Ein Schriftsteller wird zu einer Kreuzfahrt eingeladen, nicht als zahlender Passagier, sondern als sogenannter "Gastkünstler". Ein anständiges Honorar, die Kabine mit Außenbalkon, freie Verpflegung und andere kostenlose Annehmlichkeiten können ihn aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass in dem 18seitigen Begleitschreiben der Einladung ungeahnte Pflichten und darin allerlei Peinlichkeiten lauern, gerade für einen Schriftsteller, der die Einsamkeit liebt und nicht auf ein Schiff mit 5000 aufgedrehten und sonnenhungrigen Passagieren gehört. Doch er macht sich die Entscheidung nicht leicht und schreibt zum Vergnügen der Leser einen langen Antwortbrief an die Reederei, in dem er auf humorvoll-präzise Art die Absurdität einer solchen Kombination von Schriftstellerei und Kreuzfahrtschifffahrt offenlegt.
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Einladung zu einer Kreuzfahrt
Bewertung aus Küsnacht ZH am 14.09.2017
Bewertungsnummer: 1048468
Bewertet: eBook (ePUB)
Witzig, immer wieder überraschende Wendungen, fantasievoll, bzgl. Lesbarkeit anspruchsvoll (aber es lohnt sich!); eben typisch Kirchhoffsche Sätze.
Der Autor dieses Buches wird…
Xirxe aus Hannover am 22.08.2019
Bewertungsnummer: 2720943
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Der Autor dieses Buches wird von einer Reederei zu einer zweiwöchigen Kreuzfahrt durch die Karibik eingeladen - als 'Sprachlieferant'. Als Gegenleistung für die Bereitstellung '... einer Außenkabine mit Balkon bei freier Verpflegung sowie freien Getränken an jeder Bar' .. soll er zur 'Prime Time' mehrere Lesungen aus seinem Werk halten. Seine Antwort fällt alles Andere als denkbar knapp aus: Auf 118 Seiten beschreibt er seine Gedanken und Überlegungen zu den Fragen, die er sich zu einer Kreuzfahrt stellt wie auch zu den Bedingungen, die in einem 18seitigen Anhang enthalten sind. Es geht um Sicherheit (der Schriftsteller verfolgt von wütenden oder aufdringlichen ZuschauerInnen), das Seerecht (kennt 'keinerlei Zuständigkeit für die Aufklärung von Tötungsdelikten an Bord eines Schiffes in internationalen Gewässern'), seine Begleitung ('Bis vor zwei Jahren wäre das noch meine Mutter gewesen, ..., bis vor fünf Jahren meine Frau ...', eventuell die Dienste eines Escortservice ...) undundund. In typisch Kirchhoffscher Manier kommt er in ausufernden Sätzen vom Hölzchen aufs Stöckchen und wieder zurück und findet Zusammenhänge, die mich immer wieder überrascht und amüsiert haben - wobei ich manchmal doch schlucken musste: "Ich darf hier festhalten: Der Holländer ist laut, der Franzose aufgeblasen, und der Österreicher, der wahllos Komplimente verteilt, nicht gerade glaubhaft; von den Schweizern, die uns rundheraus ablehnen, gar nicht zu reden. Allein die Polen, an die man sich spätestens gewöhnt haben muss, wenn es mit einem zu Ende geht, sie das Nachtgeschirr leeren, die Kissen aufschütteln und uns an den Herrgott und die Jungfrau Maria erinnern, erscheinen mir auf einem Schiff als angenehme Mitreisende, schon weil man mit ihnen gleich Termine vereinbaren kann, sei es für das fällige Streichen der Wohnung, sei es für die Pflege einer Mutter." Schön fand ich zudem, dass der Autor sich nicht nur über die Anderen bei einer Kreuzfahrt amüsiert, sondern auch vor seiner eigenen Person keinen Halt macht. Er, das empfindsame Seelchen, bedrängt von lüsternen Fans, der nicht weiß wie ihm geschieht, sich aber dennoch herablässt, das einfache Volk zu unterhalten. Was macht man nicht Alles für eine Gratis-Kreuzfahrt - und vielleicht die Liebe seines Lebens ;-) Nicht ganz einfach zu lesen, aber dennoch eine abwechslungsreiche und humorvolle Unterhaltung!
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