1985, Potsdam, große Ferien. Doch der sechzehnjährige René bleibt dieses Jahr zu Hause. Die Mutter ist tot, der Vater in der Schweiz; er lässt René tausend Mark da, die er brüderlich mit seinen Freunden Dirk, Michael und Mario teilt. Dies ist, und das spüren sie alle vier, ein Sommer, wie es ihn nie wieder geben wird für sie. Die Jungs streifen durch die heiße, urlaubsleere Stadt und sitzen in Cafés, aber vor allem geht es darum, das richtige Mädchen zu finden.
«Skizze eines Sommers» ist ein warmherziger, leichter Roman über die beste aller Zeiten, die Jugend mit ihrer schönen Tragik.
André Kubiczek erzählt wunderbar einfühlsam und hintergründig von jener Zeit, die auf ewig die beste unseres Lebens bleibt.
Für seinen Roman «Nostalgia» ist André Kubiczek für den Deutschen Buchpreis 2024 nominiert.
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Das Mädchen ohne Namen, Bianca und Rebecca ...
enzoo aus wien am 07.09.2016
Bewertungsnummer: 969757
Bewertet: eBook (ePUB 3)
... so lauten die "Namen" der drei Mädchen, zu denen sich René hingezogen fühlt im Schulferiensommer in Potsdam 1985, also noch zu DDR-Zeiten. René und seine Freunde gehören einer Jugendkultur an, die sich gerne geheimnisvoll gibt: schwarz gekleidet (und wenn man die Schuhe dafür schwarz lackieren muss), man liest Bücher, die in der DDR nicht oder nur schwer erhältlich sind und will sich von den Normalos auch durch geschraubtes Schwadronieren in der Öffentlichkeit abheben.
Renés Vater ist für zwei Monate auf einer Friedenskonferenz in Genf und lässt ihm einen Batzen Geld für diese Zeit da. Er und seine Freunde setzen dieses Geld erfolgreich in Alkohol und Zigaretten um, denn da ist keine Mutter mehr, die das verhindern könnte, sie ist vor einigen Jahren gestorben, und der Verlust setzt René heute noch mehr zu als ihm lieb ist und er sich selbst eingesteht.
Während man sich nach außen sicher gibt und abgehoben, sieht es im Inneren jedoch ganz anders aus. René fühlt sich hingezogen zu dem Mädchen, dessen Namen er nicht kennt und mit dem er kaum noch gesprochen hat,doch als sie sich endlich näher kommen könnten, kommt ihm im wahrsten Sinne des Wortes Bianca dazwischen, und Ihre Argumente sind ihre positive Art und ihre Schönheit. René verliebt sich aber erkennt schnell, dass da eine gewisse Leere ist, wenn sie beisammen sind, die rasch, und da ist er schon ein typischer Mann, durch ihre körperlichen Vorzüge weggewischt wird. Das Mädchen ohne Namen verschwindet in die Ferien und aus Renés Sinn, naja, nicht ganz. Dann lernt er Rebecca kennen, und die ist ganz anders als Bianca, die zur Arbeiterklasse gehört. Rebecca kommt aus einer Künstlerfamilie, systemkritisch, doch sie ist älter als René, und das passt dann auch nicht so ganz, daher beschließen sie, Wahlgeschwister zu werden und "Wir küssten uns so, wie sich nur Geschwister küssen, Mund ab und zu geschlossen und nicht länger als drei Minuten."
Als Bianca zurückkommt aus den Ferien, gesteht sie ihm dass sie sich in einen anderen verliebt hat, und kurz bricht für René die Welt zusammen, bis auch das Mädchen ohne Namen zurückkommt und sie endlich zueinander finden, doch nach den beiden Wochen des ungetrübten Glücks wartet schon der nächste Abschied ...
Kubiczek gelingt in diesem Buch einiges sehr Symphatisches. Er schafft es, den Reifungsprozess des jungen René einfühlsam aber schmalzlos darzustellen. Das Buch liest sich genau so schnell und amüsant, wie gefühlter Weise Ferien vergehen. Anfangs fand ich den Stil ein bisschen arg flapsig, später aber durchaus entsprechend und nicht aufgesetzt. Die jugendlichen Leiden Renés und seiner Freunde sind nachvollziehbar beschrieben und ich ertappte mich hin und wieder bei einem zustimmenden Kopfnicken, auch wenn diese Zeit bei mir selbst schon in weite Ferne gerückt ist. Auch wie Kubiczek die Klassenunsterschiede in der DDR beschreibt ist eine interessante Facette dieses Buches, so wie er generell die Umstände in den letzten Jahren der DDR überhaupt sehr gelassen darlegt: stets subjektiv aus der Sicht von René, der der DDR genau so kritisch und sarkastisch gegenübersteht wie er das aus seiner jugendlich-ablehnenden Grundhaltung heraus dem Westsystem gegenüber täte, lebte er in der BRD. Die DDR ist in dem Buch eine Tatsache für René und damit auch für uns LeserInnen, an der wenig kritisiert wird, weil das nichts ändern würde, und nichts verherrlicht.
Insgesamt zwar wahrscheinlich keine Weltliteratur aber ein sehr einfühlsam geschriebenes Portrait junger Menschen und ihrer Nöte in einer vergangenen Welt.
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