Sophie ist jung, qualifiziert, kreativ - und hat keinen Cent mehr in der Tasche. Die Aufträge als freie Mitarbeiterin bei einer Tageszeitung bleiben aus, die Rechnungen am Ende des Monats hingegen treffen verlässlich ein. Was tun, oder besser: Was nicht mehr tun?, fragt sie sich, während der Teufel ihr im Nacken sitzt und sie beständig in Versuchung führen will. Doch gibt sie ihm nicht nach und schreibt stattdessen einen Roman, in dem ihre Phantasie Königin ist und die Begrenzungen der Realität aufhebt. Vor dem Hintergrund ihrer alltäglichen Nöte, ihrem Kampf mit den Tücken der Bürokratie und ihrer wachsenden Vereinsamung zündet Sophie lustvoll ein literarisches Feuerwerk, setzt ihrer Misere ein reiches Spiel der Sprache und Formen entgegen - "ein sprühendes, kompromissloses, unglaublich lustiges Buch" (Le Parisien).
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Improvisation, Unterbrechungen und der Teufel
Schwarzbeflügelt am 20.01.2021
Bewertungsnummer: 1047677
Bewertet: eBook (ePUB)
Was für ein Roman.
Die Protagonistin Sophie - ihres Zeichens frei schaffende, aber dadurch leider kein Geld verdienende Autorin und/oder Journalistin (sagen wir eher "und") - hat ein paar kleine Probleme. Nein, eigentlich hat sie nur ein Problem: Sie verdient kein Geld, und dieses Kein-Geld-ins-Geldbörserl-bekommen zieht einen ganzen Rattenschwanz an Problemen hinter sich her. Die Mindestsicherung reicht kaum zum Überleben - schon gar nicht, wenn das böse Arbeitsamt zu bürokratisch ist, um das Geld rechtzeitig zu überweisen-, der Hunger will gestillt werden (wobei sich hier wieder der Geldmangel als Problem zwischen Nudeln und Magen stellt), das Gefühl der Nutzlosigkeit lässt sich ebensowenig vertreiben wie der Hunger (obwohl Sophie es wirklich hart mit Bubble-Shooter versucht!) und dann ist da noch die Sache mit der Einsamkeit. Denn Sophie ist sehr, sehr einsam. So einsam, dass sogar ihr Toaster schon Mitleid mit ihr hat! Wie genau sie es schafft so einsam zu sein, obwohl sie Mitglied einer Großfamilie ist (sie hat 6 Brüder. SECHS! Wie kann man als Kind eigentlich so vielen Fäusten ausweichen?) beschreibt Sophie in dem Buch.
Wer jetzt denkt: "Puh, das hört sich aber ganz schön deprimierend an!", hat sich gewaltig geschnitten, denn Sophie hat eines im Überfluss: Fantasie.
Sie erzählt ihre Geschichte nicht als traurigen Tatsachenbericht, sondern in Dialogen, Vergleichen, Beschreibungen und Metaphern, andauernd unterbrochen durch Erinnerungen, Hirngespinsten oder Personen, die unbedingt Teil des Buches werden wollen.
Sophie Divry`s Humor ist meiner Meinung nach unschlagbar, man muss ihn aber auch mögen und wertschätzen können. Ich liebe es, wenn mit Vergleichen, Aufzählungen und Metaphern gearbeitet wird. Deshalb war mein Highlight diese eine Stelle im Buch, in der die Protagonistin über 6 Seiten (E-Book) aufzählt, welche Männer sie nicht mag. Aber ganz ehrlich: Wer will schon einen Mann, der niemals in seinem Leben Kranführer sein wollte? (Und ja, Sophie ist sich klar, dass ihre Ansprüche die Männersuche minimal komplizierter machen könnten)
Neben der außergewöhnlichen Sprache fand ich außerdem die grafische Aufbereitung toll. Immer wieder geraten Satzzeichen in Bewegung, Wörter fliegen scheinbar über die Seiten oder ordnen sich als Bilder an. Das macht diese Leseerfahrung zu etwas ganz Besonderem.
Mein Fazit:
Die Geschichte geht zwar langsam voran, wird aber von der wunderbaren, ironischen Sprache getragen, in der auch Fantasiewörter immer wieder Platz finden. Aber Vorsicht: So viele Metaphern können schon mal auslaugend wirken! Wer also weniger Wert auf - nennen wir es einmal "lustvollen Umgang mit Sprache" hat und eigentlich viel Story haben möchte, sollte wahrscheinlich nach etwas anderem suchen, aber für alle Sprachfanatiker da draußen: Hier ist es! Das Buch für euch!
Ein Sternchen Abzug gibt es von mir dennoch, weil ich dann doch zu sehr an der Story hänge um der Autorin diesen Schluss durchgehen zu lassen ;)
Irre Idee
Lesemone am 20.01.2021
Bewertungsnummer: 1049951
Bewertet: eBook (ePUB)
Der Autorin ist hier ein sehr spezielles Buch gelungen. Vom Grundthema her geht es ja eher um etwas sehr Ernstes, nämlich, dass die Protagonistin ziemlich pleite ist und ihr die Bürokratie auch noch einen Strich durch die Rechnung macht. Dies führt zu ziemlicher gesellschaftlicher Isolation. Sehr humoristisch und mit viel Selbstironie wird Sophies Problem aus ihrer Sicht beschrieben. Den Schreibstil muss man jedoch mögen! Zwischendrin werden komplett andere Geschichten von ihr erzählt. Was mir gut gefallen hat, war die Aufmachung der Geschichten oder ihrer Gedanken. Mal als Textbirne gestaltet, mal ohne Punkt und Komma in einem durch geschrieben oder wild durcheinander zeigende Fingersymbole. Die Autorin hat sich auf jeden Fall was einfallen lassen, damit es nicht langweilig wird. Man kann sich sehr gut in die Protagonistin hinein versetzen und ihr Elend mitfühlen.
Ich muss aber leider sagen, dass mir das Buch zu durcheinander war. Die seitenweise immer wieder ziemlich gleichen Sätze aneinandergereiht, waren zu viel des Guten. Auch ging es mir um zu viele banale Dinge, die das Buch dann nur unnötig füllten. Immer wenn ich in die Geschichte etwas eingetaucht bin, wurde ich wieder heraus gerissen, weil es plötzlich um was ganz anderes ging. So entstand kein Lesefluss und kein sinnvoller Zusammenhang. Was unter dem Titel des Buches steht, trifft es auf den Kopf: Ein Improvisationsroman voller Unterbrechungen und ohne Anspruch auf Tiefgang. Leider nicht ganz meinen Lesegeschmack getroffen!
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