"Frau", sagte er, "Frau, nimm dich in Acht. Sie sehen aus wie Körper, aber es ist nichts darunter. Bleib nur eine Nacht bei mir in der Hütte, unter dem Fels, wenn du sie hören und sehen willst. Ich habe sie gehört und gesehen; weiss sind sie, leer sind sie, und sie gehen umher und klagen; sie machen Töne, wie der Wind am Kamm eines Steinblocks, wie wenn ein Kiesel rollt auf dem Grund des Bachs." Und nun stand sie auch still, und er hob die Hand: "Weisst du, wie das heisst, da oben?. Ja, dort, siehst du, der Kamm und der Einschnitt darin. D.I.A. er hat es fertig gebracht, diesmal." Er nickte mit dem Kopf. "Und der, den du suchst, hör auf mich, der ist so falsch wie die andern. Er wagt sich nur weiter vor, darum ist er herabgekommen, aber er will dich bloss täuschen. Er will, dass du tot bist, damit er dich haben kann." Und er sagt: "Ah!, denn er kennt die schlimmen Stellen! Das ist hier voll von Löchern, zwischen den Felsblöcken, voll von Steinen, die umkippen; voller Falten und Spalten. Geh nicht, Thérèse, geh nicht!"
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
yellowdog
5/5
10.06.2021
eBook (ePUB)
Ein gewaltiger Bergsturz
Derborence ist ein Roman, der wie aus der Zeit gefallen wirkt. Und vielleicht kann wirklich nur ein Schweizer Autor aus der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts so authentisch ein Ereignis darstellen, dass die damalige Gesellschaft erschütterte. Tatsächlich stammt das reale Ereignis aus dem frühen 18.Jahrhundert. Ein Bergunglück, bei dem ein Berg einen Ort auf der Alb Namens Derborence verschüttete und mit ihm einige Männer.
Auch Therese Ehemann Antoine gehört zu den Vermissten. Seine späte Rückkehr erschüttert das Dorf.
Charles Ferdinand Ramuz, der auf dem Autorenfoto so kantig wirkt, vermag sensibel und eindringlich die Auswirkungen zu schildern. Er setzt starke Motive ein.
Das 1934 erstmals erschienene Buch ist ein Ereignis, das auch heute noch große Faszination ausstrahlt. Was für eine großartige Entdeckung!
Grete
aus Gudensberg
5/5
03.09.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der Bergsturz
Eine Wiederauflage eines Buches aus dem Jahre 1934. Wer das karge Bergleben kennt, kann sich schnell einfinden in die Sprache Ramuz.
Es ist eine karge und doch sehr lebendige Sprache, die von der Katastrophe von Deborence Anfang des 18. Jahd. berichtet.
Ein Bergsturz in den Alpen, eine Almwiese, die schon von den Sommerhirten besiedelt wurde verschwindet.
Fast alle Männer des Dorfes befanden sich auf der Wiese, die umliegenden Dörfer erfahren die Katastrophe recht schnell ohne Telefon oder Internet. Das Tal war umgeben von verschiedenen Sprachgebieten der Schweiz und trotzdem muss alles organisiert werden.
Mittelpunkt der Geschichte ist das frisch verheiratete Paar Theresa und Antoine.
Antoine hat überlebt und kommt wieder- keiner erkennt ihn nach zwei Monaten, nur Theresa.
Die Geschichte fasziniert vor allem durch Ramuz Sprache und lässt das Buch wundersam aus der Zeit gefallen erscheinen, dabei erleben wir gerade Katastrophen am laufenden Band (Ahrtal, Afghanistan, Ida) und damit wieder aktuell und lebendig.
Es war eine Wonne das Buch zu lesen und die Sprache zu geniessen.
J. Kaiser
5/5
09.06.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Massiver Einschnitt ins Dorfleben
Fazit: Das beschriebene Ereignis stammt aus dem 18. Jahrhundert. Der Roman beschreibt, die damalige Zeit in einem Dorf und das Geschehen ausführlich. Der Leser wird in eine Welt versetzt, die den Leuten in diesem Dorf erschüttert hat. Auch der Ehemann von Thérèse gehört zu den verschütteten. Die Schilderung der Rückkehr nach zwei Monaten wird so eindrücklich geschildert, dass man mitten in der Dorfgemeinschaft ist. Das Lesen der Emotionen im Dorf wirkt sehr authentisch. Das Lesen ist spannend und sehr eindrücklich. Eine Leseempfehlung kann da nicht ausbleiben.
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