpfungen sind die sekundären Ursachen; sie sind notwendig
und entziehen sich der Kontrolle Gottes. Die Verpflichtung zu dieser Philosophie hatte
zor Folge, dass sie die im Koran erwähnten Prophetenwunder, die nicht mit uns
bekannten Naturgesetzen erklärbar waren, entweder verleugneten oder sie allegorisch
interpretierten.
Das siebzehnte Kapitel von Gazali stellt eine Stellungnahme eines Gelehrten,
der neben seiner Hauptschulung in ¿aS¿aritischer Richtung auch tiefgründige Kenntnisse
in anderen Disziplinen vorwies, zu der Frage nach den kausalen Verknüpfungen. Gazali
verleugnet hier den notwendigen Charakter der kausalen Verknüpfung in der Natur -
oder zumindest jene Version der islamischen Philososphen, die er im Visier hat - mit
der Begründung, dass eine solche Notwendigkeit in der Natur die göttliche Allmacht mit
Einschränkungen versieht. Dies geschieht v.a. dann, wenn die Wunder, die im Koran
erwähnt werden, durch Philosophen entweder dem gewöhnlichen Verlauf der
Naturgesetze entsprechend umgedeutet oder wenn dies nicht machbar ist, allegorisch
interpretiert werden.
==
1 vgl. Fakhry, Majid: "Islamich Occasionalism and its Critique by Averroes and Aquinas". London, 1958. S.22-55.
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