Mit akustischem Spürsinn auf der Fährte des Bösen - ein Krimi, der die Melodie der Nordsee einfängt.
Hauptkommissar Flottmann hat sich vom Rheinland nach Norddeutschland versetzen lassen, um ein wenig zur Ruhe zu kommen. Doch die währt nicht lange. Eine Entführungsserie hält die Region in Atem, die Täter gehen mit äußerster Brutalität vor. Als die Ermittlungen ins Stocken geraten, greift Flottmann zu ungewöhnlichen Mitteln: Er sucht Unterstützung bei Leon Gerber, einem Musiker mit hochsensiblem Gehör. Kann dieser den entscheidenden Hinweis liefern?
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Husum. Eine Entführungsserie…
dorli aus Berlin am 14.11.2017
Bewertungsnummer: 2711014
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Husum. Eine Entführungsserie hält die Polizei in Atem. Als Hauptkommissar Waldemar Flottmann und sein Kollege Gustav Hilgersen mit den Ermittlungen nicht vorankommen, bittet Flottmann den Musiker Leon Gerber um Unterstützung. Leon hat ein hochsensibles Gehör und ist in der Lage, anhand der Hintergrundgeräusche in einem Erpresservideo einen ungefähren Tatort zu bestimmen… Gerd Kramer hat einen angenehm zu lesenden, sehr fesselnden Schreibstil – ich war schnell mittendrin im Geschehen und hatte schon nach wenigen Seiten das Gefühl, mit den Akteuren gut vertraut zu sein. Ich konnte durchweg prima mit den Ermittlern über Täter, Motive und Hintergründe mitgrübeln und miträtseln. Besonders Leon Gerber hat mich mit seiner Begabung fasziniert und begeistert. Leons Umgang mit seiner Fähigkeit und die Art und Weise, wie er Töne und Laute entdeckt, empfindet und analysiert, werden vom Autor interessant und vor allen Dingen miterlebbar dargestellt. Der Musiker wird mit seiner intensiven Wahrnehmung von Geräuschen zu einer echten Bereicherung bei den Ermittlungen. Die Kommissare Flottmann und Hilgersen bilden ein tolles Team. Das Miteinander des Ermittlerduos ist weder zu ernst noch zu locker, es wird viel geflachst, dennoch verlieren die beiden ihre Arbeit nicht aus den Augen. Ganz hervorragend gelungen ist Gerd Kramer die Darstellung von Land und Leuten – nicht nur, dass ich mir dank der detailreichen Beschreibungen die Schauplätze in und um Husum sehr gut vorstellen konnte, der Autor hebt auch die Besonderheiten Nordfrieslands hervor und lässt lokale Begebenheiten sowie die Mentalität und die Eigenarten der Küstenbewohner in die Handlung einfließen. Ein paar plattdeutsche Einwürfe runden den Krimi perfekt ab. „Das Flüstern im Watt“ hat mir sehr gut gefallen – ein abwechslungsreicher, gut durchdachter Krimi, der von der ersten bis zur letzten Seite kurzweilige, spannende Unterhaltung bietet.
Wenn Kuhschiet Bodder weer,...
Elke Seifried aus Gundelfingen am 03.11.2017
Bewertungsnummer: 1059058
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Waldemar Flottmann, dem schlimme Fälle sehr an die Nieren gehen, hat sich nach seiner Scheidung nach Husum versetzen lassen, in der Hoffnung, dort weniger Leid ertragen zu müssen. Allerdings wird daraus nichts, denn eine Entführerbande, macht ihm das Leben schwer, nicht nur weil sie mit dem Bolzenschneider Finger abtrennen und äußerst brutal, sondern auch weil sie auch sehr durchdacht vorgehen. Eine entführte junge Frau, ein entführter Opa, ein toter Bauer und alle nicht besonders wohlhabend, wo ist hier die Verbindung? Kann ein Musiker mit hochsensiblem Gehör vielleicht mehr Hinweise wie die Techniker liefern, wenn es um Videobotschaften geht?
Als Leser darf man Waldemar Flottmann bei seinen Ermittlungen begleiten, aber auch auf die anderen Mitspieler blicken. Der Krimi nimmt gemächlich Fahrt auf und zu Beginn gibt es noch nicht allzu viel zu rätseln und kombinieren. Durch die Täter- und auch Opferperspektive, die sich dazu gesellen, wird die Spannung aber gelungen angekurbelt. Außerdem kann der Autor gegen Ende hin noch mit einigen Überraschungen punkten. Bei Musiker Leon Gerber erfährt man einiges zum Thema Akustik, was ich super interessant fand, und außerdem gilt es bei ihm ein Geheimnis aus seiner Vergangenheit zu lösen. Seinem Privatleben wird einiges an Raum eingeräumt, was aber für den Auftakt zu einer neuen Reihe, bei der sich Charaktere ja auch entwickeln, für mich in Ordnung ist.
Der locker, flüssige Schreibstil des Autors liest sich angenehm leicht. Sehr gut hat mir gefallen, dass ich immer wieder schmunzeln konnte. So gibt es hier ein im Grunde genommen liebenswertes Frotzeln zwischen den beiden Hauptermittlern, Waldemar Flottmann und Gustav, Gustl, Hilgersen, dem Kloogschieter und auch einige witzige Szenen, ganz besonders, wenn Kater Bogomil mal wieder zuschlägt.
Waldemar Flottmann, geschieden maximal zwanzig Kilo zu viel auf den Rippen, war mir von Anfang an sympathisch. Er kämpft mit den Kilos, zieht sogar den Bauch ein, wenn er mit einer tollen Frau nur telefoniert. Der kleine, drahtige Kollege, Gustav Hilgersen, macht ihm den Kalorienverzicht mehr als schwer, weil er pausenlos reinschiebt, vor allem, wenn es umsonst ist. Die beiden wachsen zu einem guten Team zusammen, vielleicht auch weil der gemeinsame Feind in Form des arroganten und selbstverliebten Soko Leiters Hirsch zusammenschweißt. Sehr gut hat mir auch der sympathische Musikus Leon Gerber gefallen, der mit seinem hochsensiblen Gehör hier die Ermittlungen tatkräftig unterstützt. Die Nebendarsteller sind ebenfalls gut gezeichnet, bei Hohlberg, dem Giftzwerg mit dem lauten Laubbläser angefangen, über die kleine Sophie, die sogar Namen für Schädlinge und einen Narren an Leon gefressen hat, bis hin zur sympathischen Ärztin Katrin Lehrbach, wegen der man nicht hungern muss. Ein kleines Highlight war für mich auch Kater Bagomil, der für einige witzige Szenen und Katastrophen bei Flottmann gesorgt hat.
Küsten Krimi, diesen Untertitel trägt Das Flüstern im Watt mehr als zu Recht. Ich weiß schon jetzt wohin mein Urlaub nächstes Jahr geht, weil der Autor die perfekte Werbung macht. Hilgersen, der dem reingschmeckten Rheinländer natürlich erklärt, was der Norden zu bieten hat und wie man hier tickt, ist ein perfekter Reiseführer, von Zuckerschiff über Husumer Halbmondwehle, bis hin zu Leckereien wie Backensholzer Deichkäse habe ich jede Menge auf meiner Liste. Natürlich schnackt man auch immer wieder mal Platt, was mir super gut gefallen hat.
Alles in allem ist das Flüstern im Watt der gelungene Auftakt einer neuen Krimireihe, bei der es hoffentlich noch einige Fälle zu lösen gilt, weil man als Leser mit originellen Ermittlern so richtig gut an die Nordseeküste entführt wird, noch fünf Sterne sind hier auf jeden Fall zu vergeben.
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