Joseph Conrad: Das Herz der Finsternis Entstanden 1899. Deutsche Übersetzung von Ernst W. Freißler. S. Fischer, Berlin 1926. Vollständige Neuausgabe. Herausgegeben von Karl-Maria Guth. Berlin 2015. Umschlaggestaltung von Thomas Schultz-Overhage unter Verwendung des Bildes: Albert Bierstadt, Tropische Landschaft, um 1870. Gesetzt aus Minion Pro, 11 pt.
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Von der Finsternis der Natur…
Circlestonesbooks.blog am 29.12.2022
Bewertungsnummer: 2790433
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Von der Finsternis der Natur zur Finsternis des Herzens „Die einzelnen Abschnitte des Stroms taten sich vor uns auf und schlossen sich hinter uns, als sei der Urwald gemächlich über die Ufer getreten, um uns den Rückweg abzuschneiden. Immer tiefer drangen wir in das Herz der Finsternis ein.“ (Zitat Seite 74) Inhalt Während sie auf einer Kreuzerjacht auf der Themse die Flut abwarten, erzählt der Seemann Charlie Marlow seinen Freunden, die Berufe ausüben, wie sie auch in kolonialen Handelsgesellschaften typisch sind, von seiner Reise als Kapitän eines Flussdampfers auf dem Kongo. Der bekannte und äußerst erfolgreiche Agent Kurtz leitet einen wichtigen Handelsstützpunkt, weit abgelegen im Zentrum des Elfenbeingebietes. Nun jedoch sind diese Station und somit auch die wirtschaftlichen Erträge aus dem Handel mit Elfenbein gefährdet, denn Kurtz ist krank und Marlow soll ihn mit dem Dampfer holen. Doch je weiter diese Reise auf dem Fluss führt, hinter dessen Ufern sich der dunkle, unwegsame Dschungel ausbreitet, desto dunkler werden auch die Eindrücke, die Marlow nicht nur in der Natur, sondern auch im menschlichen Verhalten sammelt. Thema und Genre Diese Erzählung, 1899 zunächst als Serie in einem Magazin veröffentlicht, 1902 als Buch, ist eine kritische Auseinandersetzung mit dem europäischen Kolonialismus im späten neunzehnten Jahrhundert, der damit verbundenen Menschenverachtung und Grausamkeit gegenüber den ursprünglich dort lebenden Menschen und ihre Ausbeutung. Charaktere Neben einem namenlosen Ich-Erzähler der Rahmenhandlung ist es der Seemann Charlie Marlow, der seine eindrücklichen Erlebnisse auf seiner Reise zu einer abgelegenen Handelsstation schildert. Doch im Mittelpunkt seiner Geschichte steht Kurtz als zunächst omnipräsenter Schatten. Handlung und Schreibstil Der Seemann Charlie Marlow schildert Erlebnisse, Erfahrungen und auch Eindrücke, die ihn auch heute noch verfolgen. Chronologisch erzählt er von dieser abenteuerlichen Reise auf dem Kongo, beschreibt seine vielseitigen Gedanken über die Eindrücke der ihm fremden Natur und über den ihm vorerst noch unbekannten Agenten Kurtz, der ein besonderer Mensch sein soll. Auch diese Geschichte des Schriftstellers Joseph Conrad hat autobiografische Hintergründe, seine Erfahrungen aus seiner aktiven Zeit bei der französischen und britischen Handelsmarine und vor allem die Erlebnisse seiner Kongo-Reise als Kapitän eines kleinen Dampfbootes. Diese Ausgabe ist neu als Penguin Edition der Klassiker erschienen und in der editorischen Notiz am Buchende wird begründet, warum man die Sprache nicht unserem heutigen Verständnis angepasst hat, sondern die deutsche Übersetzung in der Sprache der ursprünglichen englischen Originalausgabe belassen hat. Dem kann ich persönlich nur zustimmen, denn Klassiker sind immer auch zeitlos gültige Dokumente der Zeit, in der sie verfasst wurden. Fazit Die Romane und Erzählungen von Joseph Conrad zählen zu den wichtigsten Werken der englischen Literatur des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Diese Erzählung, längst ein Klassiker, war 1899 einerseits einer der ersten Beiträge zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Kolonialismus, gleichzeitig ist es ein spannend zu lesender Abenteuerroman.
Der polnisch-englische…
MaWiOr aus Halle am 26.10.2022
Bewertungsnummer: 2784804
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Der polnisch-englische Schriftsteller Joseph Conrad (1857-1924) gilt als einer der bedeutendsten Schriftsteller des 19. Jahrhunderts. Er unternahm zahlreiche Reisen durch das britische Kolonialsystem und verarbeitete die Erlebnisse und Erfahrungen in zahlreichen Romanen und Erzählungen. 1890 war Conrad in den Kongo gereist, ein knappes Jahrzehnt später entstand der Roman „Herz der Finsternis“ in knapp zwei Monaten, einem wahren Schreibrausch. Der Roman ist der Bericht des Erzählers Marlow, der das Kommando auf dem schäbigen Flussdampfer einer belgischen Handelsgesellschaft hat. Er schildert seine Fahrt auf dem Kongo ins Herz Afrikas und ins Herz der Finsternis. Denn es ist auch eine Reise an die finstersten Orte der menschlichen Seele. Hier erlebt er gnadenlose, unverhohlen kommerziell motivierte Ausbeutung der Eingeborenen. Der weiße Eroberer und grausame Despot Kurtz regiert gottgleich und mit einer Brutalität, die Marlow erschreckend findet. Joseph Conrad prangert in seinem Roman die Gier und Grausamkeit der Kolonialisten an. Jetzt ist das düstere Meisterwerk als preiswertes Taschenbuch in der kultigen Penguin Edition erschienen.
Meinung aus der Buchhandlung
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Zucker. Kautschuk. Gold. Diamanten. Im Jahre 1890 verfrachteten die Belgier Unmengen von Reichtümern nach Europa. Die Kongolesen mussten dafür bluten und schuften. Millionen von Menschen starben unter der belgischen Kolonialherrschaft. In Europa bekam davon kaum jemand mit, denn die Belgier hielten ihre Kolonie auf dem afrikanischen Kontinenten unter Verschluss.
Bis Joseph Conrad im Jahre 1890 das Dampfschiff Roi des Belges betrat. Während seiner Reise dokumentierte er den schrecklichen Terror mit den Worten "Das Grauen! Das Grauen!". Später veröffentlichte er seine Beobachtungen für die breite Masse in seinem Roman "Herz der Finsternis". Conrad war ein Vorreiter des kritischen Journalismus und einer der ersten Europäer, der die Verbrechen der Kolonialmächte thematisierte und publik machte.
Man muss sich beim Lesen des Buches bewusst machen, dass Conrad ein Geist seiner Zeit war. Er reflektierte zwar die Verbrechen, nicht aber seine eigenen teils rassistischen Ansichten afrikanischen Menschen gegenüber.
Dennoch ist Herz der Finsternis ein wichtiger Klassiker, von dem sich spätere Schriftsteller, unter anderem George Orwell, inspirieren ließen.
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