Produktbild: Kleine Hände - großer Profit
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Kleine Hände - großer Profit Kinderarbeit - Welches ungeahnte Leid sich in unserer Warenwelt verbirgt

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Beschreibung

Produktdetails

Format

ePUB

Kopierschutz

Nein

Family Sharing

Ja

Text-to-Speech

Ja

Erscheinungsdatum

13.06.2017

Verlag

Penguin Random House

Seitenzahl

224 (Printausgabe)

Dateigröße

6536 KB

Sprache

Deutsch

EAN

9783641211219

Beschreibung

Rezension

»Ein berührendes Buch, das bedrückt, aber auch Hoffnung macht.«

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ePUB

eBooks im ePUB-Format erlauben eine dynamische Anpassung des Inhalts an die jeweilige Display-Größe des Lesegeräts. Das Format eignet sich daher besonders für das Lesen auf mobilen Geräten, wie z.B. Ihrem tolino, Tablets oder Smartphones.

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Barrierefreiheit

  • keine Information zur Barrierefreiheit bekannt
  • keine Vorlesefunktionen des Lesesystems deaktiviert

Erscheinungsdatum

13.06.2017

Verlag

Penguin Random House

Seitenzahl

224 (Printausgabe)

Dateigröße

6536 KB

Sprache

Deutsch

EAN

9783641211219

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Sehr gutes und wichtiges Buch

Ann-Kathrin Speckmann am 02.02.2021

Bewertungsnummer: 1041652

Bewertet: eBook (ePUB)

Jeder weiß, dass es Kinderarbeit und grottenschlechte Arbeitsbedingungen gibt, aber kaum einer steigt so richtig durch. Das Gewissen lässt sich dadurch bereinigen, dass ja alle die so hergestellten Produkte kaufen und dass es keine Alternativen zu geben scheint. Noch "einfacher" ist es natürlich, wenn man gar nichts von der Kinderarbeit in einem konkreten Produkt weiß: Ich war mir nicht einmal Bewusst, dass Kinder im Steinbruch eingesetzt werden. Teilweise wachsen sie dort auf, ohne jemals eine Schule, einen Spielplatz oder Freiheit zu sehen. Ihre Lebenserwartung beträgt häufig nur knappe 30 Jahre, weil ihr ganzer Körper durch die schwere Arbeit beschädigt wird. In Deutschland sind viele Hochschulabsolventen bei ihrem Berufseinstieg erst 30 Jahre alt. Ich hatte auch keine Ahnung, dass Schlepper indische Kinder massenweise entführen und zur Arbeit an Knüpfstühlen zwingen - von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Teilweise sogar noch länger, wenn sie in Häusern mit elektrischem Lich arbeiten. Die Kinder beginnen diese Tätigkeiten oftmals im 5. Lebensjahr. Genau bei dieser Unwissenheit setzt das Buch an. Zunächst einmal informiert es über die schlimmsten "Arbeitsplätze" für Kinder in Indien. Danach erklärt Benjamin Pütter die Ursachen. Er geht auch auf Gegenmaßnahmen und die Möglichkeiten zu helfen ein. Wie ich schon geschrieben habe, wusste ich bis gestern Morgen kaum etwas über das Thema. Ich hatte zwar schon mal gehört, dass Teppiche von Kindern geknüpft werden, aber mir ehrlich gesagt, kaum Gedanken darüber gemacht, weil ich keine Ahnung hatte, wie groß der deutsche Markt für solche Teppiche ist. Durch meine bisherige Unwissenheit kann ich natürlich nicht sicher sagen, ob alles in dem Buch der Wahrheit entspricht oder ob irgendwelche Stellen zu subjektiv sind. Es wirkt jedoch so, als hätte der Autor ein sehr breites Wissen, viel Erfahrung und eine gute Übersicht. Seine Ausführungen sind sachlich. Er versteckt sich nicht hinter allgemeinen und schwammigen Behauptungen, sondern nennt Namen, konkrete Zahlen und den Hintergrund seiner Recherchen. Er prangert bestimmte Personenkreise an, aber im großen und ganzen versucht er vor allem zu sensibilisieren und zum Umdenken zu bewegen. Wichtig scheint ihm vor allem eine Kernaussage zu sein: Wir können nicht ändern, was geschehen ist, aber wir können die Welt dieser Kinder jetzt verbessern. Hier ein paar Beispiele für Menschen, die etwas ändern können: Die Mitglieder der indischen Regierung, entwerfen zwar tolle Gesetze, setzen diese aber nicht (richtig) um. Indische Beamte sehen für ein paar Rupien einfach weg, wenn Kinder entführt, verletzt, missbraucht und ausgebeutet werden. Schlepper "kaufen" Eltern unter falschen Versprechungen die Kinder ab. Teilweise machen sie sich nicht einmal diese Mühe und entführen die billigen Arbeitskräfte einfach aus ihrem Dorf. Eltern überlassen ihre Kinder den Schleppern oder beziehen sie in die eigene Arbeit ein. Die Regierung muss ein besseres Bildungssystem schaffen und eine Schulpflicht durchsetzen, damit nicht die Kinder von den Kindearbeitern ebenso schuften müssen wie ihre Eltern. Das klappt aber nur, wenn Lehrer auch zur Arbeit erscheinen. Mehr Mitgefühl brauchen die indischen Minenbesitzer und andere Unternehmer, die ihr gesamtes Handeln mit dem Kastensystem rechtfertigen. Das gleiche gilt für die deutschen Unternehmen, die selbst eindeutige Beweise noch leugnen. Unsere Regierung und die EU könnten strengere Einfuhrbestimmungen anordnen. Oder gelten Kinder- und Menschnrechte nur für europäische Kinder? Und nicht zuletzt sind auch wir als Verbraucher gefragt. Es gibt verschiedene Siegel, die nachweisen, dass keine Kinderarbeit schuld ist. Sie werden nur nicht genutzt, weil die Menschen nicht informiert sind. Wir können Hilfsprojekte starten, Geld sammeln und natürlich Boykotte unterstützen. Deshalb müssen Journalisten weiter auf das Thema aufmerksam machen. Die Liste der beteiligten Menschen ist an dieser Stelle noch nicht abgeschlossen und trotzdem schon sehr lang. Viele Personen haben mehr oder weniger gute Gründe, warum sie weiter machen wie bisher und sich nicht in der Verantwortung sehen. Ich kann beispielsweise nachvollziehen, dass jemand, der einen Angehörigen beerdigen muss, nicht unbedingt über Kinderarbeit in Steinbrüchen nachdenkt, wenn er einen Grabstein kauft. Andererseits: Jeder Grabstein erzählt schon mindestens eine traurige Geschichte. Sollen auch noch die unzähligen Geschichten der Kinderarbeiter dazukommen, die bei Sprengungen im Steinbruch Körperteile oder sogar ihr Leben verlieren? Geschichten von Kindern, die nie spielen oder lernen dürfen und stattdessen schon vor der Pubertät ihr Gehör verlieren, weil die Maschinen so laut sind? Wenn Du das nicht willst, kannst Du etwas dagegen unternehmen. Genauso wie jeder andere Mensch. Hier liegt die große Stärke des Buches: Der Autor geht auf jede Person in dieser Liste ein. Er macht konkrete Handlungsvorschläge anstatt nur anzuprangern. Er erzählt auch von Menschen, die bereits fantastische Arbeit geleistet haben. Und trotz allem bleiben die Kinder im Mittelpunkt. Benjamin Pütter zählt die Probleme in allgemeinen Zahlen und Fakten auf, vergisst dabei aber nicht, die Kinder selbst sprechen zu lassen. Die Mischung ist perfekt. Ich war vor allem am Anfang entsetzt und den Tränen nahe. Ich weiß, das hilft den Kindern auch nicht. Aber sicher ist, dass ich das Thema so schnell nicht vergessen und mich daran erinnern werde, wenn ich irgendwann mal einen Grabstein oder andere in dem Buch genannte Produkte kaufen muss. Dieses Buch sensibilisiert die Leser und regt zum Nachdenken an. Gleichzeitig lässt es sich auch noch fantastisch lesen, weil das Buch gut gegliedert und präzise geschrieben ist. Davon bin ich wirklich beeindruckt, denn Emotionen und diese Massen an Fakten zusammenzubringen war mit Sicherheit sehr schwierig. Man merkt, dass der Autor und weitere Menschen viel Zeit und Mühe in den Text gesteckt haben. "Kleine Hände - grosser Profit" ist ein wichtiges Buch und ich hoffe, dass es noch viele weitere Menschen lesen werden. Denn wer es gelesen hat, kann nicht mehr sagen: "Ich kann ja doch nichts tuen." oder "Das geht mich nichts an. Das ist schließlich die Angelegenheit von Indien!" Nein, das ist es nicht. Wenn ich Geld spare, aber dafür ein indisches Kind leiden muss, dann ist das auch meine Angelegenheit. Ich empfehle dieses Buch JEDEM. Und ich hoffe sehr, dass es etwas verändert.

Sehr gutes und wichtiges Buch

Ann-Kathrin Speckmann am 02.02.2021
Bewertungsnummer: 1041652
Bewertet: eBook (ePUB)

Jeder weiß, dass es Kinderarbeit und grottenschlechte Arbeitsbedingungen gibt, aber kaum einer steigt so richtig durch. Das Gewissen lässt sich dadurch bereinigen, dass ja alle die so hergestellten Produkte kaufen und dass es keine Alternativen zu geben scheint. Noch "einfacher" ist es natürlich, wenn man gar nichts von der Kinderarbeit in einem konkreten Produkt weiß: Ich war mir nicht einmal Bewusst, dass Kinder im Steinbruch eingesetzt werden. Teilweise wachsen sie dort auf, ohne jemals eine Schule, einen Spielplatz oder Freiheit zu sehen. Ihre Lebenserwartung beträgt häufig nur knappe 30 Jahre, weil ihr ganzer Körper durch die schwere Arbeit beschädigt wird. In Deutschland sind viele Hochschulabsolventen bei ihrem Berufseinstieg erst 30 Jahre alt. Ich hatte auch keine Ahnung, dass Schlepper indische Kinder massenweise entführen und zur Arbeit an Knüpfstühlen zwingen - von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Teilweise sogar noch länger, wenn sie in Häusern mit elektrischem Lich arbeiten. Die Kinder beginnen diese Tätigkeiten oftmals im 5. Lebensjahr. Genau bei dieser Unwissenheit setzt das Buch an. Zunächst einmal informiert es über die schlimmsten "Arbeitsplätze" für Kinder in Indien. Danach erklärt Benjamin Pütter die Ursachen. Er geht auch auf Gegenmaßnahmen und die Möglichkeiten zu helfen ein. Wie ich schon geschrieben habe, wusste ich bis gestern Morgen kaum etwas über das Thema. Ich hatte zwar schon mal gehört, dass Teppiche von Kindern geknüpft werden, aber mir ehrlich gesagt, kaum Gedanken darüber gemacht, weil ich keine Ahnung hatte, wie groß der deutsche Markt für solche Teppiche ist. Durch meine bisherige Unwissenheit kann ich natürlich nicht sicher sagen, ob alles in dem Buch der Wahrheit entspricht oder ob irgendwelche Stellen zu subjektiv sind. Es wirkt jedoch so, als hätte der Autor ein sehr breites Wissen, viel Erfahrung und eine gute Übersicht. Seine Ausführungen sind sachlich. Er versteckt sich nicht hinter allgemeinen und schwammigen Behauptungen, sondern nennt Namen, konkrete Zahlen und den Hintergrund seiner Recherchen. Er prangert bestimmte Personenkreise an, aber im großen und ganzen versucht er vor allem zu sensibilisieren und zum Umdenken zu bewegen. Wichtig scheint ihm vor allem eine Kernaussage zu sein: Wir können nicht ändern, was geschehen ist, aber wir können die Welt dieser Kinder jetzt verbessern. Hier ein paar Beispiele für Menschen, die etwas ändern können: Die Mitglieder der indischen Regierung, entwerfen zwar tolle Gesetze, setzen diese aber nicht (richtig) um. Indische Beamte sehen für ein paar Rupien einfach weg, wenn Kinder entführt, verletzt, missbraucht und ausgebeutet werden. Schlepper "kaufen" Eltern unter falschen Versprechungen die Kinder ab. Teilweise machen sie sich nicht einmal diese Mühe und entführen die billigen Arbeitskräfte einfach aus ihrem Dorf. Eltern überlassen ihre Kinder den Schleppern oder beziehen sie in die eigene Arbeit ein. Die Regierung muss ein besseres Bildungssystem schaffen und eine Schulpflicht durchsetzen, damit nicht die Kinder von den Kindearbeitern ebenso schuften müssen wie ihre Eltern. Das klappt aber nur, wenn Lehrer auch zur Arbeit erscheinen. Mehr Mitgefühl brauchen die indischen Minenbesitzer und andere Unternehmer, die ihr gesamtes Handeln mit dem Kastensystem rechtfertigen. Das gleiche gilt für die deutschen Unternehmen, die selbst eindeutige Beweise noch leugnen. Unsere Regierung und die EU könnten strengere Einfuhrbestimmungen anordnen. Oder gelten Kinder- und Menschnrechte nur für europäische Kinder? Und nicht zuletzt sind auch wir als Verbraucher gefragt. Es gibt verschiedene Siegel, die nachweisen, dass keine Kinderarbeit schuld ist. Sie werden nur nicht genutzt, weil die Menschen nicht informiert sind. Wir können Hilfsprojekte starten, Geld sammeln und natürlich Boykotte unterstützen. Deshalb müssen Journalisten weiter auf das Thema aufmerksam machen. Die Liste der beteiligten Menschen ist an dieser Stelle noch nicht abgeschlossen und trotzdem schon sehr lang. Viele Personen haben mehr oder weniger gute Gründe, warum sie weiter machen wie bisher und sich nicht in der Verantwortung sehen. Ich kann beispielsweise nachvollziehen, dass jemand, der einen Angehörigen beerdigen muss, nicht unbedingt über Kinderarbeit in Steinbrüchen nachdenkt, wenn er einen Grabstein kauft. Andererseits: Jeder Grabstein erzählt schon mindestens eine traurige Geschichte. Sollen auch noch die unzähligen Geschichten der Kinderarbeiter dazukommen, die bei Sprengungen im Steinbruch Körperteile oder sogar ihr Leben verlieren? Geschichten von Kindern, die nie spielen oder lernen dürfen und stattdessen schon vor der Pubertät ihr Gehör verlieren, weil die Maschinen so laut sind? Wenn Du das nicht willst, kannst Du etwas dagegen unternehmen. Genauso wie jeder andere Mensch. Hier liegt die große Stärke des Buches: Der Autor geht auf jede Person in dieser Liste ein. Er macht konkrete Handlungsvorschläge anstatt nur anzuprangern. Er erzählt auch von Menschen, die bereits fantastische Arbeit geleistet haben. Und trotz allem bleiben die Kinder im Mittelpunkt. Benjamin Pütter zählt die Probleme in allgemeinen Zahlen und Fakten auf, vergisst dabei aber nicht, die Kinder selbst sprechen zu lassen. Die Mischung ist perfekt. Ich war vor allem am Anfang entsetzt und den Tränen nahe. Ich weiß, das hilft den Kindern auch nicht. Aber sicher ist, dass ich das Thema so schnell nicht vergessen und mich daran erinnern werde, wenn ich irgendwann mal einen Grabstein oder andere in dem Buch genannte Produkte kaufen muss. Dieses Buch sensibilisiert die Leser und regt zum Nachdenken an. Gleichzeitig lässt es sich auch noch fantastisch lesen, weil das Buch gut gegliedert und präzise geschrieben ist. Davon bin ich wirklich beeindruckt, denn Emotionen und diese Massen an Fakten zusammenzubringen war mit Sicherheit sehr schwierig. Man merkt, dass der Autor und weitere Menschen viel Zeit und Mühe in den Text gesteckt haben. "Kleine Hände - grosser Profit" ist ein wichtiges Buch und ich hoffe, dass es noch viele weitere Menschen lesen werden. Denn wer es gelesen hat, kann nicht mehr sagen: "Ich kann ja doch nichts tuen." oder "Das geht mich nichts an. Das ist schließlich die Angelegenheit von Indien!" Nein, das ist es nicht. Wenn ich Geld spare, aber dafür ein indisches Kind leiden muss, dann ist das auch meine Angelegenheit. Ich empfehle dieses Buch JEDEM. Und ich hoffe sehr, dass es etwas verändert.

Leider nach wie vor aktuell

Sikal am 03.11.2017

Bewertungsnummer: 1058739

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

„Sadanands Körper ist mit Narben übersät. Der 13-jährige musste im indischen Mirzapur als Sklave in der Teppichindustrie arbeiten, täglich 16 bis 20 Stunden, fast ohne Pause und ohne ausreichend Essen. Wenn er während der Arbeit einschlief, wurde er von seinem Arbeitgeber heftig geschlagen, einmal sogar mit einem Nagelbrett. Schließlich konnte er fliehen.“ Unzählige solcher Einzelschicksale weiß Benjamin Pütter zu berichten. Der Kinderarbeitsexperte war in den letzten 30 Jahren unzählige Male in Indien, hat dort viele Kinder, die unter sklavenähnlichen Bedingungen ihr Leben fristen, aufgespürt, interviewt und oftmals befreit. Er sammelte Beweismaterial, machte mobil gegen diverse Industriezweige, informierte die Öffentlichkeit, appellierte an die Moral der Konsumenten – denn jeder von uns wurde bereits zum Unterstützer von Kinderarbeit. Diese ist weit verzweigt, wenngleich der Autor hier den Schwerpunkt auf Indien legt, welches einerseits das Land mit den meisten Kinderarbeitern ist und andererseits natürlich vom Autor durch seine Erfahrungen am besten analysiert werden kann. Püttner gibt uns hier einen Einblick in ein System, welches so unglaublich ist, dass man nur den Kopf schütteln möchte. Gesellschaftliche Unterschiede durch ein Kastensystem, welches in den Köpfen der Menschen so dermaßen tief verankert ist, dass es nicht scheint, hier bald eine Änderung zu erwirken. Kastenlose Kinder dürfen z.B. nicht in Dorfschulen unterrichtet werden, damit das allgemeine Bildungsniveau nicht sinkt. Somit wird der Grundstock für die Zukunft dieser Kinder gelegt, die aus ihrer Armut nicht ausbrechen können. Kinder werden den Eltern teilweise abgekauft, teilweise auch entführt oder müssen die Schulden ihrer Eltern abarbeiten. Mit welchen Argumenten oder welchem Druck hier gearbeitet wird, ist erschreckend. Diese Kinder haben keine Chance – und deren Eltern ebenso wenig. Unterschiedliche Produktionsbereiche werden vorgestellt, in denen Kinderarbeit vermehrt eingesetzt wird. Ein großer Teil des Buches widmet sich hier der Teppichindustrie, der Natursteinindustrie, ebenso dem Wickeln von Räucherstäbchen oder gar der Waffenproduktion. Vor allem in diesen Industriezweigen werden Kinder unter furchtbaren Bedingungen ausgebeutet, misshandelt und ihrer Würde beraubt, um den westlichen Konsumgesellschaften Produkte anbieten zu können, deren Herkunft man besser nicht hinterfragt, wenn man weiterhin ohne schlechtes Gewissen schlafen möchte. Doch nicht nur der Westen trägt einen großen Teil zur Förderung der Kinderarbeit bei, ebenso stehen in Indien Korruption, Illegalität und Drohungen an der Tagesordnung. So mancher Gesetzesvertreter steht auf der Gehaltsliste eines Steinbruchbesitzers – wer sollte denn da noch in den Betrieben ermitteln? Und sobald eine Schiefertafel an der Wand hängt, der Betrieb somit als „Ausbildungsbetrieb“ gekennzeichnet ist, verliert sich die Illegalität. Benjamin Püttner lässt uns trotzdem nicht ganz hoffnungslos zurück, gibt uns in einem Kapitel über diverse Siegel eine Möglichkeit, Produkte aus unabhängigen Prüfungen zu erkennen und diese vorzuziehen. Das Buch analysiert unmögliche Zustände, gibt einen Einblick in ein Tabu-Thema, welches uns alle angeht, nimmt Politik und Gesellschaft in die Pflicht, ein Umdenken anzustreben und zeigt Wege auf, aus dieser Spirale auszubrechen. „Die Menschenrechte sind unteilbar und gelten daher für Kinder in Indien, Pakistan, Ghana oder Bolivien in gleicher Weise wie für Kinder in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Und so wie es selbstverständlich ist, dass es bei uns keine Kinderarbeit gibt, so muss dies auch selbstverständlich werden für alle Kinder dieser Welt.“

Leider nach wie vor aktuell

Sikal am 03.11.2017
Bewertungsnummer: 1058739
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

„Sadanands Körper ist mit Narben übersät. Der 13-jährige musste im indischen Mirzapur als Sklave in der Teppichindustrie arbeiten, täglich 16 bis 20 Stunden, fast ohne Pause und ohne ausreichend Essen. Wenn er während der Arbeit einschlief, wurde er von seinem Arbeitgeber heftig geschlagen, einmal sogar mit einem Nagelbrett. Schließlich konnte er fliehen.“ Unzählige solcher Einzelschicksale weiß Benjamin Pütter zu berichten. Der Kinderarbeitsexperte war in den letzten 30 Jahren unzählige Male in Indien, hat dort viele Kinder, die unter sklavenähnlichen Bedingungen ihr Leben fristen, aufgespürt, interviewt und oftmals befreit. Er sammelte Beweismaterial, machte mobil gegen diverse Industriezweige, informierte die Öffentlichkeit, appellierte an die Moral der Konsumenten – denn jeder von uns wurde bereits zum Unterstützer von Kinderarbeit. Diese ist weit verzweigt, wenngleich der Autor hier den Schwerpunkt auf Indien legt, welches einerseits das Land mit den meisten Kinderarbeitern ist und andererseits natürlich vom Autor durch seine Erfahrungen am besten analysiert werden kann. Püttner gibt uns hier einen Einblick in ein System, welches so unglaublich ist, dass man nur den Kopf schütteln möchte. Gesellschaftliche Unterschiede durch ein Kastensystem, welches in den Köpfen der Menschen so dermaßen tief verankert ist, dass es nicht scheint, hier bald eine Änderung zu erwirken. Kastenlose Kinder dürfen z.B. nicht in Dorfschulen unterrichtet werden, damit das allgemeine Bildungsniveau nicht sinkt. Somit wird der Grundstock für die Zukunft dieser Kinder gelegt, die aus ihrer Armut nicht ausbrechen können. Kinder werden den Eltern teilweise abgekauft, teilweise auch entführt oder müssen die Schulden ihrer Eltern abarbeiten. Mit welchen Argumenten oder welchem Druck hier gearbeitet wird, ist erschreckend. Diese Kinder haben keine Chance – und deren Eltern ebenso wenig. Unterschiedliche Produktionsbereiche werden vorgestellt, in denen Kinderarbeit vermehrt eingesetzt wird. Ein großer Teil des Buches widmet sich hier der Teppichindustrie, der Natursteinindustrie, ebenso dem Wickeln von Räucherstäbchen oder gar der Waffenproduktion. Vor allem in diesen Industriezweigen werden Kinder unter furchtbaren Bedingungen ausgebeutet, misshandelt und ihrer Würde beraubt, um den westlichen Konsumgesellschaften Produkte anbieten zu können, deren Herkunft man besser nicht hinterfragt, wenn man weiterhin ohne schlechtes Gewissen schlafen möchte. Doch nicht nur der Westen trägt einen großen Teil zur Förderung der Kinderarbeit bei, ebenso stehen in Indien Korruption, Illegalität und Drohungen an der Tagesordnung. So mancher Gesetzesvertreter steht auf der Gehaltsliste eines Steinbruchbesitzers – wer sollte denn da noch in den Betrieben ermitteln? Und sobald eine Schiefertafel an der Wand hängt, der Betrieb somit als „Ausbildungsbetrieb“ gekennzeichnet ist, verliert sich die Illegalität. Benjamin Püttner lässt uns trotzdem nicht ganz hoffnungslos zurück, gibt uns in einem Kapitel über diverse Siegel eine Möglichkeit, Produkte aus unabhängigen Prüfungen zu erkennen und diese vorzuziehen. Das Buch analysiert unmögliche Zustände, gibt einen Einblick in ein Tabu-Thema, welches uns alle angeht, nimmt Politik und Gesellschaft in die Pflicht, ein Umdenken anzustreben und zeigt Wege auf, aus dieser Spirale auszubrechen. „Die Menschenrechte sind unteilbar und gelten daher für Kinder in Indien, Pakistan, Ghana oder Bolivien in gleicher Weise wie für Kinder in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Und so wie es selbstverständlich ist, dass es bei uns keine Kinderarbeit gibt, so muss dies auch selbstverständlich werden für alle Kinder dieser Welt.“

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Kleine Hände - großer Profit

von Benjamin Pütter, Dietmar Böhm

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