Millionen von Musikfans weltweit sind spätestens seit "The Look Of Love" verzaubert von Diana Krall. Ihr Talent, Jazz Standards in einer unnachahmlich sinnlichen und zugleich zurückhaltenden Art vorzutragen, hat sie zur erfolgreichsten Jazzvokalistin unserer Zeit werden lassen. Die Diskographie der kanadischen Pianistin und Sängerin umfasst viele Alben mit bekannten Songs aus dem Great American Songbook, aber ebenso feierte sie überraschende Erfolge mit Ausnahmeproduktionen wie dem Singer/Songwriter-Werk "The Girl In The Other Room" oder dem vor wenigen Jahren erschienenen "Glad Rag Doll", in dem Produzent T Bone Burnett die Chanteuse in einem ganz anderen Licht erscheinen ließ. Viele, aber nicht alle ihrer Alben wurden Bestseller, bewiesen jedoch den erlesenen Musikgeschmack dieser Ausnahmemusikerin. Mit David Foster in der Produzentenrolle hat Diana Krall nun erstmalig ein ganzes Album aufgenommen. Krall, Jahrgang 1964, hat hierfür Stücke ausgesucht, die sie in jüngeren Jahren sehr beindruckt haben. Und allen Babyboomern dieser Jahrgänge dürfte das ebenso gehen. Songs von den Eagles, von Bob Dylan, von 10cc, von The Mamas And The Papas. Die Produktion ist erstklassig, die Interpretation sucht ihresgleichen. Fans in aller Welt dürften begeistert sein.
Kundinnen und Kunden meinen
2.0/5.0
Joschne
aus Sittensen
2/5
31.07.2015
Musik (CD)
+++Gepflegte Langeweile…
+++Gepflegte Langeweile dominiert+++ Auf ihrem neuesten Streich "Wallflower" präsentiert Diana Krall Songs der siebziger und achtziger Jahre, die sie als Heranwachsende besonders beeinflusst haben. Los gehts mit Mamas & Papas-Hit "California Dreamin", der wohl berühmtesten Sehnsuchts-Hymne der Flower Power-Ära. In den Anfangsmomenten deutet Krall den Titel als melancholischen Abgesang auf jene Ära um, ehe eine Easy Listening-Rhythmussektion dann doch wieder die ursprüngliche Intention betont. Der Eagles-"Desperado" bekommt ein klareres Jazz-Outfit verpasst, was ihm hörbar gut tut. Diana Kralls dunkel gefärbte Stimme treibt - im deutlichen Kontrast zum klaren Gesang Karen Carpenters im Original - auch "Superstar" alle Lieblichkeit aus. Elton Johns "Sorry Seems To Be The Hardest Word" geht als weitere geglückte Neuauflage durch. Zwar hält sich Krall sehr dicht am Original, doch lässt sie durch ihre zurückhaltende und gleichzeitig emotionale Herangehensweise den Kern des tieftraurigen Abschiedssongs sogar noch stärker hervortreten. Gaststars gehören bei derlei Projekten mittlerweile zum Standard. Michael Bublés Version von Gilbert O'Sullivans "Alone Again (Naturally)" sinkt im Vergleich zum erfrischend umherperlenden Original allerdings ziemlich ab. Dafür sorgt nicht zuletzt Bublés gefürchteter Einsatz von Charming Boy-Nettigkeiten. Als zweiter Besucher tritt Bryan Adams in "Feels Like Home" ans Mikro. Mit Adams modulationsarmer Sandpapierstimme klingt die Nummer dann aber so zahm und harmlos wie seine eigenen oberflächlichen Balladen der Achtziger. Ebenso wie später die Krall-Version von "Don't Dream It's Over" (Crowded House), das schon intensivere Neubearbeitungen erfahren hat. Paul McCartneys Komposition "If I Take You Home Tonight" interpretiert Diana dagegen überzeugend, da sie hier mehr auf Tiefe setzt. Die Eagles tauchen nach "Desperado" später noch einmal auf. Ihr "I Can't Tell You Why" inszeniert die Künstlerin musikalisch als nachdenklichen Abendspaziergang im Latin-Gewand. Auch eine so vorzügliche Musikerin kann aus bereits sattsam bekanntem Material nicht durchgehend neue Höhepunkte zaubern: "I'm Not In Love" von 10cc gerät z. B. zu sehr in Barjazz-Schieflage. Mitunter genügen nur Nuancen in der Phrasierung oder musikalischen Anlage, um neue Akzente herauszukitzeln. Leider findet sich jedoch zu wenig wirklich Überraschendes auf "Wallflower".
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