Auf dem Bahnhof in einer abgelegenen Provinzstadt wird eine Bombe gefunden. Ein Lehrer glaubt auf einem Fahndungsfoto seinen Lieblingsschüler Daniel zu erkennen, der sich nach einer Israel-Reise in religiöse und politische Phantastereien verrennt. Ist Daniel dem amerikanischen Endzeitprediger verfallen, der eines Tages in ihrem Ort aufgetaucht war und dann nach Jerusalem ging? Oder hat ein gemeinsamer Sommer den Jungen auf Abwege geführt, als der Lehrer und Daniel ganze Tage außerhalb der Zeit verbrachten? Mit seinem bewegenden und spannenden Roman ist Norbert Gstrein auf der Höhe seiner Kunst: ein Roman über Heimat und Exil und über die verhängnisvolle Sehnsucht nach Unschuld und Reinheit.
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Erzählkunst
Marie-Therese Reisenauer aus Wien am 30.07.2013
Bewertungsnummer: 478440
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Irgendwann wurde Gstrein einmal spöttisch als Alpen-Doderer bezeichnet. Nun, was die Opulenz der Werke betrifft, hat er noch einiges aufzuholen. Sonst aber braucht er den Vergleich nicht zu scheuen. Seine Protagonisten, seine Beschreibungen von Fluss und Aulandschaften entfachen ganz großes Kino im Kopf. Die Kunst des Krachens lassen, aber anders als man es als Leser vermeint, beherrscht er ziemlich virtuos. Da wird´s Preise regnen....
Vorsicht Bücher Büchern…
Bories vom Berg aus München am 20.01.2014
Bewertungsnummer: 2708339
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Vorsicht Bücher Büchern scheint in Norbert Gstreins Roman mit seinem bedeutungsschweren Titel eine geradezu magische Rolle zuzukommen, immer wieder liegen sie zufällig irgendwo herum, Dutzende von ihnen werden erwähnt oder es wird darüber gesprochen, ja es werden sogar zwei Romane geschrieben in diesem Plot, einer vom Protagonisten und einer vom Ich-Erzähler. Letzteren Text halten die Leser gerade in den Händen, erklärt uns der Autor. Gefahren drohen, weil manche dieser Bücher so machtvoll werden, dass sie jugendliche Leser auf falsche Fährten führen, ihr Leben unheilvoll beeinflussen. Lädt also ein Deutschlehrer Schuld auf sich, so ist zu fragen, wenn er seinen Schülern gewisse Bücher empfiehlt, sie ihnen sogar aus seiner eigenen Bibliothek zur Verfügung stellt? Und damit dann womöglich Entwicklungen heraufbeschwört, die sich im Nachhinein als durchaus unheilvoll erweisen können? Es ist seine «Ahnung vom Anfang», die auf ihn wartende typisch bürgerliche Biografie nämlich, die den jungen Helden dieses Romans zu seiner Flucht ins Irreale treibt. In der Rolle eines Zauberlehrlings, der die Geister, die er rief, nicht mehr zu bändigen weiß, glaubt sich der personale Erzähler zu befinden mit seinem hochintelligenten Schüler Daniel. Zwischen beiden besteht eine vermutlich nicht ausgelebte homoerotische Verbindung, der Autor lässt den Leser da im Dunkeln in bester Thomas-Mann-Tradition, und das ist gut so, um mit Klaus Wowereit zu sprechen, denn es gehört einfach nicht zum Thema. Daniel nämlich mit seiner angelesenen skeptischen Weltsicht gerät in die Fänge zweier Seelenretter. Zunächst ist da ein missionarischer Religionslehrer, der ihn während einer Israel-Reise zu einer naiven Religiosität bekehren will, später wird er dann auch noch von einem fanatischen amerikanischen Endzeitprediger quasi einer Gehirnwäsche unterzogen. Er wandelt sich zum nicht mehr ernst zu nehmenden Sonderling, ist von der Vernunft her kaum noch ansprechbar, bricht sein Mathematik-Studium ab, seine Handlungen werden immer unverständlicher, er verschwindet monatelang, ohne zu sagen wohin. Man traut ihm schließlich sogar eine Bombendrohung zu, die beschauliche Tiroler Kleinstadt ist in heller Aufregung deswegen. Sogar sein ehemaliger Deutschlehrer wird scheel angesehen, gerät in den Verdacht der Komplizenschaft. Der psychologisch bewanderte Polizist des Ortes erweist sich als erstaunlich kompetent in terroristischen Denkweisen, die in der Zerstörung einen Weg suchen, ihre Ideen bekanntzumachen, ihre Ideale durchzusetzen. Auch der Ich-Erzähler driftet in diesem tiefsinnigen Roman immer weiter aus der Realität hinaus, erzählt, am Schüler Daniel gespiegelt, seine eigene Geschichte, die kaum weniger realitätsfern erscheint. Die zwei Handlungsstränge sind eng miteinander verwoben, in beiden gibt es Selbstmorde, Bedrohliches, Trennungen, Scheitern. Die Zusammenhänge bleiben aber mehr oder weniger undeutlich, sind teilweise nur zu ahnen, eine recht unscharfe Erzähllinie des Autors, die nicht jedermanns Sache sein dürfte, auch wenn es, in Maßen, spannend bleibt. Die überaus ambitionierte Thematik wird sprachlich perfekt umgesetzt in diesem Roman, seine Figuren sind klar gezeichnet, allzu viel Empathie können sie allerdings nicht wecken beim Leser. Der skeptische, eher distanzierte und völlig humorfreie Erzählstil des Autors lässt leider keine wirkliche Lesefreude aufkommen. Dafür erfreut die Lektüre durch ihren geistigen Tiefgang umso mehr, regt zum Nach- und Weiterdenken an mit einer Thematik, die schließlich jeden von uns ganz persönlich betrifft. Unwillkürlich ist man zum Vergleich mit dem eigenen Lebensweg gedrängt und mit den Umständen, die an seinem Anfang vorlagen, und dass wir vielleicht sogar schon so etwas wie eine Ahnung davon hatten.
Meinung aus der Buchhandlung
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Auf dem Bahnhof einer abgelegenen Provinzstadt wird eine Bombe entdeckt. Ein Lehrer glaubt auf dem Fahndungsfoto seinen Lieblingsschüler Daniel vor 10 Jahren zu erkennen, der besonders intelligent und begabt war. Gedanklich begibt er sich auf Indiziensuche und reflektiert über den Sommer damals, als der Schüler an seiner Mühle am See aufgetaucht ist und sie Gespräche über Gott und die Welt führten ... Oder ist Daniel dem amerikanischen Endzeitprediger verfallen, der ins Nachbarhaus eingezogen ist? Subjektiv reflektiert und mutmaßt der Lehrer auf grandiose, sprachlich elegante, durchaus packende Art.
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