Rudolf Zacharias reist nach Berlin. Dort will der Dokumentarfilmer die Vernissage seiner früheren Studentin Milena Sonntag besuchen. Thomas Lehrs Roman spielt an einem Sommertag des Jahres 2011 - und zugleich in einem ganzen Jahrhundert. Denn in ihrer Ausstellung zieht Milena nicht nur eine künstlerische Lebensbilanz, sondern die ihrer Zeit. Mit sprachlicher Kraft werden historische Katastrophen neben die privaten Verwicklungen dreier Menschen gestellt, führen die Spuren von den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs bis ins heutige Berlin. Thomas Lehr entwickelt ein überwältigendes Fresko dieses deutschen Jahrhunderts: tragisch, komisch, grotesk, und immer wieder ganz persönlich und intim.
Kundinnen und Kunden meinen
3.4/5.0
Magische Farbwelt
5/5
03.02.2021
eBook (ePUB)
Verwirrung auf ganzer Linie
Oh mein Gott, ich habe es getan. Ich habe dieses Buch bis zum Ende durchgelesen. Und zum ersten Mal in meinem Leben war das für mich nicht selbstverständlich. Denn bei ungefähr Seite 100 habe ich überlegt, ob ich meine Freizeit denn nicht sinnvoller gestalten kann. Ohne zuviel vom Inhalt verraten zu wollen wobei mir das auch wahrscheinlich nicht wirklich möglich ist: Das Buch ist eine absolute Herausforderung. Schachtelsätze ohne Ende, die ich mehrmals gelesen und dann doch nicht verstanden habe. Zeit- und auch Szenensprünge, welche mich als Leser komplett verwirrt und überfordert habe und auch immer noch tun. Vielleicht war das aber auch die Intention des Autors Thomas Lehr?! Schlafende Sonne ist ein Roman, da erwarte ich persönlich etwas flüssig zu Lesendes. Klar soll sich der Leser anstrengen, aber vielleicht sollte das Werk auch nicht zu verstehen sein, wer weiß?! Ich habe mitbekommen, dass es um eine Kunstausstellung geht, um historische Rückblicke, Liebesbeziehungen. Aber wie nun alles miteinander zusammenhängt, tja, vielleicht muss ich das Buch irgendwann noch mal lesen, aber ganz bestimmt nicht so schnell. Wenn ich mir allerdings die Pressestimmen durchlese, verstehe ich nicht, dass das Werk bei mir nicht ins Schwarze getroffen hat. Auf der anderen Seite frage ich mich: Darf ich ein Werk, ein Buch schlecht bewerten, nur weil es meinen Geschmack nicht getroffen hat, weil ich es nicht verstanden habe? Denn schließlich ist ein Buchautor ein Künstler mit einer Botschaft. Doch leider habe ich diese nicht verstanden, zumindest noch nicht. Ich habe meinem Mann ein paar Sätze aus dem Buch vorgelesen. Er frage mich, ob ich überhaupt etwas verstehe. Ein bisschen ja, einzelne Passagen haben mir beim Lesen sogar Freude bereitet. Doch dann kam im nächsten Kapitel ein thematischer Umschwung und ich war wieder raus aus der Geschichte. Ihr müsst Euch übrigens vorstellen, dass Sätze teilweise über mehr als 10 Zeilen lang waren, Klammern, Einschübe und jede Menge Nebensätze enthielten. Und ich habe in den ganzen Kapiteln keinen einzigen Absatz gefunden. Zum Schluss hin mischt sich dann noch unsere heutige Lateinische Schrift mit Textpassagen Deutscher Schrift. Da denkt man, man ist fast fertig mit dem Buch und dann zieht sich das Lesen dadurch noch weiter in die Länge. Puh, jetzt brauche ich erst einmal etwas leichtere Kost.
Bewertung
aus Weisslingen
2/5
07.12.2021
eBook (ePUB)
Langweilig
Ich habe nicht fertig gelesen. Mir fehlt eine zusammenhängende Handlung.
Johannes Fidanza
aus München
5/5
12.09.2017
Buch (Gebundene Ausgabe)
Dies ist ein Roman der sowohl…
Dies ist ein Roman der sowohl durch die Breite der Szenerie als auch durch die Tiefe der Charakterbeschreibungen besticht. Endlich mal wieder ein deutscher Roman mit Qualitäten eines Pageturners.
Bewertung
aus Mainz
3/5
24.09.2017
Buch (Gebundene Ausgabe)
Normalerweise habe ich eine…
Normalerweise habe ich eine recht feste Art, Rezensionen zu Büchern zu schreiben. Bei Thoms Lehrs Buch „Schlafende Sonne“ funktioniert dies nicht, mich hat aber auch selten ein Buch so ratlos am Ende zurückgelassen und auch schon beim Lesen verärgert. Dass man etwas Zeit braucht, um sich in ein Buch reinzulesen, ist bei anspruchsvollerer Literatur nicht ungewöhnlich. Manche Bücher muss man sich auch erarbeiten, was ich völlig ok finde, auch wenn ich ein Buch in meiner Freizeit zur Unterhaltung lese. Als ich etwas ein Drittel der 640 Seiten hatte, war mir jedoch immer noch nicht klar, worüber ich eigentlich gerade lese. Also habe ich mir nochmals die Verlagsseite mit der Kurzzusammenfassung angesehen. Aha. Hm. Nun ja. Aufgeben und das Buch weglegen ist nicht so meins, also weiter in der Lektüre. Bei der Hälfte angekommen und immer noch genauso ratlos und völlig im Inhalt verloren, der mir episodenhaft und unzusammenhängend erscheint, der den Erzähler fröhlich wechselt und den Leser in keiner Weise begleitet oder ihm wenigstens ein kleines rotes Fädchen zur Orientierung bieten würde, also die nächste Strategie: was denken denn andere über das Buch? Es steht auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2017 und im Kommentar der Jury wird ein Labyrinth erwähnt – ja, genau so kommt es mir vor, und ich habe mich darin völlig verlaufen. Dann folgt die Erwähnung einer spannenden Erzählung und ästhetischen Wagemutes – nein, hier frage ich mich, ob ich ein anderes Buch lese. In einem kurzen Artikel der Zeit zu den Nominierten wird der Vergleich zu Robert Musil gezogen – ein Hinweis, dass der Roman vielleicht definitiv nichts für mich ist. In zahlreichen weiteren Besprechungen wird die außergewöhnliche Konstruktion des Romans hervorgehoben, die Form des Romans, die immer wieder neue Perspektiven bietet und sich spiralförmig um die Figuren legt. Ok, vermutlich ist mir etwas entgangen und ich sehe das Große Ganze nicht. Allerdings fand ich bei meiner Recherche Anne-Dore Krohns Kommentar auf der Seite des Kulturradios sehr sympathisch in diesem Zusammenhang. Die beginnt ihre Rezension mit dem Verweis auf Pennacs Rechte des Lesers, von denen sicherlich einige Gebrauch machen werden. Nach der Erkenntnis, dass es keine klassische Handlung gibt, bleiben mir noch immer 300 Seiten, die ich nun aber eher großzügig überfliege, episodenhaft reinlese – manche Geschichten in der Geschichte sind wirklich interessant, toll, überzeugend geschrieben und können mich überzeugen, aber ich versuche nicht mehr weiter, irgendeinen Zusammenhang dazwischen zu konstruieren. Das Buch hat mich verloren und ich sehe mich am Ende nicht einmal in der Lage, in wenigen Sätzen die grobe Rahmenhandlung zusammenzufassen Ja, ich habe es inzwischen mehrfach gelesen und könnte es entsprechend wiedergeben, aber mir hat sich dies in nicht erschlossen. Man kann in der Literatur experimentieren, soll man auch. Das wird nicht die großen Mengen an Lesern anziehen und begeistern, muss es aber auch nicht, so ist das in der Kunst nun einmal. Mich beschleicht jedoch in der Rezeption des Romans der Verdacht, dass hier einmal mehr ein besonders unlesbarer Roman hochgelobt wird und damit nicht nur zum heißesten Kandidaten für den Buchpreis gemacht wird, sondern auch einmal mehr zur Entfremdung zwischen profaner Leserschaft und hochintellektueller Buchkritik beiträgt. Das Volk versteht’s halt nicht. In meinem Fall ist das ganz sicher so, allerdings habe ich auch die Leseerfahrung gemacht – und ein Literaturwissenschaftsstudium und tausende gelesene Bücher reichen dafür allemal aus – dass wirklich große Literatur beides kann: literarisch innovativ und herausfordernd sein und gleichzeitig unterhalten.
Bories vom Berg
aus München
2/5
08.10.2017
Buch (Gebundene Ausgabe)
Poetologische Phänomenologie…
Poetologische Phänomenologie Mit «Schlafende Sonne» ist der erste Teil des Opus Magnum von Thomas Lehr erschienen, dem zwei weitere folgen sollen. «Wird fortgesetzt» lesen wir also am Ende, doch so mancher Leser wird spätestens da, wenn er denn überhaupt so weit gekommen ist, entnervt aufstöhnen: «Aber ohne mich!» Denn indem der Autor schon im Motto mit dem Phänomen der Spirale seinem Roman dessen formales Prinzip voranstellt, weist er auch gleich auf ein narratives Chaos hin, dem er in seinem unkonventionellen Text immer wieder vom Innern einer erzählerischen Spirale her beizukommen sucht. Es wird also nicht linear erzählt, sondern ohne erkennbare Chronologie vom stofflichen Zentrum her in sich drehenden, geradezu verwirbelten Erzählsträngen, die lesend nachzuvollziehen mehr als anstrengend, häufig gar unmöglich ist. Verliert also der arglose Leser in dieser fragmentierten Erzählung die Orientierung, was voraussehbar ist, liegt das ganz gewiss nicht an seinem rezeptiven Unvermögen, soviel vorab. Dreh- und Angelpunkt der Geschichte mit ihren drei Protagonisten ist ein einziger Tag im August 2011, an dem die Künstlerin Milena Sonntag im Berlin ihre große Werkschau eröffnet. Ihr Ex-Geliebter Rudolf Zacharias, einst ihr Philosophie-Professor, reist extra aus Tokio an, ihr Ehemann Jonas, dessen Statement «Ich bin nur Physiker» ihn in intellektuellen Disputen der Künstlergemeinde stets aus der Schusslinie nimmt, holt ihn am Flughafen ab. Das ist auch schon die eigentliche Handlung, die wegen ihrer eintägigen Dauer unwillkürlich an Joyce erinnert. Aber anders als im «Ulysses» stehen hier nicht die Protagonisten im Zentrum der Erzählung, sondern die Geschichte Deutschlands selbst in politischer, gesellschaftlicher, wissenschaftlicher Hinsicht, und zwar über einen Zeitraum von etwa hundert Jahren hinweg. In den vielen die Seiten füllenden, aus der leitmotivischen «Spirale» heraus sich entwickelnden Erzählkreisen werden intellektuell anspruchsvoll philosophische, physikalische, kunsttheoretische, universitäre, historische, soziologische Themen behandelt. Die so entstehenden erratischen Bilder jedoch sind ohne inneren Zusammenhang, vieldeutig und kaum zu entschlüsseln, auch mit Hilfe des zweiten Leitmotivs «Sonne» nicht. Muss man also, wie in Feuilleton zu lesen war, den Roman mehrmals lesen, um ihn wirklich zu verstehen? Man könnte den sich radikal außerhalb aller Konventionen stellenden Erzählstil Lehrs, seine eher technisch als poetologisch angelegte Sprache, als provokativ empfinden. Inwieweit der auf diese Art bewerkstelligte Einblick ins deutsche Bewusstsein wirklich Erkenntnis fördernd ist, hängt einzig vom Erfahrungshintergrund des jeweiligen Lesers ab. Der Roman schließt nach meiner Einschätzung aber weite Leserkreise von einer bereichernden Wirkung der Lektüre mit Sicherheit aus, zu akademisch hochgestochen wird hier schwadroniert, quasi nach Bildungsbürgerart. «Ich bin vielfach ungebildet» hat der Autor mit einem Musil-Zitat eine entsprechende Frage abgewiegelt, meinen Nonsens-Verdacht damit erhärtend. Denn ob das akademische Parlando des Romans einer fachlich kritischen Prüfung standhält, vermag ich zwar nicht zu beurteilen, es bleibt aber doch fraglich. Ohne Zweifel schreibt Thomas Lehr auf höchstem Niveau, virtuos immer wieder die Erzählperspektiven wechselnd. Er erzeugt mühelos hoch assoziative Bilder in seinem breit angelegten deutschen Panorama, in dem Alltagsleben oder ökonomische Aspekte ausgeblendet bleiben und Sex als eine fast schon artistische Zweckübung behandelt wird, bei der Erotik kaum eine Rolle spielt. Die Figuren des Romans sind wenig lebensecht, zudem intellektuell maßlos überzeichnet, und manche der weit ausholenden Erzählbögen führen einfach nur ins Leere. In dem für die Shortlist des diesjährigen Buchpreises nominierten Roman ist der Inhalt der Form derart radikal untergeordnet, dass der Leser größte Mühe hat, auch nur ein Gran Sinn in das Ganze zu bringen. Schade eigentlich!
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