Cedrics Alltag ist ein Scherbenhaufen. Kaum bricht die Dunkelheit herein, ertrinkt er in Ängsten. Sie kreisen um eine Ruine, Gestank und einen gesichtslosen Fremden. Er kittet die Bruchstücke seiner Existenz mit der Flucht in eine Zweckbeziehung und abrufbarem Sex, ohne dem Chaos länger als wenige Augenblicke zu entkommen. Erst der junge Landstreicher Mika, der durchnässt und barfuß in sein Leben stolpert, schenkt ihm Momente voll Geborgenheit und Frieden. Sie zersplittern wie Glas, als Mika von einer Nacht erzählt, die neun Jahre zurückliegt.
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Dana
4/5
01.01.2017
Buch (Taschenbuch)
gefangen zwischen Angst und Schuld
Cedric ist gefangen in seinen Angstzuständen. Sobald es dunkel wird, nimmt ihn die Panik gefangen. Das einzige, was ihm scheinbar hilft, ist Sex. Doch die Ruhe ist trügerisch und hält nicht lange an. Als er in die Nähe des Ortes zurück kehrt, der sein Leben zu einem Scherbenhaufen gemacht hat, trifft er auf Mika, der auf eine unerwartete Weise mit seinem Schicksal verbunden ist.
Wer die Geschichten von S.B. Sasori kennt, der wird keine seicht dahin plätschernde Handlung erwarten, denn die bekommt man als Leser auch nicht. Der Schreibstil ist sehr klar, direkt und oft schonungslos ehrlich. Keine geschönten, verblümten Umschreibungen für Dinge, die einfach auf den Punkt gebracht gehören.
Cedrics Leben ist schwierig, sobald die Dunkelheit besitzt von der Welt ergreift, nimmt seine Panik ihn gefangen. Daran gibt es nicht viel schön zu reden, denn der Zustand ist wirklich schrecklich. Auch seine Zweckbeziehung mit Sex auf Kommando hilft ihm nur bedingt weiter. Er schafft es zwar so, für den Moment durchzuhalten, doch eine Dauerlösung ist es nicht. In diesen Passagen ist auch deutlich spürbar, dass der Akt nicht viel mit Liebe, Leidenschaft und Hingabe zu tun hat. Es dient einem klar festgelegten Zweck, mehr nicht. Liebevoller wird es erst, als Cedrics Leben einen kleinen Lichtblick erfährt, der ihm endlich hinaus aus der Dunkelheit helfen könnte.
Einige Szenen waren mir persönlich schon fast zu extrem. Cedric und auch Mika sind wirklich speziell, mit sehr eigenen Vorlieben, die sie nicht hinterm Berg halten. Ich finde es gut, dass die Charaktere sein dürfen, wie sie sind, mit allen Ecken, Kanten, Ängsten, Zwängen und eben auch seltsamen Vorlieben. Trotzdem muss man ja nicht jede Ansicht persönlich teilen.
Durch die Perspektivwechsel hat man als Leser einen Wissensvorsprung und kann die Figuren dabei begleiten, wie sie selbst hinter die Geheimnisse kommen, die ihr gegenüber verbirgt. Gleichzeitig kann man sowohl in das Leben von Mika, als auch in das von Cedric einen Blick werfen. Beide jungen Männer sind geprägt und gezeichnet von ihrem Schicksal, beide auf ganz verschiedene Weise und doch beide für jedermann sichtbar. Doch hinter ihren Fassaden versteckt sich noch viel mehr, als man auf den ersten Blick sehen kann.
Eine sehr aufwühlende, teilweise düstere Geschichte mit Tiefgang. Auch wenn es mir an einigen Stellen ein wenig zu viel war, finde ich es immer wieder faszinierend, wie S.B. Sasori es schafft, die Gedanken und Gefühle so klar auf den Punkt zu bringen.
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