Band 1 der Notizbuchausgabe führt hinein in Bertolt Brechts turbulente Anfangsjahre: mit seinem Militärdienst im Augsburger Lazarett, Station D für Geschlechtskrankheiten, mit Novemberrevolution und Spartakusaufstand, mit den ersten großen Lieben und seinen Besuchen im Münchner Theaterseminar Artur Kutschers. Den Auftakt der Notizen bilden die Lieder zur Klampfe von Bert Brecht und seinen Freunden, eine lose Sammlung von lieblich-derben Songs, welche die Augsburger Freunde auf diversen Streifzügen komponierten. Brecht entwickelte dafür sogar ein eigenes, flexibles Notationssystem. Die Notizbücher 2 und 3 stehen hingegen ganz im Zeichen einer wilden, durch Brechts Vaterschaft entfesselten Produktivität. Er treibt seine ersten großen Theaterstücke voran: den Baal und den Spartakus, der später als Trommeln in der Nacht Theatergeschichte schreiben wird. Er wagt sich an kühne Dramenprojekte wie Hans im Glück oder Die Bälge, und zwischen tagebuchartigen Notizen und den Ideen für eine Doktorarbeit schreibt er im Zug nach Berlin Sentimentales Lied № 1004, den ersten, bisher ungedruckten Entwurf von Brechts berühmten Gedicht: Erinnerung an die Marie A. Die auf 14 Bände angelegte Notizbuchausgabe publiziert erstmals authentisch sämtliche Notiz- und Adressbücher Bertolt Brechts: Sie bildet alle beschriebenen Blätter ab und stellt ihnen eine genaue Transkription als Lesehilfe zur Seite. Ihr Stellenkommentar rekonstruiert Brechts Schreibprozess, die Elektronische Edition präsentiert für das Verständnis wichtige Zusatzdokumente im Web.
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10.07.2014
Buch (Taschenbuch)
Der Suhrkamp Verlag hat vor…
Der Suhrkamp Verlag hat vor vier Jahren mit der Edition der 54 Notizbücher von Bertolt Brecht begonnen. Insgesamt 14 Bände soll die Ausgabe umfassen, d.h. pro Band meist drei oder vier Notizbücher. Start der Edition war Band 7 mit den Notizbüchern 24 und 25 aus den Jahren 1927-30. Sie dokumentierten eine wichtige Umbruchzeit in Brechts Schaffen, der in diesen Jahren intensive philosophische Studien betrieb und die theoretischen Grundlagen seiner späteren Theaterarbeit erarbeitete. Vor zwei Jahren erschien der erste Band, der die Notizbücher 1 bis 3 aus den Jahren 1918-1920 umfasste. Hier notierte der junge Brecht Gedichtentwürfe, Lieder, Notenskizzen und szenische Entwürfe, aber auch theoretische Betrachtungen über das Theater. Nun liegt mit Band 2 die Fortsetzung vor, der die Notizbücher 4 bis 8 aus dem Jahr 1920 beinhaltet. Obwohl Brecht 1920 kaum Veröffentlichungen hatte, war es doch ein äußerst produktives Jahr, was schon die Vielzahl der Notizbücher zeigt. Darüber hinaus war 1920 ein wichtiges Jahr für seine politische Entwicklung, denn er entwickelte sich zum überzeugten Kommunisten. Erstmals beschäftigte sich der 22jährige Brecht 1920 mit der Gattung des Prosagedichtes und so finden sich in den Notizbüchern zahlreiche Entwürfe. Es entstanden u.a. seine Psalmen, die aber erst vierzig Jahre später veröffentlicht wurden. Auch Entwürfe zu Stückprojekten wie „Trommeln in der Nacht“, das 1922 in München uraufgeführt wurde, finden sich hier. Das Notizbuch 6 verwendete Brecht dagegen ausschließlich für sein Romanprojekt „Das Buch Gasgarott“, das jedoch ein Fragment und eine Laune dieses Jahres blieb. Im Notizbuch 7 finden sich Entwürfe für Gedichte und Stücke, während Notizbuch 8 auch Aphorismen, Filmideen und Adressnotizen enthält. Wie bei den beiden Vorgängerbänden und wie bei allen geplanten 14 Bänden der Edition sind auch bei Band 2 alle Seiten der Notizbücher digital reproduziert. Die Scan-Aufnahmen wurden jeweils auf der gegenüberliegenden Seite im Hinblick auf Originaltreue und Lesbarkeit editorisch bearbeitet. Ein ausführlicher Anhang gibt zunächst allgemeine Erläuterungen zur gesamten Edition, ehe dann zu den fünf Notizbüchern Informationen zu deren Entstehungsgeschichte, sowie Stellenerläuterungen und Kurzcharakterisierungen gegeben werden. Dazu gibt es eine Auswahl aus den Tagebüchern (April - Juli 1920) von Caspar Neher, Brechts Schulfreund. Komplettiert werden die „Notizbücher 4 bis 8“ schließlich durch eine Zeittafel, ein Literaturverzeichnis sowie mehrere Register, die die Lektüre und die Arbeit mit dieser außergewöhnlichen Edition wesentlich erleichtern.
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