Köln 1945: Kurz vor Kriegsende flieht Antonia von Brelow von ihrem Landgut in Preußen ins einstmals prachtvolle Stadthaus der Familie in Köln. Um Geld zu verdienen, sieht sie sich gezwungen, Zimmer des Hauses zu vermieten. So bildet sie schließlich eine Gemeinschaft mit der Tänzerin Elisabeth, der Krankenschwester Katharina, dem Arzt Georg und ihrem intriganten Schwager Richard. Alle Bewohner des Hauses haben eine Vergangenheit, von der sie niemandem erzählen. Doch das größte Geheimnis hütet Antonia selbst: die Identität des Vaters ihrer kleinen Tochter Marie. Gemeinsam mit Georg, zu dem sie sich immer stärker hingezogen fühlt, tritt Antonia schließlich eine Reise zum dunkelsten Punkt in ihrem Leben an ...
Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
Bewertung
5/5
19.06.2018
eBook (ePUB)
Eine Wohngemeinschaft nach dem 2. Weltkrieg
Auf dieses Buch Nora Elias bin ich erst im April diesen Jahres bei der Preisverleihung der DELIA-Liebesromantage aufmerksam geworden. Vorher ist mir dieses Buch durchgerutscht, obwohl es eigentlich genau meinem Lesegeschmack entspricht. Aber da sieht man einmal mehr, dass auch Buchhändler von Covern und Klappentexten angesprochen werden, oder eben auch nicht. Mir gefiel der Klappentext nicht. Er hörte sich so banal an.
Doch dann kam alles anders. Die Autorin, die übrigens noch unter zwei weiteren Namen erfolgreich Bücher schreibt, hat nämlich in diesem Jahr die DELIA für den besten deutschsprachigen Liebesroman des Vorjahres gewonnen. Nun können Sie natürlich sofort sagen „Ach, ein Liebesroman“. Mundwinkel runter. Aber täuschen Sie sich da mal nicht! Nachdem die jeweiligen Autoren ihren Preis erhalten haben, lesen sie dem Publikum ein wenig aus dem prämierten Buch vor. Und das, als auch die Begründung der Jury, warum sie dieses Buch als Sieger gekürt haben, haben mich neugierig auf das Buch gemacht. Und es ist eben keine banale, seichte Liebesgeschichte. Bei diesem Buch zeigt sich einmal mehr, dass wir uns von solchen Begriffen nicht in die Irre führen lassen dürfen! Denn was ist eine Liebesgeschichte? Eine Liebebeziehung zwischen Mann und Frau, oder Frau und Frau, oder Mann und Mann? Oder Liebe zwischen Eltern und Kind? Oder, oder, oder?
Nora Elias erzählt in ihrem Buch die Geschichte von einer Wohngemeinschaft, die aus der Not geboren wurde. In dem vormals etwas besseren Kölner Stadtteil Marienburg steht die Villa der Familie von Brelow. Bis auf fehlende Fenster hat sie den Krieg gut überstanden. Die Besitzverhältnisse sind etwas unklar. Darum streiten sich Antonia von Brelow, deren Mann Friedrich der rechtmäßige Besitzer ist, der aber als vermisst gilt, und ihr Schwager Richard von Brelow. Um finanziell besser über die Runden zu kommen, vermietet Antonia Zimmer. Und so ziehen Katharina (von) Falkenburg, eine Krankenschwester, Elisabeth Kant, eine Bauerstochter und der Arzt Dr. Georg Rathenau ebenfalls in die Villa. Eine weitere Hauptperson ist der Journalist Carl von Seidlitz. Wir folgen dem Leben dieser sechs Personen, sowie Antonias Tochter Marie über die Zeit vom Juli 1945 bis zum Juni 1947. Wir erfahren, wie entbehrungsreich und schwierig das Leben in dem zerbombten Köln ist. Jeder Mensch hat so seine Art für sein Leben zu sorgen. Diese sechs erwachsenen Menschen haben natürlich alle eine Vergangenheit, über die sie schweigen. Das größte Geheimnis dieses Romans ist die Herkunft von Marie, Antonias Tochter, die kurz vor Weihnachten 1944 geboren wurde. Zu einem Zeitpunkt, wo Friedrich von Brelow schon vermisst wurde. Folgen Sie dem Leben dieser sechs Menschen. Tauchen Sie ein in eine Zeit, die wir uns heute so gar nicht mehr vorstellen können. Und entdecken Sie nach und nach die Geschichte der einzelnen Bewohner. Ist wirklich immer alles nur schwarz oder weiß?
Mich hat dieser Roman sehr schnell gefangengenommen. Die Autorin schafft es Geschichte greifbar zu machen. Ich hatte zwar sehr schnell eine Ahnung, wie Antonia zu ihrem Kind gekommen ist, aber die ganze Tragweite habe ich dann doch nicht erraten. Das Ende hat mich sehr überrascht. Der Roman ist eine sehr gelungene Mischung aus einem Nachkriegsroman, der diese Zeit sehr bildlich auferstehen lässt, mehrerer tragischer Schicksale, etwas Krimi und durch den intriganten, aber sehr charismatischen Richard von Brelow auch durchaus sehr unterhaltsam. Was er definitiv nicht ist, ist eine banale, seichte Liebesgeschichte.
Bewertung
aus Spelle
5/5
25.12.2017
Buch (Taschenbuch)
Fesselnd
Eindrucksvoll und sehr realitätsnah schildert die Autorin das schwierige Leben im Nachkriegs-Köln. Die Schicksale der Personen im Buch lassen den Leser nicht unberührt und man verfolgt gespannt, wie sich die Dinge entwickeln. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Sehr empfehlenswert.
Martina Meyen
aus Sankt Augustin
5/5
14.11.2017
Buch (Taschenbuch)
Bewegend, dramatisch und wunderschön
Die bewegende Geschichte über die illustre Hausgemeinschaft ist im Nachkriegsköln angesiedelt und thematisiert den hungrigen Alltag und den Versuch, wieder ein bisschen Normalität in diesen zu bringen. Schon nach wenigen Zeilen habe ich mich zu Hause gefühlt und das nicht nur, weil dieser historische Roman mich in das benachbarte Köln führt. Nora Elias hat mich sofort mit ihrem lebendigen Schreibstil bezaubert, der so viel Wärme ausstrahlt aber gleichzeitig schon die Dinge beim Namen nennt. Der Trümmerhaufen Köln wurde dem Feind überlassen - so wird der erste Teil übertitelt und genau das hatte ich beim Lesen vor Augen und es tat mir in der Seele weh. In diesem Trümmerhaufen treffen sich die jungen Leute, die unterschiedlicher nicht sein können bei Antonia und finden sich zu einer Wohngemeinschaft zusammen. Jeder hat sein Päckchen zu tragen und jeden mag ich auf seine Art, selbst Antonias intriganten Schwager Richard.
Nora Elias hat sich einiges einfallen lassen für die bunt zusammengewürfelte Truppe und spannt einen feinen Bogen von Spannung und Tragik. Einige unvorhergesehene Wendungen und auch Erinnerungen an die Vergangenheit ließen mich das eine und andere Mal staunen und gleichzeitig habe ich sehr viel über die ersten Nachkriegsjahre in Köln erfahren. Das hat mich besonders berührt, einfach weil es eben so nah ist.
Aber Nora Elias erzählt mit einer behutsamen Leichtigkeit und macht dieses Buch trotz des ernsten Hintergrundes zu einem sehr angenehmen Leseerlebnis. Natürlich bietet Antonias Haus ein einigermaßen passables Zuhause, das viele andere in dieser Zeit nicht hatten. Aber es war schon eine Kunst, aus nichts etwas zu essen zu zaubern und das Organisieren (der Kölner nannte es Fringsen) wurde sehr anschaulich dargestellt. Auch wenn manches zu glatt lief, sich trotz des Männermangels die eine oder andere Liebesgeschichte anbahnte, war es streckenweise sehr dramatisch und auch fesselnd. Mit dem Ende hat Nora Elias mich dann noch mal richtig überrascht.
Fazit: Ich fand Antonias Tochter einfach nur schön, sehr informativ und trotz des ernsten Hintergrundes war es für mich ein Wohlfühlbuch, das mich für einige Stunden abtauchen ließ.
Bewertung
4/5
26.02.2021
Buch (Taschenbuch)
Anhand der Schicksale der fünf...
Anhand der Schicksale der fünf Hauptpersonen taucht man ein in die Gesellschaft der Nachkriegszeit und erlebt den harten Überlebenskampf hautnah.
TochterAlice
aus Köln
4/5
05.08.2017
Buch (Taschenbuch)
Ich hatte mich so gefreut auf…
Ich hatte mich so gefreut auf dieses Buch, das die unmittelbare Nachkriegszeit in meiner so geschundenen Heimatstadt Köln behandelt, doch war ich zunächst so enttäuscht von diesem Werk, dass ich es am liebsten an die Wand gepfeffert hätte! Ich fühlte mich an die Bücher von Hanni Münzer erinnert, die ihrerseits für mich wieder eine moderne Reinkarnation von Konsalik oder bestenfalls Simmel darstellt. Gottseidank bin ich am Ball geblieben und wurde auch dafür belohnt mit dieser Geschichte, in der sich in den ersten Nachkriegsmonaten eine kleine, zerrissene Schicksalsgemeinschaft bestehend aus drei Frauen und zwei Männer zusammenfindet, als Vorläufer von WGs sozusagen. Naja, eigentlich sind es vier weibliche Wesen, wenn man noch Baby Marie hinzuzählt, die Tochter der Hauseigentümerin Antonia, die sich mit der Kleinen aus Ostpreußen durchgeschlagen hat. Wobei es bereits in dieser Aussage etliche Unstimmigkeiten gibt: ob das Haus, das Erbe ihres gefallenen Mannes Friedrich, ihr tatsächlich zusteht, ist noch gar nicht klar: noch gilt Friedrich als vermisst und seine Verwandten sind nur zu erpicht auf das unbeschädigte Gebäude im Kölner Edelviertel Marienburg. Ja, Köln und seine Viertel - zunächst schien es mir, als ob die Autorin überhaupt nicht hineinfindet in die atmosphärische Schilderung der Stadt und obwohl sie mich bis zum Ende längst nicht vollständig überzeugen konnte, wurde es um einiges besser und einige Besonderheiten wie das kölsche Idiom und der Nachkriegskarneval wurden ganz gut herausgearbeitet. Dennoch hätte man den Lesern die Stadt mit ihrem Lokalkolorit um einiges näher bringen können. Erfreulicherweise tut sich die Autorin erheblich leichter im Beschreiben von Charakteren und im Entwickeln einer teilweise fast kriminalistisch anmutenden, spannungsreichen Geschichte, so dass ich das Buch zeitweise gar nicht aus der Hand legen konnte. Die Geschichte um die Herkunft und um die Zusammenhänge der 5 bzw. 6 Hausbewohner gestaltet sich zu einem aktionsreichen Abenteuer, bei dem eher die Entwicklungen als Sprache und Stil im Vordergrund stehen. Eine überaus passende Urlaubslektüre also für diejenigen, die im Strandkorb gerne mittdenken oder auch mal zum Smartphone greifen, um zu der ein oder anderen Begebenheit ein wenig weiter zu recherchieren.
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