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Wilhelm Schmid

1. Unglücklich sein

Unglücklich sein Eine Ermutigung

Gesprochen von
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Beschreibung

Produktdetails

Family Sharing

Ja

Gesprochen von

Wilhelm Schmid

Spieldauer

1 Stunde und 44 Minuten

Abo-Fähigkeit

Ja

Erscheinungsdatum

29.04.2013

Hörtyp

Lesung

Fassung

gekürzt

Medium

MP3

Anzahl Dateien

11

Verlag

Komplett-Media Verlag

Sprache

Deutsch

EAN

4056198000021

Beschreibung

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Spieldauer

1 Stunde und 44 Minuten

Abo-Fähigkeit

Ja

Erscheinungsdatum

29.04.2013

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Fassung

gekürzt

Medium

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11

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Komplett-Media Verlag

Sprache

Deutsch

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4056198000021

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"Unglücklich sein, eine Ermutigung" von Wilhelm Schmid - Kann das Streben nach Glück unglücklich machen?

Bewertung am 10.05.2015

Bewertungsnummer: 878154

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

»Heute ist nicht mein Tag!" Wer das sagen kann, hat noch einmal Glück gehabt: Bei vielen Menschen dauert das länger als nur einen Tag. Sie müssen mit dem Unglcklichsein leben, sie haben es sich nicht selbst ausgesucht. Gesteigert wird dieser Zustand noch von einer Zeit, die die Menschen glauben macht, sie müssten dauernd glücklich sein. Von den Plakatwänden schreit es herab: "Glück!" Aus den Werbespots blitzt es hervor: "So werden Sie glücklich!" Prospekte versprechen: "Noch mehr Glück!" Bei Reiseveranstaltern ist zu buchen: "Glücksgarantie!" Zeitungen titeln: "Wie Sie auf Glück umschalten", um wenig später verwundert zu fagen: "warum sind wir nicht glücklicher?« (S. 7) Der freie Philosoph Wilhelm Schmid, der auch als "philosophischer Seelsorger" an einem Krankenhaus in der Schweiz gearbeitet hat, geht in diesem kleinen Büchlein der Frage nach dem "Unglücklichsein" nach und bekräftig unglückliche Menschen darin, diesen unangenehmen Wesenszug zu akzeptieren und genau darin Kraft und Tatendrang zu schöpfen, was schlussendlich auch wieder Glückszustände hervorbringen kann. Er will aber auch nicht missverstanden werden: er sagt keinesfalls, dass es falsch ist, wenn man glücklich und frei von Melancholie ist, doch er prangert die gesellschaftliche Konvention an, dass man "glücklich sein muss". Das führe dazu, dass sich unglückliche Menschen beginnen vorwürfe zu machen und so in einen Teufelskreis geraten. »Je grösser der Druck der äusseren Verhältnisse, desto heftiger fragen Menschen nach ihrem inneren Glück: Bin ich denn glücklich? Warum alle Anderen, nur ich nicht? Wie kann ich künftig glücklich werden? Aber drängende Fragen stellen sich auch mit Blick auf die Schattenseiten des Glücks: Wie viele Menschen werden unglücklich, nur weil sie glauben, glücklich werden zu müssen? Und was ist mit den Vielen, die unglücklich sind und nicht nur damit fertig werden müssen, sondern auch noch damit, dass die ganze Gesellschaft im Glück zu schwelgen scheint? Müssen die Unglücklichen sich nicht ausgeschlossen fühlen, je mehr die scheinbar Glücklichen auf ihrem Glück beharren?« (S. 9) Auf 103 Seiten geht Wilhelm Schmid den Fragen nach dem Glück, der Melancholie, der Krankheit Depression und allem, was gesellschaftlich und individuell dazu gehört, nach. Es kann, aus meiner Sicht, Unglücklichen helfen, besser mit dem Leben und sich selber umzugehen, genauso wie es der Gesellschaft oder Menschen, die mit diesen "Gefühlszuständen" nicht vertraut sind, helfen kann, mehr Akzeptanz für "Unglückliche" zu entwickeln und sie besser zu verstehen. »Die Bedeutung, die der Melancholie einer kommenden Zeit zuwächst, kann immerhin, wie schon in früheren Zeiten, darin liegen, reflexive Distanz zu gewinnen und die gefährlichen Selbstverständlichkeiten zu verlieren, in denen Menschen leben, ohne es recht zu bemerken. Die Wahrnehmung einer bedrohlichen Situation wird zum Ausgangspunkt dafür, zur Besinnung zu kommen und erneut nach Sinn zu fragen. Sie vermittelt die Erfahrung einer Grundlosigkeit, die dennoch grundlegend ist, denn mit ihr entsteht ein Bewusstsein davon, welche Bedeutungslosigkeit der menschlichen Existenz eigen sein kann und dass ihr der Boden jederzeit unter den Füssen weggezogen werden kann. Eine mögliche Antwort darauf ist das neuerliche Bemühen um Sinn in Form von Zielen und Zwecken. Deren Festlegung zwar lange Zeit die Aufgabe heteronomer Autoritäten in Kirche, Staat und Gesellschaft. In der Moderne wurde die Aufgabe zusehends von ökonomischen Institutionen übernommen, deren Ziele und Zwecke sich jedoch in Wirtschaftswachstum und einer Eroberung von Märkten erschöpften. Für autonome moderne Menschen wird es zur Aufgabe ihrer eigenen bewussten Lebensführung, ihrer Lebenskunst, sich Gedanken über Ziele und Zwecke zu machen, die eine sinnvolle Perspektive eröffnen können, um aus freien Stücken einem Sollen zu folgen, auch wenn ohne Weiteres etwas Anderes gewollt werden könnte. Eine Perspektive für den Einzelnen, die zugleich weit über ihn selbst hinausweist, könnte die Arbeit an einer ökologischen und sozialen Gesellschaft und Weltgesellschaft sein, verbunden mit der Bereitschaft, sich selbst immer von Neuem zu fragen, welches eigene Tun, welches Lassen dazu beiträgt, welches nicht. Sind auf dem Weg dorthin Revolten und Revolutionen zu befürchten oder zu erhoffen? Die Melancholiker neigen nicht dazu. Ihre Stärke ist ihre Sensibilität, ihr Gespür für Sinn und dessen Fehlen; darin besteht ihr Geschenk an die Gesellschaft. Sensibilität ist das einzige menschliche Vermögen, das noch Rettung verspricht. Die Schattenseiten des Glücks sind schon aus diesem Grund nicht sinnlos: Erheblich früher als die Glücklichen bemerken die Unglücklichen eine Gefahr, eine Fehlentwicklung, ein Unrecht und eine Ungerechtigkeit. Eher als bei den Optimisten, von denen nicht wenige den Anblick eines problembeladenen Menschen bereits als Behinderung ihrer positiven Weltsicht empfinden, findet sich Mitgefühl bei den Melancholikern: Eine Ermutigung zum Unglücklichsein. Wenn dann zum Unglücklichsein noch Gründe für eine Empörung hinzukommen, setzen auch Melancholiker sich in Bewegung. Sie tun es nicht für sich, etwa um die Melancholie unter anderen, besseren Umständen zu verlieren: Die ist ihnen ans Herz gewachsen. Aber dass Verbesserungen des menschlichen Lebens für Andere möglich sind, lässt Melancholiker nicht ruhen. Anders als die Optimisten sind sie sich bei alledem klarer über das Sisyphos-Schicksal des Menschen, der unentwegt den Stein nach oben wuchtet, um ihn nach unten kullern zu sehen. Sie sind bereit dazu, Anstrengungen zu Verbesserungen auf sich zu nehmen, während sich andernorts wieder Verschlechterungen zeigen. So bleibt eben immer etwas zu tun. Kann das Menschen glücklich machen? Möglicherweise gerade dann, wenn das Unglücklichsein als Möglichkeit des Menschseins akzeptiert werden kann.« (S. 97 - 100) Tolles und leicht verständliches Buch eines grossen Denkers. Sehr zu empfehlen!

"Unglücklich sein, eine Ermutigung" von Wilhelm Schmid - Kann das Streben nach Glück unglücklich machen?

Bewertung am 10.05.2015
Bewertungsnummer: 878154
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

»Heute ist nicht mein Tag!" Wer das sagen kann, hat noch einmal Glück gehabt: Bei vielen Menschen dauert das länger als nur einen Tag. Sie müssen mit dem Unglcklichsein leben, sie haben es sich nicht selbst ausgesucht. Gesteigert wird dieser Zustand noch von einer Zeit, die die Menschen glauben macht, sie müssten dauernd glücklich sein. Von den Plakatwänden schreit es herab: "Glück!" Aus den Werbespots blitzt es hervor: "So werden Sie glücklich!" Prospekte versprechen: "Noch mehr Glück!" Bei Reiseveranstaltern ist zu buchen: "Glücksgarantie!" Zeitungen titeln: "Wie Sie auf Glück umschalten", um wenig später verwundert zu fagen: "warum sind wir nicht glücklicher?« (S. 7) Der freie Philosoph Wilhelm Schmid, der auch als "philosophischer Seelsorger" an einem Krankenhaus in der Schweiz gearbeitet hat, geht in diesem kleinen Büchlein der Frage nach dem "Unglücklichsein" nach und bekräftig unglückliche Menschen darin, diesen unangenehmen Wesenszug zu akzeptieren und genau darin Kraft und Tatendrang zu schöpfen, was schlussendlich auch wieder Glückszustände hervorbringen kann. Er will aber auch nicht missverstanden werden: er sagt keinesfalls, dass es falsch ist, wenn man glücklich und frei von Melancholie ist, doch er prangert die gesellschaftliche Konvention an, dass man "glücklich sein muss". Das führe dazu, dass sich unglückliche Menschen beginnen vorwürfe zu machen und so in einen Teufelskreis geraten. »Je grösser der Druck der äusseren Verhältnisse, desto heftiger fragen Menschen nach ihrem inneren Glück: Bin ich denn glücklich? Warum alle Anderen, nur ich nicht? Wie kann ich künftig glücklich werden? Aber drängende Fragen stellen sich auch mit Blick auf die Schattenseiten des Glücks: Wie viele Menschen werden unglücklich, nur weil sie glauben, glücklich werden zu müssen? Und was ist mit den Vielen, die unglücklich sind und nicht nur damit fertig werden müssen, sondern auch noch damit, dass die ganze Gesellschaft im Glück zu schwelgen scheint? Müssen die Unglücklichen sich nicht ausgeschlossen fühlen, je mehr die scheinbar Glücklichen auf ihrem Glück beharren?« (S. 9) Auf 103 Seiten geht Wilhelm Schmid den Fragen nach dem Glück, der Melancholie, der Krankheit Depression und allem, was gesellschaftlich und individuell dazu gehört, nach. Es kann, aus meiner Sicht, Unglücklichen helfen, besser mit dem Leben und sich selber umzugehen, genauso wie es der Gesellschaft oder Menschen, die mit diesen "Gefühlszuständen" nicht vertraut sind, helfen kann, mehr Akzeptanz für "Unglückliche" zu entwickeln und sie besser zu verstehen. »Die Bedeutung, die der Melancholie einer kommenden Zeit zuwächst, kann immerhin, wie schon in früheren Zeiten, darin liegen, reflexive Distanz zu gewinnen und die gefährlichen Selbstverständlichkeiten zu verlieren, in denen Menschen leben, ohne es recht zu bemerken. Die Wahrnehmung einer bedrohlichen Situation wird zum Ausgangspunkt dafür, zur Besinnung zu kommen und erneut nach Sinn zu fragen. Sie vermittelt die Erfahrung einer Grundlosigkeit, die dennoch grundlegend ist, denn mit ihr entsteht ein Bewusstsein davon, welche Bedeutungslosigkeit der menschlichen Existenz eigen sein kann und dass ihr der Boden jederzeit unter den Füssen weggezogen werden kann. Eine mögliche Antwort darauf ist das neuerliche Bemühen um Sinn in Form von Zielen und Zwecken. Deren Festlegung zwar lange Zeit die Aufgabe heteronomer Autoritäten in Kirche, Staat und Gesellschaft. In der Moderne wurde die Aufgabe zusehends von ökonomischen Institutionen übernommen, deren Ziele und Zwecke sich jedoch in Wirtschaftswachstum und einer Eroberung von Märkten erschöpften. Für autonome moderne Menschen wird es zur Aufgabe ihrer eigenen bewussten Lebensführung, ihrer Lebenskunst, sich Gedanken über Ziele und Zwecke zu machen, die eine sinnvolle Perspektive eröffnen können, um aus freien Stücken einem Sollen zu folgen, auch wenn ohne Weiteres etwas Anderes gewollt werden könnte. Eine Perspektive für den Einzelnen, die zugleich weit über ihn selbst hinausweist, könnte die Arbeit an einer ökologischen und sozialen Gesellschaft und Weltgesellschaft sein, verbunden mit der Bereitschaft, sich selbst immer von Neuem zu fragen, welches eigene Tun, welches Lassen dazu beiträgt, welches nicht. Sind auf dem Weg dorthin Revolten und Revolutionen zu befürchten oder zu erhoffen? Die Melancholiker neigen nicht dazu. Ihre Stärke ist ihre Sensibilität, ihr Gespür für Sinn und dessen Fehlen; darin besteht ihr Geschenk an die Gesellschaft. Sensibilität ist das einzige menschliche Vermögen, das noch Rettung verspricht. Die Schattenseiten des Glücks sind schon aus diesem Grund nicht sinnlos: Erheblich früher als die Glücklichen bemerken die Unglücklichen eine Gefahr, eine Fehlentwicklung, ein Unrecht und eine Ungerechtigkeit. Eher als bei den Optimisten, von denen nicht wenige den Anblick eines problembeladenen Menschen bereits als Behinderung ihrer positiven Weltsicht empfinden, findet sich Mitgefühl bei den Melancholikern: Eine Ermutigung zum Unglücklichsein. Wenn dann zum Unglücklichsein noch Gründe für eine Empörung hinzukommen, setzen auch Melancholiker sich in Bewegung. Sie tun es nicht für sich, etwa um die Melancholie unter anderen, besseren Umständen zu verlieren: Die ist ihnen ans Herz gewachsen. Aber dass Verbesserungen des menschlichen Lebens für Andere möglich sind, lässt Melancholiker nicht ruhen. Anders als die Optimisten sind sie sich bei alledem klarer über das Sisyphos-Schicksal des Menschen, der unentwegt den Stein nach oben wuchtet, um ihn nach unten kullern zu sehen. Sie sind bereit dazu, Anstrengungen zu Verbesserungen auf sich zu nehmen, während sich andernorts wieder Verschlechterungen zeigen. So bleibt eben immer etwas zu tun. Kann das Menschen glücklich machen? Möglicherweise gerade dann, wenn das Unglücklichsein als Möglichkeit des Menschseins akzeptiert werden kann.« (S. 97 - 100) Tolles und leicht verständliches Buch eines grossen Denkers. Sehr zu empfehlen!

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