Nach fünfzehn Jahren Dienst als Traumatherapeutin überall in den Krisengebieten der Welt kommt die Irin Sameera Sullivan für ihre medizinische Hilfsorganisation nach Kashmir. Sie verliebt sich auf Anhieb in das wunderschöne, von einem jahrzehntelangen Konflikt gebeutelte Tal. Kurz nach ihrer Ankunft lernt sie den indischen Ex-Agenten Vikram Sandeep kennen, der nach einem traumatischen Erlebnis den Dienst quittiert und in der Nähe von Srinagar ein Waisenhaus eröffnet hat. Die Begegnung mit ihm und seinen Pflegekindern verändert ihr ganzes Leben...
In der Kashmir-Saga erzählen Simone Dorra und Ingrid Zellner in sieben Bänden die Geschichte zweier in Freundschaft eng verbundener Familien in Indien und Kashmir. Sie erstreckt sich über vier Jahrzehnte und berichtet von großen Gefühlen, von spannenden Abenteuern, von Terror und Liebe in einem durch anhaltende Konflikte geschundenen Land.
Kundinnen und Kunden meinen
4.9/5.0
Bewertung
aus Glauchau
5/5
12.09.2019
Buch (Taschenbuch)
Bewegende Geschichte aus dem Kashmir
„...Wenn ich Kindern wie Zooni zuhöre, ist ein Teil von mir zwar glücklich, dass ich helfen kann...aber ich wünschte, es wäre nicht nötig. Meine Arbeit wird nur deshalb gebraucht,weil Menschen nicht aufhören, sich gegenseitig auf jede erdenkliche Weise zu quälen und zu verletzen...“
Sameera Sullivan ist Traumatherapeutin. Sie ist nach Srinagar im Kashmir gekommen, um für Medical Relief Worldwide zu arbeiten. Da sie einen irischen Vater und eine indische Mutter hatte, kommen ihr bei der Arbeit mit traumatisierten Kindern und Erwachsenen ihre Sprachkenntnisse zugute.
Als sie ein kleines Mädchen behandelt, lernt sie Vikram Sandeep kennen. Er leitet seit drei Jahren ein Waisenhaus, das Haus des Friedens. Zusammen mit der Krankenschwester Divvya besucht Sameera das Haus.
Die Autorin hat einen berührenden Roman geschrieben. Er spielt im Jahre 2012. Im Mittelpunkt der Handlung stehen neben den Protagonisten die Verhältnisse im Kashmir, denn die greifen tief in die persönlichen Leben ein.
Der Schriftstil lässt sich flott lesen. Neben sachlichen Informationen und Beschreibung politischer Hintergründe transportiert er auf besondere Weise die Gefühle der handelnden Personen.
Vikrams Anfang im Waisenhaus war nicht einfach. Nach wie vor gibt es kritische Stimmen. Er ist Hindu. Die von ihm betreuten Kinder sind in der Mehrzahl Moslems. Erst nach und nach lerne ich seine Vergangenheit kennen. Ich will es einmal so formulieren: In seinem ersten Leben hat er sich einige Feinde gemacht, die auf Rache sinnen. Allerdings hat er auch mächtige Freunde an seiner Seite, auf die er sich im Extremfall verlassen kann. Auf Sameera wirkt er anfangs so:
„...Vikram Sandeep kam ihr vor wie ein kompliziertes Puzzle...eines, das aus so vielen Teilen bestand, dass es unmöglich war, sie zusammenzusetzen. Manchmal war er offen, zugänglich und vollkommen entspannt – aber sie wusste dass sie heute mindestens einen Punkt berührt hatte, der wehtat...“
Integriert in die Handlung sind weitere bewegende und berührende Schicksale. Im Waisenhaus lernt Sameera einen Jungen kennen, der nicht spricht und jeden Kontakt ablehnt. Mit viel Einfühlungsvermögen gelingt es ihr, Zugang zu ihm zu finden. Im Krankenhaus lernt sie Eltern kennen, die ahnen, das ihr verschwundener Junge als Kindersoldat missbraucht wird. Sie drohen, daran zu zerbrechen. Sameeras Besuch im Dorf Dordpura zeigt weitere grausame Folgen der Grenzstreitigkeiten zwischen Indien und Pakistan, die auf den Rücken der Bewohner der Kashmir – Region ausgetragen werden.
Dann aber gerät Sameera zwischen die Fronten. Es gibt Leute,die mit beiden Seiten Geschäfte machen. Der Handel mit Waffen und Drogen ist zu lukrativ, um sich dabei in die Suppe spucken zu lassen.
In Gesprächen, die in die Tiefe gehen, wird das ganze Ausmaß der Tragödie deutlich. Vor allem die Dialoge mit Nanda Singh, einem Offizier und Vertrauten von Vikram, bringen das Geschehen auf den Punkt. Sein Gespräch mit Sameera, aber auch das mit dem Arzt zeigen die Vielschichtigkeit der Verhältnisse, was folgendes Zitat belegt:
„...Weil ich mir keineswegs den üblichen Luxus leiste, alle Schuld für die elende Kriegstreiberei der letzten fünfzig Jahre unseren Brüdern in Pakistan in die Schuhe zu schieben. Auch Indien muss sich dafür verantworten, was es dazu beigetragen hat den Menschen dort das Leben zur Hölle zu machen...“
Das Haus des Friedens ist eine Insel der Ruhe. Hier lernen die Kinder, wieder Kind zu sein und Freude zu empfinden. Sie werden nicht nur umsorgt, sondern geliebt. Das ist in ihrem Verhalten spürbar.
Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen.
Bewertung
aus Dresden
5/5
03.04.2017
Buch (Taschenbuch)
Überraschend und bewegend.
Wie kann man dieses Buch beschreiben? Der Versuch, es in eine Schublade zu packen muss kläglich scheitern. Was es jedoch zweifellos ist: ehrlich, schonungslos, rührend.
Ein Bild eines Boots auf einem Fluss, im Hintergrund die Berge. Die Sonne geht gerade auf (oder unter?) und taucht die Landschaft in einem hellen, gelben Licht. Ein Blick auf dem Klappentext verrät mir sofort, wo dieses Cover-Bild aufgenommen wurde: Kaschmir.
Das zwischen Pakistan und Indien umstrittene Gebiet ist nicht nur die besondere Kulisse sondern gleichzeitig auch das Herz dieser Geschichte. Durch die Augen der Protagonisten lernen wir dieses Land lieben: ihre Landschaft, Menschen, Küche und Kultur. Aber wir lernen auch über das immense Leid, was viele Menschen durch Krieg und Terror in Kaschmir widerfährt.
Die Protagonisten: eine Psychologin (Samira Sullivan) und ein Soldat (Vikram Sandeep). Sie arbeitet als Trauma-Therapeutin für eine internationale Hilfsorganisation, er hat aus unklaren Gründen mit dem Kämpfen aufgehört und ein neues Leben als selbstständiger Leiter eines Kinderheimes angefangen. Als Samira das Projekt kennenlernt, verliebt sie sich sofort. In Kaschmir, in die Kinder, und nicht nur...
Dieses Buch ist ein Liebesroman. Nein, kein Liebesroman, ein Thriller. Nein, kein Thriller, exotischer Roman mit aktuellen politischen Hintergründen. Nein, ein Drama mit extrem rührenden persönlichen Schicksalen. Moment, dieses Buch ist alles und nichts davon.
Die tiefe der Charaktere, die interessanten politischen und kulturellen Hintergründe, die Nähe an den Menschen mit ihren Lebensgeschichten, die verschiedene Themen und Töne, die getroffen werden, haben mich vollkommen überzeugt. Ich kann nicht anders, als diesem Buch 5 Sterne zu vergeben und warte gespannt auf die Fortsetzungen. Auch ich habe mich in Kaschmir verliebt.
louella2209
5/5
21.03.2017
Buch (Taschenbuch)
Ein grandioser Auftakt!
Inhalt:
Sameera Sullivan, eine Irin mit indischen Wurzeln verschlägt es, im Dienste einer Hilfsorganisation nach Kashmir. Sofort verspürt sie eine starke Bindung zu dem Land, dessen Volk immer noch von Korruption, Terror und politschen Krisen traktiert wird. Ein Waisenhaus, das Dar-as-Salam und ihr Gründer Vikram, ein Ex-Agent, der seinen Dienst quittierte, haben es Sameera besonders angetan. Sie macht es sich zur Aufgabe den traumatisierten Kindern, die im Dar-as-Salam ein neues Zuhause gefunden haben und endlich Geborgenheit und Hoffnung erfahren sollen, zu helfen. Doch durch ihr Engagement setzt sich Sameera großer Gefahr aus, denn auch ihre neuen Bekanntschaften, der Politiker Tarek und seine Freundin Najiha, so als auch Vikram, haben Feinde in den höchsten kriminellen Kreisen. Bald steht Sameera vor dem Wendepunkt ihres Lebens und sie muss sich entscheiden, für die Sicherheit oder für die Liebe zu einem Land, das jede Hilfe benötigt.
Meine Meinung:
Die Inspirationsquelle der Autorin Simone Dorra muss gigantisch sein, denn sie bedient mühelos so ziemlich jedes Genre und das auf hohem Niveau. Ich habe bereits den Lokalkrimi Nachtruhe und den Fantasyroman Fluchmond gelesen und war von beiden Büchern schlichtweg begeistert. Nun verwirklicht die vielseitige Autorin, gemeinsam mit Ingrid Zellner, die Kashmir-Saga, dessen Auftakt Haus des Friedens bildet. Und was soll ich sagen, es war wieder ein sagenhaftes Erlebnis. Ich habe die Lektüre regelrecht verschlungen und meine ohnehin schon hohen Erwartungen wurden sogar noch übertroffen. Es ist wirklich selten, das eine fiktive Geschichte bei mir Gänsehaut auslöst oder gar ein Tränchen entlockt, Simone Dorra ist es mit Haus des Friedens gelungen.
Die Einblicke in das Land sind äußerst glaubhaft dargestellt. Man genießt die Sicht auf eine wunderbare Kultur mit vielen Traditionen und eine unvergleichliche Glaubensvielfalt. Doch genau dort liegen auch die Probleme und die Autorin wirft einen kritischen Blick auf die politischen und religiösen Konflikte mit all den Konsequenzen für die Bevölkerung des Landes und das macht sie sehr authentisch und vor allem unbeschönigt.
Die Protagonisten sind das Herzstück dieses Romans und mit ihren Facetten individuell gezeichnet. Simone Dorra beweist ein weiteres Mal sehr viel Feingefühl ihren Charakteren eine Seele zu verleihen. Man wird zu Beginn zwar mit vielen neuen Figuren konfrontiert, jedoch manifestieren sich die ganzen Einzelschicksale im Gedächtnis und spannen einen Bogen zu den exotischen Namen.
Sameera, die Trauma-Therapeutin, sticht mit ihrer unvergleichlichen Empathie hervor. Sie besitzt die wunderbare Fähigkeit, traumatisierten Menschen ihre Ängste und Nöten zu entlocken und besonders bei Kindern gestaltet es sich eher schwierig, echtes Vertrauen zu erlangen und die gequälte Seele zu heilen. Natürlich ist es Sameera`s Beruf, aber sie behandelt ihre Patienten nicht von oben herab, sondern sieht sich als Teil von ihrer Gemeinschaft. Man spürt einfach ihre unumstößlichen ehrlichen Absichten.
Vikram, der Gründer des Waisenhauses, ist ein weiterer sehr intensiver Charakter und er verlangt dem Leser einiges ab, denn er ist schwer einzuschätzen. Er wirkt bereits zu Beginn äußerst unnahbar, fast geheimnisvoll und dennoch nimmt man bei ihm eine innere Zerrissenheit und Verletzlichkeit wahr. Vikram und Sameera sind sofort voneinander fasziniert und diese Faszination überträgt sich auf den Leser. Das Kribbeln ist zwischen den Zeilen regelrecht spürbar.
Tarek, ein Politiker mit Moral und Werten und zudem ein Freund von Vikram, sowie seine Freundin Najiha, treffen den Leser mitten ins Herz. Tarek verfolgt unermüdlich das Ziel die Bedingungen in Kashmir zu verbessern, den Terror und den Krieg zu beenden und die Armut zu bekämpfen. Die vielen Rückschläge und die brisante Gefahr eines Anschlags entmutigen Tarek keineswegs und er stellt sich vehement vor sein Volk. Sein Idealismus ist beeindruckend und hallt lange nach.
Najiha ist ein weiterer sehr starker Charakter. Eine Frau mit schrecklichen Erfahrungen und Erinnerungen und die trotzdem ihr Mitgefühl für andere und ihre Hilfsbereitschaft nie verloren hat. Sie weiß was sie will und sie geht ihren Weg, aber sie lässt die Angst zu, die Angst ihre große Liebe zu verlieren. Najiha war neben Sameera meine Lieblingsfigur.
Die Intensität zwischen Leser und Charakter ist hier außerordentlich prägnant und man nimmt vieles, was ihnen widerfährt, fast schon persönlich. Zumindest erging es mir so, aber ich denke, es gibt niemanden, den diese Geschichte nicht zu fesseln vermag.
Dieses Buch hat seine 5 Sterne mehr als verdient. Es ist spannend, mitreißend, tragisch, traurig, lebendig, erschütternd, schockierend und doch voller Hoffnung und Liebe.
Bewertung
5/5
28.02.2017
Buch (Taschenbuch)
Aufbruch in ein neues Leben
Zum Inhalt:
Sameera Sullivan hat schon eine langjährige Erfahrung als Traumatherapeutin, als sie von einer medizinischen Hilfsorganisation für ein Jahr nach Kashmir geschickt wird.
Sie ahnt nicht, dass diese Aufgabe ihr ganzes Leben verändern wird. Auf Anhieb verliebt sie sich in das wunderschöne Land und auch mit ihrer Aufgabe dort ,kann sie sich sofort identifizieren.
Sie lernt Vikram Sandeep kennen , der als ehemaliger Agent , ein Waisenhaus für traumatisierte Kinder betreibt. Bei beiden ist es Liebe auf den ersten Blick, was sie sich jedoch zuerst nicht eingestehen wollen.
Die Kinder, die mehr oder weniger schlimme Erlebnisse, verarbeiten müssen, haben sofort großes Zutrauen zu Sameera gefasst. Auch die junge Therapeutin hat die Kinder sofort in ihr Herz geschlossen.
Besonders der kleine Moussa , der schon seit längerer Zeit kein Wort mehr gesprochen hat, ist ihr besonders wichtig.
Durch ihre liebenswerte herzliche Art, findet sie auch schnell neue Freunde. Zu Najiha und Tarek hat sie eine besonders gute Beziehung, was sich bei dramatischen Erlebnissen als sehr hilfreich erweist.
Meine Meinung:
Der Autorin ist es gelungen, mich mit der Geschichte, von Anfang an in ihren Bann zu ziehen. Die Schilderung der wunderschönen Landschaft, die Beschreibung der einzelnen Personen, alles wirkte sehr authentisch auf mich. Die Liebesgeschichte zwischen Vikram und Sameera wurde auf sehr emotionale Weise geschildert. Auch die traumatischen Erlebnisse , welche die Kinder , aber auch die Erwachsenen, allen voran Vikram , hinter sich haben , haben mich regelrecht erschüttert.
Der sehr schöne Schreibstil macht das Buch zu etwas ganz Besonderem.
Man lernt außerdem, es wieder besser zu schätzen, in einem Land ohne Krieg zu leben.
Das Buch hat mir einige sehr intensive Lesestunden bereitet, ich spreche eine absolute Leseempfehlung aus.
Bewertung
aus Welzheim
5/5
26.02.2017
Buch (Taschenbuch)
Liebe, Spannung und Terror - Familiensaga und doch ein bisschen Thriller.
Sameera Sullivan, Traumatherapeutin aus Irland, fährt für eine Hilfsorganisation nach Kashmir. Eigentlich soll sie nur beratend tätig sein, doch das Schicksal der Menschen lässt sie ihre professionelle Distanz verlieren. Und dann ist da Vikram Sandeep, ein geheimnisvoller Ex-Agent der indischen Abwehr, der in einem Tal nahe Srinagar ein Kinderheim aufgemacht hat. Geht das alles mit rechten Dingen zu? Wer ist der Politiker, mit dem der Mann befreundet ist und welche Beziehung besteht zwischen ihnen? Hat Vikram seiner Vergangenheit, über die er kaum spricht, wirklich abgeschworen und welches schreckliche Erlebnis hat sein Leben auf den Kopf gestellt? Was hat Moussa, der Junge, der seine Sprache verloren hat, erlebt und wird es Sameera gelingen, eine Beziehung zu ihm aufzubauen? Zu diesem Zeitpunkt ahnt noch keiner der Protagonisten, dass jemand sie beobachten lässt und dunkle Pläne schmiedet, die eine dramatischen Wende der Ereignisse herbeiführen könnten.
Das Haus des Friedens von Simone Dorra ist der erste von 7 Bänden der Kashmir-Saga. Und ohne zu viel vorwegzunehmen, darf man sagen, dass dieses Buch mehr Spannung und Dramatik, aber auch große Gefühle enthält, als das harmonische Cover vermuten lässt. Es ist flüssig und mitreißend geschrieben - genau die Art von Buch, das man am Abend nicht weglegen kann, weil man unbedingt wissen will, was im nächsten Kapitel geschieht. Und in den folgenden Bänden. Nur vor einem muss man wirklich warnen: am Ende fast jeden Kapitels wird der Wunsch übermächtig groß, das nächstgelegene indische Restaurant aufzusuchen.
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