Odile und Louis sind ein glückliches Paar, mit Tochter und Sohn leben sie in den Hochsavoyen, wo sie seit zwölf Jahren ein Kinderheim führen. Odile ist gerade 35 geworden. Jetzt erst sind die beiden in der Lage, sich an ihre Jugend zu erinnern, die sie in Paris verbrachten, wo sie zwielichtigen Geschäften nachgingen: Odile wurde von einem Polizisten als Lockvogel benutzt, und zusammen mit Louis brachte sie illegal Geld nach England für den Garagenbesitzer, für den Louis als Bote arbeitete. Aber sie haben rechtzeitig erkannt, wann es an der Zeit ist, sich nicht mehr in den Dienst anderer zu stellen …
Kundinnen und Kunden meinen
3.0/5.0
MaWiOr
aus Halle
5/5
17.11.2014
Buch (Taschenbuch)
Der französische Schriftstelle…
Der französische Schriftsteller Patrick Modiano (Jg. 1945) erhielt den diesjährigen Literatur-Nobelpreis. Anlass genug für den Suhrkamp Verlag, in seiner taschenbuch-Reihe einige seiner wichtigsten Werke neu herauszugeben. Sein autobiografischer Roman „Eine Jugend“ aus dem Jahr 1981 ist wohl das bekannteste und packendste aller Modiano-Bücher. Es wurde 1985 von keinem Geringeren als Peter Handke übersetzt, der sich damals beim Suhrkamp Verlag sehr für Modiano einsetzte. Odile und Louis sind ein glückliches Paar, mit Tochter und Sohn leben sie in den Hochsavoyen, wo sie seit zwölf Jahren ein Kinderheim führen. Odile will gerade mit Freunden ihren 35. Geburtstag feiern, da dreht der Autor mit einem harten Schnitt die Zeit um fünfzehn Jahre zurück. Odile und Louis erinnern sich an ihre Jugend, an eine Jugend in den 1960er Jahren in Paris. Sie ließen sich in der Seine-Metropole treiben, die Zeit verging, doch ihnen war das egal. Damals suchten die Neunzehnjährigen nach einer Startmöglichkeit fürs Leben. Louis hatte gerade seinen Militärdienst beendet und Odile träumte von einer Karriere als Sängerin. Ein undurchsichtiger Talente-Scout versprach ihr eine große Karriere, beging dann aber Selbstmord. Odilie wurde dann von korrupten Polizisten als Köder missbraucht. Zufälle lenkten schließlich die beiden Verliebten in die Fänge von dubiosen Geschäftsleuten, für die sie am Ende eine große Geldsumme in die Schweiz schmuggeln sollten. Doch dann bekamen sie noch die Kurve und stiegen mit dem Geld nicht in den Zug nach Genf sondern nach Nizza, wo sie in Südfrankreich zwei glückliche, unbeschwerte Wochen verbrachten. Irgendwie war ihre Jugend damit vorbeigegangen. In „Eine Jugend“ setzte sich Modiano im Rückblick mit dem Lebensgefühl der Jugend in 1960er Jahren auseinander. Als Leser kann man sich auf den knapp 200 Seiten so treiben lassen wie die beiden Protagonisten. Nach der Lektüre ist man sicher neugierig auf andere Werke des neuen Nobelpreisträgers.
Bories vom Berg
aus München
3/5
26.03.2017
Buch (Taschenbuch)
Genese einer humanitären…
Genese einer humanitären Befreiung «1945 geboren zu sein, nachdem Städte zerstört und ganze Bevölkerungen verschwunden waren, das muss mich, wie andere meines Alters, sensibler für die Themen Erinnerung und Vergessen gemacht haben» hat Patrick Modiano 2014 in seiner Nobelpreisrede erklärt. Und so steht auch sein 1985 auf Deutsch erschienener Roman «Eine Jugend» unter der Maxime einer «Pflicht der Erinnerung», mit der Übersetzung und Protektion von Peter Handke wurde der Schriftsteller dann einem breiteren deutschen Publikum bekannt. Trotz hoher literarischer Ehrungen aber blieb die Rezeption seines beachtlichen Œuvres eher verhalten, ein Schicksal, welches er mit vielen anderen großen Schriftstellern teilt. «Die Kinder spielen im Garten, und bald ist es Zeit für die tägliche Schachpartie». Mit diesem Satz beginnt der Roman, geschildert wird eine Familienidylle in den Bergen. Es ist der Tag vor Odiles 35ten Geburtstag. In dem Chalet von Louis und seiner Frau haben sie bislang ein Kinderheim betrieben, sie wollen es jetzt aber allein benutzen, eventuell einen Schuppen zum Restaurant umbauen. «In Saint-Lô, in jenem Herbst vor fünfzehn Jahren, regnete es tagelang» heißt es dann nach zehn Seiten, der gesamte Rest des Romans ist ein Rückblick auf ihre gemeinsame Zeit in Paris. Nach dem Militärdienst in Saint-Lô lernt Louis den deutlich älteren Jean-Claude Brossier kennen, der ihm Arbeit bei seinem Freund in Paris vermittelt, einem zwielichtigen Geschäftsmann namens Bejardy. Louis arbeitet als Aufsicht in dessen Garage und macht Botendienste für ihn. Eines Tages lernt er Odile kennen, eine angehende Sängerin, die nach dem Selbstmord ihres Förderers Bellune völlig aus der Bahn geworfen wird. Durch seine Protektion wurden Chansons für sie geschrieben und eine Schallplatte aufgenommen, mit der sie sich bei den Plattenfirmen bewerben konnte. Als die Neunzehnjährige - nach dem Recht der 1960er Jahre eine Minderjährige - nachts von der Polizei aufgegriffen wird, verlangt der Kommissar von ihr, der Polizei als Lockvogel bei der Verhaftung eines gesuchten Vergewaltigers zu helfen. Schließlich findet sie auch einen Musikagenten, der ihre Probeaufnahmen anhört und ihr eine Anstellung im Varieté vermittelt. Als er sie darauf – als Gegenleistung sozusagen – in seinem Büro auszieht, wehrt sie sich nicht, ist ihm zu Willen. Nachdem Louis und Odile ein Paar geworden sind, verschafft Brossier ihnen eine Wohnung und stellt ihnen seine schöne äthiopische Freundin vor, eine Studentin, mit der er auf dem Campus wohnt. Schließlich erhalten sie von Bejardy den Auftrag, eine halbe Million Franc nach England zu schmuggeln, getarnt als Mitglieder einer Reisegruppe Jugendlicher zu einem Englischkurs im Seebad Bournemouth. Als sie zurückkommen, erfahren sie von Brossier, dass er sich mit Bejardy überworfen habe. Von dessen Freundin hören sie, er werde sich in Kürze nach Argentinien absetzen. Durch Zufall lernen Louis und Odile in einer Café einen Künstler kennen, in dessen ehemaligem Atelier sie jetzt wohnen, und der erzählt ihnen, Bejardy sei als Mörder verhaftet gewesen, mangels Beweisen aber freigesprochen worden. Als letzten Auftrag - Bejardy hat seine Wohnung bereits aufgelöst - sollen Louis und Odile für ihn wieder eine halbe Million Franc schmuggeln, diesmal nach Genf. Sie aber besteigen den Zug nach Nizza. Bruchstückhaft wird in diesem kurzen Roman der Erinnerung über soziales Alleinsein erzählt, über eine nebelhafte Zeit der Selbstfindung, dem Leser wird reichlich Gelegenheit für eigene Reflexionen und Phantasien gegeben. Der auktoriale Erzähler zeigt seine jugendlichen Protagonisten auf der Suche nach ihrem Platz in der Welt. Dabei stellt er sie wie emotionslose Statisten auf seine atmosphärisch dicht beschriebene, literarische Bühne. Er enthält sich jedweder psychologisierenden Deutung, charakterisiert seine Figuren vielmehr ausschließlich über das äußere Geschehen, die hindernisreiche Genese einer humanitären Befreiung.
Renate Vorwerk
aus Bergisch Gladbach
1/5
04.06.2021
eBook (ePUB)
grenzenlos langweilig
Die Kritiken sind durchweg gut und ein Nobelpreis sollte eine Empfehlung sein. Reicht nicht. Ich habe mich durch ca. ¼ des Buches gequält und war sowohl gelangweilt als auch abgestoßen. Das Ehepaar lässt sich in der Jugendzeit treiben, ohne Ziel und ohne ersichtliche Menschlichkeit und sieht die Zeit aus der Sicht einiger Jahre später ebenfalls völlig unkritisch. Nichts gelernt und nichts weiter zu geben.
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