Die renommierte Bostoner Psychologin Diandra Warren lebt in Angst. Man hat gedroht, ihrem Sohn etwas anzutun. Die Drohung trägt die Handschrift der Mafia – nur hat die mit der Sache nachweislich nichts zu tun. Als Kenzie & Gennaro zu ermitteln beginnen, überschlagen sich die Ereignisse; ein Mord nach dem anderen geschieht. Alle Spuren führen zu einem Serienkiller, der seit Jahren im Gefängnis sitzt – und tief in Patrick Kenzies eigene Vergangenheit.
Kundinnen und Kunden meinen
3.7/5.0
Manfred Fürst
aus Kirchbichl
5/5
23.03.2020
Buch (Taschenbuch)
Hochklassiger Thriller, grandiose Schreibkunst
„Dunkelheit, nimm meine Hand“ (früher: „Absender unbekannt“, original „Darkness Take My Hand“) ist der zweite Band in der Kenzie/Gennaro-Reihe von Dennis Lehane.
Sofern man das Detektivpärchen Kenzie & Gennaro bereits kennt, ist der Leser nach den ersten Seiten sofort wieder in der gewohnten angenehmen Lesestimmung. Wohltuend die köstlichen Dialoge zwischen Patrick und Angela, witzig schlagfertig ironisch mit Charme, aber nie dumpf und verletzend.
Patrick schaut Grace anders an als andere Frauen, heiratet er sie? Nur Angela weiß es besser.
„…ein Feuer muss man in den unteren Etagen löschen, sonst gerät es außer Kontrolle…“ sagte der Bostoner Feuermann Kenzie, Vater von Patrick und Anführer einer Nachbarschafts-Bürgerwehr vor 25 Jahren. Metaphorisch mag dieser Satz vielleicht der Auslöser einer unglaublichen Mordserie zu verstehen sein, die an Grausamkeit, List und Tücke kaum zu überbieten ist und unendlichen Schmerz und Verlust bringt.
Angela Gennaro legt einen glanzvollen Auftritt hin, indem sie Fat Freddy (Bostoner Mafioso) die Mafia-Rangordnung erklärt: Imbruglias – Moliachs – Patrisos (Großvater von Angela).
„…nach und nach kam ein Puzzelteil nach dem anderen zusammen, doch immer ergab das Ganze kein Bild.“ (Zitat S. 329). Das ist das Grundschema von Lehanes Erzählstil, dem Leser verschieden Ausgänge anbieten, die sich immer wieder als Sackgassen herausstellen und damit bis zum Finale die Spannung hochhält.
Der Hauptteil der Handlung spielt Mitte der Neunzigerjahre in Boston, aber die Vorgeschichte reicht 25 Jahre zurück in die Jugendzeit von Patrick und seiner Nachbarschaft.
Bewertung
aus Oberursel
5/5
04.05.2025
eBook (ePUB 3)
cooler Thriller aus den 90ern
Die Reihe um das Bostoner Ermittlerduo Patrick Kenzie und Angela Gennaro ist schon in den 90ern erschienen („Darkness Take My Hand“ stammt aus 1996), und ich habe einige Bücher der Reihe damals im Original gelesen und verschlungen. Einige Bände habe ich die letzten Jahre auch auf deutsch gelesen; und freue mich, jetzt diesen hier zu haben. Vorab, es ist egal, in welcher Reihenfolge man die Bücher liest, die jeweiligen Fälle stehen immer im Vordergrund, und auch wenn man immer wieder im Groben auf die gleiche Cast trifft, macht nichts – alles was man an privaten Dingen über die Personen wissen muss, wird jedes mal neu erzählt, und wie gesagt, wichtig ist immer der Fall. Sehr sympathisch, finde ich.
Hier nun werden Kenzie und Gennaro von einer Psychologin engagiert; Diandra Warren. Seit man ihr ein Foto ihres Sohnes gesendet hat mit einer kurzen Drohung, lebt sie in Angst um ihn. Sieht ganz nach mafiöser Drohung aus, aber nachdem Gennaro und Kenzie den lokalen Mob überprüft haben, steht fest: diese waren es nicht.
Kurz darauf geschehen im Umfeld der beiden weitere sehr üble Todesfälle, und nein, auch hier keine Mafia, die die Hand im Spiel hatte – es zeigen alle Anzeichen auf einen Serienkiller, der seit Jahren im Gefängnis sitzt, und der Kenzie sehr genau zu kennen scheint.....
Der Klappentext ist hier tatsächlich mal sehr aussagekräftig, und mehr zum Plot zu verraten, grenzt an spoilern; ich halte mich also mal zurück ;-)
Geschrieben ist der Roman in der Ich-Perspektive; in Patricks Ich-Perspektive. Wir sind also bei den Ermittlungen immer ganz nah dran. Und da Patrick pragmatisch und lakonisch und mit sehr viel schwarzem Humor gesegnet ist, ist diese Reihe auch recht vergnüglich zu lesen. Cozy Crime ist dies aber nicht, ganz im Gegenteil, hier kommen echt mal wieder hartgesottene Krimi- und Thrillerfans auf ihre Kosten. Knapp 600 Seiten ein echt cooler, sehr intelligent geplotteter Thriller; mit einigen unerwarteten Twists, und extrem viel Action und Spannung. Und Härte. Wenn ich aktuelle Krimis / Thriller mit denen aus den 80ern und 90ern vergleiche, muss ich immer wieder sagen: damals war alles eine Nummer knackiger und härter. Lehane nimmt wenig Rücksicht auf zarte Gemüter, und Triggerwarnungen sucht man hier vergeblich. Die Ermittler sind cool, die Fälle noch cooler. Ein psychotischer Serienkiller ist ein psychotischer Serienkiller, und ob er eine schwere Kindheit hatte oder nicht – wen interessiert es? Boston meets Schweigen der Lämmer, und man hat als Leser starke Nerven – oder man hat keine Freude hieran :-)
Ich mag die Kenzie und Gennaro, und vor allem Angela hat es mir angetan. Eine smarte, toughe Lady, mit der man es sich besser nicht verscherzen sollte; und die doch auch ihre ruhigen und tiefgründigen Seiten hat.
Also, man merkt, ich war begeistert und gefesselt. Außerdem liebe ich ja die „altertümlichen“ Ermittlungsmethoden; Handies gab es noch nicht, und wenn man schnell ein Foto übermitteln wollte, musste dieses gefaxt werden (und feierte das als State of the Art ;-) ). Ach ja, welch nette Reminiszenzen...
Mein Fazit: Definitive Empfehlung an alle Thrillerfans!
Ich bedanke mich beim Diogenesverlag für das geniale Buch!
Buchstabenfestival
aus Deutschland
1/5
18.11.2024
Buch (Taschenbuch)
Ich bin überrascht, wie…
Ich bin überrascht, wie unterschiedlich die Bücher von Dennis Lehane auf mich gewirkt haben. Während ich "Sekunden der Gnade" richtig gut und fesselnd fand, konnte mich dieses Buch leider nicht abholen. "Dunkelheit, nimm meine Hand" wurde bereits 1996 geschrieben und in diesem Jahr neuaufgelegt. Am Anfang konnte ich immer wieder schmunzeln, da Wörter wie Münztelefon und 3,5 Zoll Disketten auftauchten und die Ermittelnden für Recherchezwecke in die Bibliothek gehen mussten. Für mich unterhaltsam, aber nicht ausreichend für einen Krimi, der in einem rauen Viertel spielte. Die Geschichte hat sich leider nicht flüssig gelesen. Es holperte und ruckelte ordentlich und immer wieder musste ich an die 70iger Jahre Krimiserien denken, die auch oft hölzern wirkten. Die Handlung war zäh, obwohl die Morde und der bedrückende Inhalt für Spannung sorgen sollte, schlich sie durch die Seiten und ermüdete mich beim Lesen. Ich bin zwischendurch auf das Hörbuch umgestiegen, aber dadurch wurde das abgehakte Erzählen nur noch offensichtlicher. Weder die Charaktere noch die Handlung konnten mich überzeugen, so dass ich nach gut 250 Seiten aufgegeben habe. Schade, aber trotzdem würde ich ein aktuelles Buch von Dennis Lehane wieder zur Hand nehmen.
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