Sie lesen jetzt das Wort »jetzt« – und schon ist es vergangen. Das flüchtige Dasein der Gegenwart hat Philosophen und Physiker vor die größten Rätsel gestellt: Was ist die Zeit? Und warum fließt sie? Generationen von Wissenschaftlern haben sich vergeblich um Antworten bemüht, einige haben es aufgegeben. Nicht so Richard A. Muller. Er hat eine Theorie der Zeit aufgestellt, die neu ist und experimentell überprüfbar. Um sie vorzustellen, erklärt er zunächst mit großem Geschick die physikalischen Grundkonzepte wie Relativität, Entropie, Verschränkung, Antimaterie und Urknall. Darauf aufbauend entfaltet er seine provozierend neue Sicht mit all ihren Folgen für die Philosophie oder die Frage nach der Willensfreiheit. Eine kraftvolle und überzeugende Vision für die Lösung des alten Rätsels der Zeit.
»Muller hat einen bemerkenswert frischen und aufregenden Ansatz für die Erklärung der Zeit.«
Saul Perlmutter, Physik-Nobelpreisträger
»Ein provokatives und gut argumentiertes Buch über die Natur der Zeit.«
Lee Smolin
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Alais
4/5
26.04.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
Elektronen, die sich in der…
Elektronen, die sich in der Zeit rückwärts bewegen (sogenannte Positronen); Flugreisen, die nach dem Bezugssystem der Erde das Leben verlängern; eine wissenschaftliche Theorie, die man unmöglich verstehen kann ("[Ich kann] mit Sicherheit behaupten, dass niemand die Quantenmechanik versteht" von Richard Feynmann, Physiker und Quantenmechaniker, zitiert auf den Seiten 276 und 277) und die doch zu erstaunlich zutreffenden Ergebnissen führt ... Richard A. Muller zeigt in seinem Buch, das er der Frage nach dem geheimnisvollen Zeitpunkt "Jetzt" widmet, wie spannend die Welt der Physik und der Zeitphänomene unseres Universums ist. Dabei findet er für dieses so fürchterlich komplizierte Thema zumindest etwas verständliche Erklärungen und anschauliche Beispiele. Ich wünschte, meine früheren Physiklehrer wären wenigstens ein kleines bisschen so wie er gewesen! Dennoch – vieles von dem, was ich in der Theorie jetzt doch etwas besser begreifen kann, wie beispielsweise die Relativitätstheorie, übersteigt trotz allem tief in mir drin mein Vorstellungsvermögen, wo eine kleine, hartnäckige Stimme immer wieder "geht doch gar nicht" meint. Einiges empfand ich auch als beunruhigend, beispielsweise den Gedanken, dass die Milchstraße eine Geschwindigkeit von 1,6 Millionen Stundenkilometern aufweisen soll (wo ich doch schon bei wesentlich geringeren Geschwindigkeiten Panik bekomme), eigentlich aber alles schien mir sehr erstaunlich und faszinierend. Sehr sympathisch finde ich seine kritische Haltung gegenüber dem oft geradezu fanatischen Glauben, alles, was sich (noch) nicht wissenschaftlich erklären lässt, wäre falsch ("Der Physikalismus war eine machtvolle Religion, die der Physik einen Brennpunkt gegeben und damit unsere Zivilisation weit vorangebracht hat, aber man sollte ihn benutzen um Wahrheiten abzulehnen, die sich nicht quantifizieren lassen. Es gibt eine Realität jenseits der Physik, jenseits der Mathematik [...]", S. 394). Sehr schön ist auch die Gestaltung des Buches: ein himmelblaues Lesebändchen, mit viel Bedacht ausgewählte Illustrationen (beispielsweise Fotos erwähnter Wissenschaftler, zum Thema passende Comicstrips, ein Foto des ersten nachgewiesenen Positrons ...) und ein abwechslungsreicher Anhang mit einem Gedicht, Zitaten anderer Wissenschaftler und ganz vielen mir viel zu komplizierten Berechnungen. Für mich keine leichte Lektüre, die mich aber auch ein bisschen zum Träumen von all den rätselhaften Zeitphänomenen brachte!
Bewertung
4/5
23.12.2022
eBook (ePUB 3)
Beginn solide, Ende spekulativ
Seine Tour durch Relativitätstheorie und Quantenmechanik ist sehr gelungen. Anders als die theoretischen Physiker Carlo Rovelli und Lee Smolin, die sich in Sprache und mantrahaften Wiederholungen ergehen - weil sie vermutlich verlernt haben, ihre komplizierten Gedanken auf ein mittleres Verständnisniveau herabzubrechen - , gelingt es dem Experimentalphysiker Muller, seine sprachlichen Erklärungen mit kleinen Zahlenabschätzungen und genaueren Versuchsbeschreibungen zu vertiefen. Weniger gefällt mir seine Schlussfolgerung, dass die Gegenwart, das Jetzt, durch einen 4-dim. raum-zeitlichen Urknall ständig erzeugt wird. In begründeten Spekulationen haben nun mal Theoretiker wie Rovelli und Smolin mehr drauf. Es empfiehlt sich ohnehin, bei einem so schwierigen Thema wie der Physik der Zeit mehr als ein Buch zu lesen.
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